Sirup Dabei sein ist alles

Galten die Deutschen lange als Sirup-Muffel, gibt es seit der Corona-‧Pandemie kein Halten mehr. Der Markt wird mit neuen Produkten überflutet. Ein Alleinstellungsmerkmal ist dabei obligatorisch.

Dienstag, 28. Juni 2022 - Getränke
Tobias Dünnebacke
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Trotz leichter Wachstumsraten war das Sirup-Segment vor der Corona-Pandemie eine Spielwiese, die die meisten Getränkehersteller sich angesichts der überschaubaren Größe des Marktes sparten. Spätestens seit die Pepsico-Tochter Sodastream 2020 die Weltmarken des Mutterkonzerns als Sirup in die Regale stellte und der Rivale Coca-Cola kurz darauf nachzog, scheint es kein Halten mehr zu geben.

Eckes-Granini, Almdudler, Drinkstar oder Capri-Sun: Man findet wenige Hersteller, die mittlerweile nicht einen eigenen Sirup im Angebot haben. Laut GfK ist die Penetration im Sirup-Markt, also der Anteil aller Haushalte in Deutschland, die mindestens einmal im Jahr ein solches Produkt kaufen, 2021 gegenüber dem Vorjahr noch einmal um 5,1 Prozent gewachsen (DE GfK Consumer Panel FMCG CP+ 2.0).

Eine Studie von Mafowerk unter 1.000 Käufern von Getränke-Sirup macht vor allem den Hype der Sprudlersysteme für den Erfolg verantwortlich: Von den Sodasprudler-Besitzern verwenden knapp 54 Prozent für den Getränke-Sirup auch einen Wassersprudler. „Die Nachfrage nach unseren Sirups ist weiterhin groß, das Ende der Fahnenstange haben wir aber noch lange nicht erreicht“, erklärt Marc Steinebach, Sales Director, Sodastream Deutschland und Österreich.

Dabei wird jetzt schon deutlich, dass „nur“ ein Sirup nicht reicht, um noch die Aufmerksamkeit von Handel und Verbraucher zu gewinnen.

Ein Zusatznutzen, ein Alleinstellungsmerkmal ist obligatorisch. Marktführer Sodastream setzt seit Kurzem auf eine zertifizierte Bio-Range mit sechs Sorten in Flaschen aus mindestens 75 Prozent recyceltem Altglas. „Ein weiterer wichtiger strategischer Schritt, den Getränkemarkt in Deutschland umzukrempeln und positiv zu verändern“, so Steinebach über ein Grundversprechen von Sodastream: Selber sprudeln und mischen ist nicht nur bequem und günstig, sondern auch nachhaltig.

Ohne Mehrwert geht nichts mehr
Laut Mafowerk spielt das Gebinde mittlerweile durchaus eine Rolle. Rund zwei Drittel der Befragten gaben an, besonders auf die Verpackung zu achten. Demnach präferiert gut jeder Zweite die Glasflasche, jeder Dritte bevorzugt eine Flasche aus recyceltem Plastik.

Auf dieses Gebinde setzen die Markenmacher des Kindergetränks Capri-Sun und bieten aktuell einen neuen Sirup in einer 600-Milliliter-Flasche an. Julia Straschil, Global Brand Director bei Capri-Sun, sagt dazu: „Die Einführung des neuen Capri-Sun Sirups mit Vitaminen ist auch ein weiterer Schritt auf unserer Nachhaltigkeits-Agenda. Unsere Flasche besteht zu hundert Prozent aus Recycling-Material und kann, wenn sie leer ist, wieder vollständig verwertet werden.“ Nicht zu vergessen die Menge an Getränk, die der Käufer aus dem Sirup rausholen kann. Mit einer Flasche Capri-Sun Sirup + Vitamine sind 6 Liter garantiert – das seien fünf Flaschen weniger Verpackung, und dies führe insgesamt zu weniger CO2-Emissionen.

Trend zur Zuckerreduktion
Mit Zusatznutzen will auch der österreichische Hersteller Almdudler punkten. Vor allem beim Inhalt. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Wettbewerber im Markt soll der Almdudler Alpenkräutersirup mit 30 Prozent weniger Zucker überzeugen, ganz ohne Süßungsmittel, Farbstoffe und Konservierungsmittel. Das Produkt der Wiener ist zudem vegan zertifiziert und wird in Österreich CO2-neutral produziert. „Da wir tief in der Gastronomie und dem Tourismus verwurzelt sind, hat uns die lang anhaltende Schließung der Gastronomie hart getroffen. Die Konsumenten fokussierten sich verstärkt auf die Auswahl der Einkaufsstätten und die Zeit in den eigenen vier Wänden“, erklärt Almdudler-Geschäftsführer Gerhard Schilling.

Auch Eckes-Granini setzt auf ein zuckerreduziertes Angebot. „Selber mischen ist der Convenience-Trend im AfG-Mark, und insbesondere die Nachfrage nach zuckerfreien Sirup-Varianten wächst deutlich über Markt-Niveau“, erklärt Daniela May, Senior Brandmanagerin, Fruchttiger & YO. YO Sirup ohne zugesetzten Zucker ist seit einigen Wochen im Handel erhältlich. „Das wird auch bisherige Nicht-Verwender überzeugen“, ist sich May sicher.

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