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Wintergrillen Der Grill bleibt an

Jens Hertling | 09. Oktober 2020
Wintergrillen: Der Grill bleibt an
Bildquelle: Getty Images

Im Sommer erfreut sich das Grillen großer Beliebtheit, doch auch in der kalten Jahreszeit bietet der Grill viele Möglichkeiten. Vor allem hochwertiges Fleisch und die altbewährte Bratwurst liegen im Trend.

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Drei Viertel der Haushalte in Deutschland grillen regelmäßig. Und dabei kommt längst nicht mehr nur Fleisch oder Wurst auf den Rost. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsunternehmens Nielsen hervor. Das Selbstbewusstsein der Griller ist beträchtlich. Immerhin 45 Prozent der Befragten würden sich als „Grillexperten“ bezeichnen, berichteten die Marktforscher. Grundsätzlich lassen sich laut Nielsen hierzulande drei verschiedene Grilltypen unterscheiden: Die „Für-sich-selbst-Griller“, die „Gemeinschafts-Griller“ und die „Party-Griller“.

  • Für die „Für-sich-selbst-Griller“ ersetze Grillen das Kochen, betonen die Marktforscher.
  • Die „Gemeinschafts-Griller“ machen den Grill dagegen hauptsächlich an, wenn sie Besuch haben.
  • Die „Party-Griller“ holen den Holzkohle- oder Gas-Grill dagegen vor allem zu speziellen Anlässen raus, bei Partys oder zu großen Festen.

Herbstgrillen liegt im Trend
Der Griller gehört zum Garten wie der Rasenmäher. Doch der Griller kann weiter betrieben werden, wenn der Rasenmäher in den Winterschlaf fällt. Weder kalte Temperaturen noch Schnee oder Minusgrade sind ein Grund den Grill zu meiden. Draußen Fleisch und Gemüse zubereitet, drinnen genossen. Wintergrillen ist nicht nur ohne Weiteres möglich, es macht aus einem gemütlichen Abend mit den Freunden ein kleines Event. Doch wann beginnt die offizielle Herbst-Grillsaison? „Da muss ich die Gegenfrage stellen - gibt es das überhaupt, das Herbst- und das Wintergrillen? Grillen ist heute ein absolutes Ganzjahresthema“, sagt Thomas Vogelsang, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Fleischwarenindustrie. Grillen sei ein Spaß in der Gruppe und kommt dem zunehmenden Anteil der Verbraucher ohne Kochkünste entgegen. Neben Fleischerzeugnissen ist auch das Angebot an Saucen, Dips oder Feinkostsalaten nach meiner Wahrnehmung deutlich größer geworden, so Vogelsang. „Generell ist es ja so, dass die Grillsaison nicht mehr im Herbst endet, sondern ganzjährig gegrillt wird. Deshalb ist der Übergang fließend. „Das eigentliche Wintergrillen verbinde ich vor allem mit kalten Temperaturen. Es hat seinen besonderen Reiz, bei Minusgraden oder sogar im Schnee, etwa zu Weihnachten, den Grill anzuwerfen“, sagt Yannick Meurer, Fleischsommelier des Onlineanbieters Gourmetfleisch.de. In der kalten Jahreszeit steigt vor allem die Nachfrage nach Schmorgerichten, Filet und Wild, hat Meurer beobachtet. Aber auch BBQ Klassiker wie Spare Ribs oder Pulled Pork stehen hoch im Kurs, weil es sich bei diesen um Low & Slow Gerichte (langes Garen bei niedriger Temperatur) handelt, zu denen es viele Grillenthusiasten lieben, gemütlich mit einem Heißgetränk am Grill zu stehen. Ebenfalls voll im Trend: Der Dutch Oven. Hier lassen sich wunderbar Eintopfgerichte à la Irish Stew zubereiten, so Meurer. Welche Tipps gibt der Fleischsommelier bezüglich der Schulung der Mitarbeiter? „Sie sollten einfach wissen, was im Winter besonders gefragt ist und die Kunden auf Nachfrage individuell beraten können.“

Der Grill geht nicht mehr aus
„Bei uns geht der Grill nicht mehr aus“, sagt Olaf Hauf, Fleischsommelier und Vertriebsleiter bei der R&S Vertriebs GmbH. Laut Hauf werden Roastbeef, Entrecote, Filet und die Special Cuts bei den Steaks am meistern verkauft. Wie sollten die Händler ihre Produkte präsentieren? „Dafür gibt es keine feste Regeln, natürlich im Block und natürlich saisonal abgestimmt. Hochwertigstes Fleisch benötigt eine entsprechende Präsentation. Ich rede immer davon, bietet dem Besonderen eine Bühne – also Blickfänge schaffen in der Mitte der Theke“, sagt Fleischsommelier Hauf.

Grillwürste liegen im Trend
Für die Herbst-/Wintergrillsaison hält Martin Weisslämle, Bereichsleiter Frische/Theke bei Hieber‘s Frische Center KG, ein relativ ein breites Sortiment von hochwertigen T-Bone Steaks bis zum Nürnberger Würstel bereit. „Gerade auch bei den Grillwürsten ist hier ein Trend zu spüren. Berner Würste und regionale Grillwürste werden bei uns jetzt im Vergleich zu früher das ganze Jahr verkauft. Vor fünf Jahren war das nur ein klassischer Sommerartikel.“ Die Schulung der Mitarbeiter wird bei Hieber direkt in einer Grillschule bei einem Profigrillmeister durch geführt. „Gerade im Winter muss man auf Temperatur und andere Grillmethoden zurückgreifen. Ganz wichtig dabei ist die Schulung der Mitarbeiter über die Produkte und die Gartemperatur“, sagt Weisslämle. Auch bei der Präsentation lassen sich die Verantwortlichen bei Hieber einiges einfallen: „Sie läuft auf Schieferbrettern oder Bretter mit Holzdekor, teilweise auf Grillrosten und in Form und Höhe etwas von den anderen Produkten abgehoben“, sagt Weisslämle.

Grillsaison geht über
Bei Sven Komp, Inhaber von drei Edekamärkten in Wesel, geht die Sommer-Grillsaison einfach in die Herbst-Grillsaison über. „Das Herbstgrillen hat sich in den vergangenen fünf Jahren etabliert. Wir bieten das gleiche Programm wie im Sommer an, nur die Größe und die Anzahl der Fleischsorten wird etwas herunter gefahren.“ Verkaufsschlager an der Theke sind laut Sven Komp Fisch, Hähnchen und Würstchen. „Zunehmend gefragt sind bei unseren Kunden aber auch hochwertige Rindfleischprodukte, wie etwa Flank Steaks, US-Entrecote und Dry Aged Beef“, sagt Sven Komp. Bei Kikok-Hähnchen und diversen Artikeln vom Ibérico-Schwein zeigt die Absatzkurve ebenfalls steil nach oben. Bekannt sind die Komps-Märkte zudem besonders wegen der Steakkompetenz, sagt der Inhaber. „Wir sind hier im Umkreis von 30 Kilometern das einzige Geschäft, das Rindfleisch-Spezialitäten, wie etwa Wagyu-Hüfte, aus Australien anbietet“, berichtet Sven Komp.