Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juli etwas verbessert. Das Ifo-Geschäftsklima stieg um 0,9 Punkte auf 86,6 Punkte, wie das Münchner Forschungsinstitut mitteilte. Damit hellte sich die Stimmung den dritten Monat in Folge auf, nachdem sie infolge des Iran-Kriegs eingebrochen war. „Trotz der unsicheren Lage am Persischen Golf zeigt sich die deutsche Wirtschaft weniger pessimistisch“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.
Der Anstieg geht auf verbesserte Erwartungen der Unternehmen zurück. Der Erwartungsindikator stieg um 2,4 Punkte auf 86,7 Punkte. Die aktuelle Lage bewerteten die Unternehmen hingegen schlechter. Die Lagebeurteilung sank um 0,5 Punkte auf 86,5 Punkte. Für die Umfrage befragte das Ifo-Institut nach eigenen Angaben 9.000 Unternehmen.
Im Dienstleistungssektor verbesserte sich die Stimmung. Auch im Handel hellte sich das Geschäftsklima erneut auf, von minus 26,7 im Juni auf minus 23,4 im Juli. Im April – nach Beginn des Iran-Kriegs – hatte der Indikator für den Handel noch bei minus 32,7 gelegen. Insbesondere die Einzelhändler zeigten sich zuletzt weniger pessimistisch. Im Bauhauptgewerbe stieg der Indikator ebenfalls. Weniger Bauunternehmen klagten über fehlende Aufträge.
Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer sieht begrenzte Aussagekraft
Die Aussagekraft des Anstiegs ist allerdings begrenzt. „Der deutliche Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas ist nur bedingt aussagefähig, weil die meisten Unternehmen die Umfrage vor dem massiven Ölpreisanstieg der beiden letzten Wochen beantwortet haben“, schreibt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer in einem Kommentar. Der Anstieg zeige aber, welches Erholungspotenzial vorhanden sei, falls sich die USA und der Iran einigten und die Straße von Hormus dauerhaft geöffnet würde. Krämer erwartet, dass die Konjunktur auch im zweiten Halbjahr unter den hohen Energiepreisen leidet, da der Weg zu einer Verständigung lang und holprig werden dürfte.
Marc Schattenberg, Volkswirt bei der Deutschen Bank, führte den Optimismus vieler Unternehmen auf die jüngsten Reformbeschlüsse der Bundesregierung zurück. Ein Wermutstropfen sei die leichte Eintrübung in der Lagebeurteilung. Die jüngste Eskalation im Persischen Golf und der damit verbundene erneute Anstieg der Öl- und Gaspreise dürften hier belastet haben und blieben auch für die kommenden Monate ein Risiko.
