Getränkeverpackung Mehrwert Mehrweg ?

Die Unionsfraktion stellt in einer Kleinen Anfrage ungewöhnlich deutlich die Vorteile des Mehrwegsystems bei Getränken infrage.

Montag, 15. August 2022 - Getränke
Tobias Dünnebacke
Artikelbild Mehrwert Mehrweg ?
Bildquelle: Tobias Koch/CDU

In Deutschland setzen viele Getränkeabfüller auf eigene, individuelle Mehrwegflaschen, anstatt auf einheitliche Flaschen aus einem deutschlandweiten Pool zurückzugreifen. Allein bei Bier stieg der Anteil von Individual-Mehrwegflaschen zwischen 2012 und 2017 laut Umweltbundesamt von 15 Prozent auf 42 Prozent. Diese Fakten sind bekannt, und es gibt erste Brancheninitiativen, um diesen hohen Grad der Individualisierung zurückzufahren.

Dennoch setzt die Unionsfraktion im Bundestag die Regierung jetzt mit Fragen weiter unter Druck. So will man in der von Friedrich Merz (CDU) und Alexander Dobrindt (CSU) unterzeichneten Anfrage den genauen Ressourcenverbrauch und Transportaufwand für beziehungsweise von Mehrweg-Getränkeflaschen wissen. Zudem interessieren sich die Abgeordneten dafür, was die Bundesregierung unternimmt, „um dem Trend zu Individualisierung bei Mehrwegflaschen zu begegnen“.

Die Anfrage kommt nicht ohne Grund zum jetzigen Zeitpunkt. Das Umweltbundesamt, der verlängerte Forschungsarm des Bundesumweltministeriums unter der Leitung der Grünen Steffi Lemke, führt derzeit eine Studie mit dem Titel „Optimierungspotenziale von Getränkeverpackungen“ durch. Der Bericht soll endlich Bewegung in die stagnierenden Mehrwegquoten bringen, ganz zum Argwohn jener Akteure im Markt, die vornehmlich auf Einweg setzen. Diskutiert werden verbindliche Mehrwegquoten für den Handel, niedrigere Steuersätze für Mehrweg sowie zusätzliche Abgaben auf Einweg-Plastik und andere Gebinde, die nicht wiederbefüllt werden können.

„Welche aktuellen Daten liegen zu den Wiederbefüllungsraten von Individual-Flaschen vor ?“

Aus einer Kleinen Anfrage der CDU/CSU-Fraktion

Das Thema ist angesichts des Ukraine-Krieges und eines drohenden Gas-Engpasses eine Nische, aber Teile der Branche freuen sich über die klare Formulierung der CDU. „Endlich hinterfragt mal jemand den Blödsinn“, erklärt ein Insider aus der Verpackungsbranche.

Neben kritischen Aspekten zum Thema Mehrweg wie Ressourcenverbrauch und Transportaufwand sowie Zweifeln an den immer wieder genannten hohen Umlaufzahlen für beispielsweise Glasflaschen packt das Schreiben noch ein weiteres heißes Eisen an: „Ein wissenschaftlich fundierter Vergleich der ökologischen Gesamtwirkungen unterschiedlicher Getränkeverpackungen ist dringend geboten.“ Im Klartext: Die Union fordert neue Ökobilanzen. Die Datenlage gilt als veraltet. Insbesondere Einweg-Befürworter kritisieren die ökobilanzielle Bewertung von Glasflaschen als realitätsfern. Dass sich das Umweltministerium auf ein solch teures und lange andauerndes Prozedere einlassen wird, gilt indes als unwahrscheinlich: Besonders die Grünen wollen jetzt endlich den Markt in Richtung Mehrweg umkrempeln.

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