Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt erste Anzeichen einer Stabilisierung, bleibt aber in einer schwierigen Lage. Das Beschäftigungsbarometer des Ifo-Instituts stieg im Juli um 0,8 Punkte auf 93. „Der Arbeitsmarkt stabilisiert sich etwas, bleibt aber in schwierigem Fahrwasser“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Für eine echte Trendwende fehle es noch an wirtschaftlicher Dynamik.
Besonders schlecht fallen die Aussichten in der Industrie und im Handel aus. In der Industrie sank das Beschäftigungsbarometer weiter. Der Anteil der Unternehmen, die Stellen streichen wollen, liegt dort den Angaben zufolge um 18,5 Prozentpunkte über dem Anteil jener Unternehmen, die neue Arbeitsplätze schaffen wollen. Nahezu alle Industriebranchen planen demnach mit weniger Personal. Einzig die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen wollen laut Ifo-Institut ihre Belegschaft vergrößern.
Auch im Handel bleibt die Lage angespannt: Der Saldo liegt dort bei minus 15 Punkten. Allerdings hat sich das Barometer in diesem Bereich leicht verbessert. Bei den Dienstleistern fällt der Saldo mit minus 2,6 Punkten deutlich weniger negativ aus, doch auch dort überwiegt nach Angaben des Ifo-Instituts eine leichte Tendenz zum Stellenabbau. Besonders zurückhaltend zeigten sich die Unternehmen im Gastgewerbe. Am Bau halten sich Einstellungen und Entlassungen weitgehend die Waage.
IAB-Forscher Weber sieht Wirtschaftskrise und Demografie als Ursachen
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bestätigt das trübe Bild. Dessen Arbeitsmarktbarometer fiel im Juli um 0,2 Punkte auf 99,4 Punkte – und damit unter die Marke von 100 Punkten, die eine neutrale Entwicklung anzeigt. „Die Arbeitslosigkeit steigt seit vier Jahren, aber lange gab es trotzdem noch einen positiven Beschäftigungsausblick“, sagte IAB-Forscher Enzo Weber. Angesichts von Wirtschaftskrise und demografischer Schrumpfung reiche es dafür mittlerweile nicht mehr. Die jüngste Eskalation im Nahen Osten mit steigenden Ölpreisen stelle eine zusätzliche Belastung dar.
Das Ifo-Beschäftigungsbarometer war im April noch auf ein Mehrjahrestief gefallen. Derzeit bewegt es sich nach Angaben des Instituts wieder auf einem Niveau, das dem der vergangenen eineinhalb Jahre weitgehend entspricht.
