Produkte mit Protein-Hinweis auf der Verpackung wachsen im deutschen Lebensmittelhandel deutlich stärker als vergleichbare Angebote ohne eine solche Bezeichnung. Dies teilte das Marktforschungsunternehmen NIQ mit. Verbraucher akzeptieren dafür teils erhebliche Preisaufschläge. Besonders deutlich zeigt sich der Trend in der sogenannten Weißen Linie, zu der unter anderem Joghurt, Quark, Skyr und proteinreiche Milchgetränke gehören.
Proteinvarianten deutlich teurer
In den zwölf Monaten bis März 2026 stieg der Umsatz von Produkten, die auf der Verpackung mit einem höheren Proteingehalt werben, gegenüber den vorangegangenen zwölf Monaten um 21,5 Prozent. Produkte ohne einen solchen Hinweis legten lediglich um 2,2 Prozent zu. Beim Absatz öffnete sich die Schere noch weiter: Proteinprodukte kamen auf ein Plus von 19,4 Prozent, während das übrige Segment stagnierte. Dabei waren die Proteinvarianten deutlich teurer. Im Durchschnitt kostete eine Packung 1,50 Euro, gegenüber 1,07 Euro bei Produkten ohne Protein-Hinweis. Der Preisaufschlag lag damit bei rund 40 Prozent.
Starkes Wachstum auch bei Proteinpulver
Auch bei Proteinpulver zeigt sich ein starkes Wachstum. Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel und in Drogeriemärkten stieg der Umsatz von 113 Millionen Euro in den zwölf Monaten bis Juni 2024 auf 327 Millionen Euro in den zwölf Monaten bis Juni 2026. Das entspricht einem Wachstum von 189 Prozent binnen zwei Jahren. Die Zahl der Käuferhaushalte erhöhte sich im selben Zeitraum von rund 2,5 Millionen auf mehr als 5,1 Millionen. Damit kaufte zuletzt etwa jeder achte Haushalt in Deutschland mindestens einmal im Jahr Proteinpulver. Besonders stark wächst die Nachfrage unter jüngeren Verbrauchern. In der Generation Z stieg der Anteil der Käuferhaushalte von 9,5 auf 20,8 Prozent, bei den Millennials von 8,8 auf 19,6 Prozent.
Drogeriemärkte dominieren den Proteinpulver-Markt
Zugleich gewinnt der stationäre Handel. Bei Vollsortimentern stieg der Umsatz im gleichen Zeitraum von 32 auf 154 Millionen Euro. Der Online-Anteil sank dagegen von 23,2 auf 12,5 Prozent. Wichtigster Vertriebskanal bleiben die Drogeriemärkte. Mit einem Umsatz von knapp 127 Millionen Euro im aktuellen Jahr entfallen auf sie mehr als ein Drittel des Gesamtmarktes. „Protein hat den Sprung aus der Fitnessnische in den Massenmarkt geschafft“, zitierte NIQ den Konsumtrend-Experten David Georgi.
Nicht nur Protein entwickelt sich zum Verkaufsargument. Auch Produkte mit Ballaststoff-Hinweis legen zu. In den zwölf Monaten bis April 2026 stieg der Umsatz von Erdnussbutter mit einem solchen Hinweis gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 159 Prozent. Bei Limonaden wuchs der Umsatz von Varianten mit Zusätzen wie Ballaststoffen oder Vitaminen bis März 2026 binnen zwölf Monaten um 35,4 Prozent, während klassische Limonaden leicht verloren. Auch bei Gesichtspflege orientieren sich Verbraucher zunehmend an konkreten Inhaltsstoffen. In den zwölf Monaten bis März 2026 stieg der Umsatz von Produkten mit Kollagen um 17,6 Prozent, während die Gesichtspflege insgesamt nur um 5,5 Prozent wuchs. Käufer zahlten für Produkte mit diesen Inhaltsstoffen mehr: Gesichtspflege kostete im Durchschnitt 5,83 Euro je Packung, Produkte mit Retinol 6,32 Euro und Produkte mit Kollagen 6,71 Euro.
