Widerrede Loyalty-Apps im Lebensmittelhandel – unverzichtbar oder überschätzt?

Hintergrund

Die Mehrheit der Lebensmittelhändler bietet Kunden eine Loyalty-App an. Sind App-Angebote also heute unverzichtbar?

Montag, 07. September 2026, 07:40 Uhr
Lebensmittel Praxis
Franz Tretter (li.) und Carsten Kortum Bildquelle: Wolfgang Haidinger, Carsten Kortum

„Kunden im Lebensmittelhandel erwarten Belohnungen für ihre Treue.“

Von Franz Tretter, Geschäftsführer Hello Again

Franz Tretter ist Gründer und Geschäftsführer von Hello Again. Das Unternehmen bietet eine digitale Plattform zur Kundenbindung an. Zu seinen Kunden zählt unter anderem die Genossenschaft aus dem Edeka-Verbund Konsum Leipzig.

Wer im Lebensmitteleinzelhandel zukunftsfähig bleiben will, kommt an einer Loyalty-App nicht mehr vorbei. Die Ergebnisse unseres Loyalty Reports 2026 zeigen eindeutig: Kunden im Lebensmittelhandel erwarten wie in keiner anderen Branche Belohnungen für ihre Treue, andernfalls wechseln sie zur Konkurrenz. Ein klares Signal für Unternehmen, echte Wertschätzung zu zeigen. Der Lohn dafür sind treue Kunden, die bis zu 30 Prozent mehr ausgeben und deutlich häufiger einkaufen.

Moderne Kundenbindung setzt außerdem auf personalisierte Angebote statt pauschaler Rabatte. Ein Vegetarier will keine Fleischwerbung erhalten. Gleichzeitig fordern 86 Prozent der Kunden mindestens einmal pro Woche Informationen zu Angeboten. Der effektivste Hebel ist hier die Push-Nachricht: direkt, prägnant und wirksamer als jeder Newsletter.

Kurzum: Die Loyalty-App ist vom „Nice-to-have“ zum unverzichtbaren „Must-have“ geworden. Wer diese Entwicklung verschläft, verspielt fahrlässig seine Wettbewerbsfähigkeit.


„Ein Preis für alle entspricht konsequenter Discount-DNA.“

Von Carsten Kortum, Professor an der DHBW Heilbronn

Carsten Kortum unterrichtet an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn im Studiengang BWL-Konsumgüterhandel die Handelskurse und berät Handelsunternehmen zu Themen entlang globaler Wertschöpfungsketten.

App-Angebote sind nützlich, aber nicht unverzichtbar. Aldi zeigt, dass Kundenbindung auch ohne exklusive App-Preise funktionieren kann: ein Preis für alle, ohne Aktivierung oder Datenfreigabe. Das entspricht konsequenter Discount-DNA.

Auch empirisch ist „App gleich Loyalität“ zu einfach. Unsere DHBW-Studie aus dem Jahr 2025 zeigt: Händler-Apps und Coupons werden intensiv genutzt, ihre wahrgenommene Relevanz bleibt jedoch deutlich dahinter zurück. Hauptmotiv ist Sparen, nicht Loyalität. Kundenbindung über Apps ist außerdem nicht kostenlos. Bon-Daten zeigen relevante zusätzliche Preisnachlässe durch Vorteilsprogramme von über 1 Prozent vom Umsatz bei vielen Händlern. Gleichzeitig können Apps „Multi-Loyalität“ fördern: Der Kunde folgt dem besten Coupon statt einem Händler.

Dass es anders geht, zeigt Aldi: Aldi Süd erreichte 2024 Platz eins bei der Kundenloyalität unter den Discountern und 2025 Platz zwei. Loyalität entsteht damit auch durch Preisvertrauen, Preisfairness, Einfachheit und ein klares Leistungsversprechen.

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