„Landbauern Schwein“ Die Kunden fragen nach der Haltung

Fleisch, Milch und Eier ohne schlechtes Gewissen genießen: Das ist immer mehr Menschen wichtig. Beispiel: Die Marke „Landbauern Schwein“ der Rewe Südwest.

Freitag, 28. Januar 2022 - Fleisch
Jens Hertling
Artikelbild Die Kunden fragen nach der Haltung
Bildquelle: Rewe Südwest

Lebendig geht’s zu im Schweinestall von Annika Thier vom Hofgut Bronnacker im badischen Ort Rosenberg. Hier macht jedes Schwein, was es will. „Eine möglichst tiergerechte Haltung ist mir besonders wichtig. Und gerade Schweine sind interessante Tiere. Darum habe ich mich entschieden, beim Projekt ‚Landbauern Schwein‘ der Rewe Südwest mitzumachen“, sagt Landwirtin Annika Thier. Die studierte Agrarwissenschaftlerin kümmert sich auf dem Hof hauptsächlich um die Tiere, die für die Rewe Südwest vermarktet werden.

„Derzeit fragen unsere Kunden zunehmend nach der Herkunft und Haltung der Tiere. Mit unserer noch jungen Marke ‚Landbauern Schwein‘ erfüllen wir die Kundenwünsche und gehen auch neue Vermarktungswege“, sagt Metzgermeister Rudolf Müller, der als Category-Manager für den Einkauf der Metzgereiartikel bei der Rewe Südwest zuständig ist.

Die Marke „Landbauern Schwein“ steht für folgende Mehrwerte: Aufzucht, Mast, Schlachtung und Verarbeitung – alles findet in Baden-Württemberg statt. Lange Transportwege und unnötiger Stress für die Tiere werden vermieden. Die Ferkel werden in Baden-Württemberg auf Basis des Duroc-Schweins mit einer Magerfleisch-Marmorierung gezüchtet und kommen dann im Alter von acht bis neun Wochen auf den Hof. Die Tiere im Qualitätsfleischprogramm „Landbauern Schwein“ haben in ihren Ställen 40 Prozent mehr Platz, Frischluft und Tageslicht, Stroheinstreu und weitere Beschäftigungsangebote, mit denen sie ihr wesensgerechtes Verhalten ausleben können. Sie erhalten komplett gentechnikfreies Futter. Die Produkte der Marke „Landbauern Schwein“ sind mit dem Qualitätszeichen Baden-Württemberg (QZBW) ausgezeichnet und entsprechen der Haltungsform 3. Die Schlachtung erfolgt im Metzgerschlachthof Göppingen. Die Stuttgarter Metzgergenossenschaft Mega wirkt als Vermarktungspartner an dem Projekt mit. Aktuell gibt es das hochwertige Fleisch der Marke „Landbauern Schwein“ in den Bedienungstheken von 37 Rewe-Märkten im Großraum Stuttgart und Schwaben sowie in 77 Märkten der Metropolregion Rhein-Neckar im SB-Kühlregal.

Fleisch nicht verramschen
„Fleisch ist ein hochwertiges Lebensmittel, doch durch günstige Angebote wird oft das Gegenteil vermittelt. Produkte der Marke ‚Landbauern Schwein‘ gibt es nicht als Aktionsware“, bekräftigt Rudolf Müller. Entsprechend wurden alle Metzger und Verkäufer intensiv geschult. Außerdem haben die Mitarbeiter den Erzeuger- sowie den Schlachtbetrieb besucht und haben dort Einblicke erhalten. Sie kennen die Argumente für das „Landbauern Schwein“ und sind für schwierige Kundenfragen gewappnet. Für die Verkäufer der Rewe heißt die Herausforderung dieses Projekts „From nose to tail“. Rudolf Müller erklärt die Lösung für die Bedientheke: „Das A und O sind aktives Verkaufen und die Kundenkommunikation. Es gilt daher, den Kunden zu erklären, dass es eben einmal sein kann, dass eine Schweinekeule aus ist.“ Das sei in der Praxis aber eine große Hürde. Der Verbraucher sei es gewohnt, alles zu jeder Zeit und zum günstigen Preis zu ergattern, so Müller. „Wir wollen ein wenig dazu beitragen, dass Fleisch wieder zu dem Lebensmittel wird, das es eigentlich sein sollte: etwas Besonderes.“ Das „Landbauern Schwein“ kostet an der Theke je nach Teilstück zwischen einem und zwei Euro mehr pro Kilo, bezogen auf den bisherigen Normalpreis. Dieser Mehrpreis ergibt sich aus dem höheren Preis, den die Mäster erhalten. Hier hat die Rewe im Rahmen einer auf mindestens drei Jahre verbindlichen Vertragslandwirtschaft festgelegt, dass der Landwirt circa 50 Euro mehr pro Schwein erhält. „Der Landwirt braucht Sicherheit – die muss der andere Partner mitgestalten“, sagt Müller. Die Erzeuger bekommen ebenfalls eine Unter- und eine Obergrenze auf den derzeitigen Schweinepreis. „Es muss so sein, dass beide Seiten davon leben können und das Projekt betriebswirtschaftlich sinnvoll ist“, erklärt Müller. Wie bei Vertragslandwirtschaft stets üblich, wurde eine Mindestabnahme vereinbart – diese beträgt bei Landwirtin Annika Thier derzeit 60 Schweine pro Woche. „Bei den teilnehmenden Märkten ist noch Luft nach oben. Das liegt unter anderem am Rohstoff, denn so schnell ist das ‚Landbauern Schwein‘ nicht für alle Märkte der Rewe Südwest verfügbar.“ Rudolf Müller bekräftigt: „Wir sind bestrebt, weitere Verträge mit Bauern zu schließen.“

Schulung hat oberste Priorität
„Die Resonanz der Kunden ist durchweg positiv. Wenn ein Kunde überzeugt ist, bleibt er dabei“, erzählt Müller. Deswegen habe die Schulung des Personals für ihn oberste Priorität. „Das Wesentliche ist, dass der Mitarbeiter hinter der Theke seinen Stammkunden Rede und Antwort stehen kann. Wenn er sie überzeugen kann, funktioniert das Verkaufen des Qualitätsfleischs.“

Das „Landbauern Schwein“ wird und soll langsam und vernünftig wachsen. Dies vertreten auch die Rewe Südwest und die teilnehmenden Landwirte. Rewe-Category-Manager Müller: „Die Wertschöpfungskette muss nach und nach und vor allem gemeinsam wachsen können. Meine Vision ist, dass das ‚Landbauern Schwein‘ bei der Rewe Südwest in den nächsten zehn Jahren die konventionellen Schweinefleischprodukte an allen Theken ersetzt.“
Das Landbauern-Fleischprogramm bei der Rewe Südwest wird zeitnah ausgeweitet. Geplant ist „Landbauern Hähnchen“ sowie „Landbauern Rind und Kalb“. Auch hier ist oberste Prämisse: gemeinsam mit ausgewählten Partnern aus der Landwirtschaft hohe Tierwohl- und Qualitätskriterien umzusetzen.

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