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Wintergrillen Einheizen bei Minusgraden

Myrjam Dobesch | 31. August 2018
Wintergrillen: Einheizen bei Minusgraden

Bildquelle: Getty Images, Welsh Lamb

Wintergrillen erfreut sich wachsender Beliebtheit. Der Handel scheint noch zögerlich zu agieren. Was ist zu beachten und wie kann das Potenzial genutzt werden?

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Grillen im Sommer gehört laut Statista zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen. Warum also nicht das Grill-Vergnügen in die kalte Jahreszeit verlängern? Die Medien bestätigen mit zahlreichen Tipps und Praxisbeispielen den Trend. Franz Sander, Abteilungsleiter Frische bei Rewe Kramer in Recklinghausen , geht sogar weiter: „Ich sehe im Wintergrillen mehr als einen Trend. Es hat sich bereits etabliert“. So luden in Attendorn im Februar einige Einzelhändler mit Unterstützung der Stadt zum ersten winterlichen Grillen ein – mit Erfolg. Laut Chris Reich, Profi-Griller, tut sich der Lebensmittel-Einzelhandel (LEH) aber noch schwer mit dem Thema und reagiere ehe zögerlich. Zu Recht steht immer die Frage im Raum: „Möchte mein Kunde das wirklich?“ Wo Affinität besteht, bedarf es jedoch oft nur kleiner Anreize, um Bedürfnisse zu wecken und damit die Nachfrage zu steigern.

Kunden abholen
Im Winter stehen deftige Speisen im Fokus. Gewürze, Grillgut und Beilagen sollten entsprechend der Saison angepasst werden. Manch einem fehlt die Vorstellung von den Möglichkeiten. Wild eignet sich zum Beispiel gut zum Grillen. Aufgabe des Händlers ist, diesbezüglich zu beraten, dem Kunden Bedenken zu nehmen und Ideen zu liefern. „Das Fleisch verhält sich auf dem Rost genauso wie Rind oder Schwein“, so Reinhard Laustroer, Händler für Geflügel- und Wildspezialitäten in der Senne. Für Weihnachten darf es auch eine gegrillte Gans oder Lachs sein und Bratapfel oder Stollenscheiben „à la Arme Ritter“ als Dessert. Dazu passen als Getränke Glühwein und Punsch.

Um zu zeigen, was alles möglich ist, bietet sich eine winterliche Grill-Aktion mit Verkostung vor dem Laden an. Chris Reich ergänzt: „Der Händler könnte auch einen Kunden- Workshop anbieten. Diese bezahlen einen Betrag X und können dann während drei Stunden sehen, wie Winter-Grill-Spezialitäten zubereitet werden und probieren“. Dies ist eine gute Grundlage, damit der Kunde im Laden dann zulangt. Aktionsaufbauten zum Thema bringen zusätzlich Aufmerksamkeit und fördern den Spontankauf.

Eindrücke aus der Praxis
Bei Rewe Kramer ist ganzjährig Grillsaison. Ralf Kramer liebt es, am heißen Rost zu stehen und hat mit Franz Sander, Fleischermeister und –sommelier, den „Beef & Smoke Club“ ins Leben gerufen. Regelmäßig finden, in angegliederten Räumlichkeiten in unmittelbarer Nähe zum Markt , Grill-Abende statt. Entsprechende Utensilien sowie Holzkohle und Briketts findet der Kunde in einer kleinen Dauerplatzierung im Getränkemarkt. „Grill-Kohle gehört dauerhaft ins Pflichtsortiment eines jeden Lebensmitteleinzelhändlers“, so Sander. Er empfiehlt zudem, in jeder Abteilung Produkte, wie Grillgut und komplementäre Beilagen hervorzuheben.

„Nach Grillbedarf wird in der kalten Jahreszeit bei uns bislang eher sporadisch nachgefragt. Auf Wunsch können wir aber jeden Kunden dazu bedienen. Kohle und Einweg-Grill haben wir zum Beispiel übers ganze Jahr parat“, äußert sich Axel Schroff, Inhaber Edeka-Center Schroff. In den Niederlanden sei Wintergrillen schon präsenter. Auf Grund der Nähe zur holländischen Grenze wird das Thema zum Silvester in diesem Jahr zum ersten Mal im Handzettel beworben.

Diesen Winter auf dem Grill
Im Gegensatz zum Sommer, wo leichte Kost bevorzugt wird und kalte Salate die Grillkost begleiten, mag es der Kunde im Winter besonders würzig. Friki hat sich daher für die Saison 2018 zwei neue Produkte einfallen lassen: Hähnchen-Oberkeulensteaks „Winter Onion BBQ“ mit Zwiebel-Paprika-Würzung und Hähnchen-Bratwurst im „Merguez Style“.

Das ganzjährige Grillsortiment von Wiesenhof, zum dem auch die „Bruzzzler“-Range zählt, wird mit „Wintersteaks“ ergänzt. Das Geflügelfleisch ist fertig mariniert und gibt es in den drei Sorten „Champignon“, „Schalotte-Orange-Traube“ und „Kürbis-Curry-pikant“.

Patricia Czerniak, Meat Promotion Wales bei Welsh Lamb, empfiehlt zur Wintersaison Lamm. In Wales hat die Zucht von Lämmern eine lange Tradition, und die Schlachtung orientiert sich an einem natürlichen Rhythmus. Hochsaison ist von Juni bis etwa Ende Dezember. Walisisches Lammfleisch schmeckt mild und eignet sich gut für den Rost. Großstücke bei Niedrig-Gar-Methode gegrillt, werden besonders zart. Das Fleisch lässt sich leicht zu „Pulled Lamb“ in Stücke zupfen.

„Wintergrillen ist längst ein Trend, der sich durchgesetzt hat. Auch bei frostigen Temperaturen will man nicht länger auf Bratwurst, zarte Rippchen und Co. verzichten“, sagt Nina Remagen, Leitung Vertrieb & Marketing bei Hardy Remagen. Das Familienunternehmen präsentiert dieses Jahr erstmals vorgegarte, marinierte „Beef Ribs“.