Anzeige

Fipronil Braun und Bio

Thomas A. Friedrich | 06. Juli 2018
Fipronil: Braun und Bio

Bildquelle: Thomas A. Friedrich

Die Niederlande als weltgrößter Eierexporteur mit einer Jahresproduktion von 10,5 Milliarden Eiern sorgen sich nach dem Fipronil-Skandal im Jahre 2017 um ihren guten Ruf.

Anzeige

Trotz Fipronil-Skandals , massenhaften Kükenschredderns und Schnabelkürzungen lassen sich die Deutschen ihr Frühstücksei nicht vergällen. Mit 14,5 Kilogramm Jahreskonsum von Eiern und Eiprodukten sind die Deutschen Vize-Europameister. Nur die Spanier verzehren mehr (17,9 kg). Der durch die unerlaubte Beimischung des verbotenen Herbizids Fipronil bei der Desinfektion von Hühnerställen in Verruf geratene Eierproduzent Niederlande, kämpft um seinen guten Ruf.

Fakten
  • Niederlande: weltweit größter Eierproduzent
  • Jahresproduktion: zehn Milliarden Eier
  • 50 Prozent gehen an das Hauptabnehmerland Deutschland
  • Fipronil-Krise 2017: 150 Mio. Euro Schaden für Produzenten und Handel..

Die niederländische Lebensmittelüberwachungsbehörde (NVWA) blieb trotz Warnhinweisen aus Belgien schon Ende 2016 fast neun Monate untätig. Jetzt setzt die Geflügelindustrie im Nachbarland verstärkt auf private Qualitätssicherungssysteme. Als Folge des Fipronil-Skandals mussten im Sommer 2017 circa 50 Millionen Eier aus deutschen Supermarktregalen entfernt und zig Millionen Eier in den Niederlanden vernichtet werden. Ein Schaden für Erzeuger und Handel von 150 Millionen Euro. 350 Legehennen-Betriebe mit 800 Ställen waren von Fipronil-infizierten Desinfektionsmitteln 2017 betroffen und wochenlang stillgelegt. Das Vertrauen in das 1995 ins Leben gerufene niederländische Qualitätssicherungssystem (IKB-Ei) war durch laxe Kontrollen der staatlichen Aufsicht ramponiert. Der Fipronil-Skandal trübte die deutsch-niederländischen Geschäftsbeziehungen ein. Die Hälfte der in den Niederlanden produzierten Eier gehen nach Deutschland, was 2017 einen Exporterlös von 335 Millionen Euro ausmachte.

Käfige sind out - Die Zukunft gehört der Bio-Tierhaltung
Legebatterien sind bereits seit 2012 aufgrund von EU-Gesetzgebung abgeschafft. Das Thema Tierwohl spielt in der niederländischen Geflügelszene eine zunehmende Rolle. „Der Konsument will nicht nur frische und gesunde Eier, sondern erwartet auch eine an Tierwohl und artgerechter Haltung orientierte Produktion“, betont die Vorsitzende des Niederländischen Verbandes der Geflügelhalter (OVONED), Hennie de Haan. Ab 1. September ist Schnabelkürzen komplett verboten

In den Niederlanden werden nach OVONED-Angaben schon seit vielen Jahren „nur Eier aus Freiland-, Boden- oder Biotierhaltung für den deutschen Einzelhandel erzeugt“. Bereits mehr als 90 Prozent der Hühner in den Ställen seien Hennen mit unbehandelten Schnäbeln. Das von Tierschutzgruppen durchgesetzte Verbot des Schnabelkürzens führt in der Massentierhaltung zu erheblichen Problemen.

Greenhouses mit Überdachten Freiflächen sind nicht die Lösung
Der gelernte Elektroingenieur Jos Mans versucht durch optimierte Betriebsabläufe, Gülleverarbeitung zu Pellets und Trockendüngerproduktion sowie Solaranlagen in seinem Geflügelhof Weert in der Provinz Süd-Limburg mit rund 60.000 Hennen die Produktionskosten zu optimieren und in Tierwohlmaßnahmen zu investieren. So wird den Tieren stundenweise Zugang zu den „Greenhouses“ in überdachten Freiflächen eröffnet. Kommen die braungefiederten Hennen ins Freie fällt jedoch auf, dass ein nicht unerheblicher Teil der Hennen federlose, gerupfte Flächen aufweisen. Ergebnis der Massentierhaltung in tagsüber abgedunkelten wenn auch klimatisierten Stallungen. Tierwohl? Wohl kaum!

Von Hand sortier und maschinell Bio-Gestempelt
Ganz anders im Bio-Geflügelhof von Nico und Jacqueline Henken in Ede, die seit vier Jahren einen auf 15.000 Tiere begrenzten Geflügelhof von fünf Hektar betreiben. Die Freiflächen stehen den Tieren zum täglichen Auslauf zur Verfügung. Blessuren im Federkleid sind bei keinem der ausschwärmenden Tieren zu beobachten. „Nur in Zeiten von Geflügelpestalarm müssen wir den Auslauf dichtmachen“, erklärt Nico Henken. Seine Frau Maike sortiert die Tagesproduktion von rund 14.500 braunen Eiern sorgfältig am Laufband von Hand.

Der Anthroposophische Hühnerstall Heißt Rondeel
Die Landwirtschaftsuniversität Wageningen arbeitet erfolgreich an der Entwicklung alternativer Haltungsformen. In Wintelre wurde ein nachhaltiger Hühnerstall konzipiert. 35.000 Legehennen leben auf einer Fläche von einem Hektar unter einem völlig runden Dach. Der gestaltete Raum mutet wie ein anthroposophisches Konzept an. Die Tiere sind im Tagesbereich ganzjährig Wind und Wetter ausgesetzt, können scharren, ein Staubbad nehmen und im offenen Gehege an Baumstümpfen krallen. Die Tagesbereiche sind mit einem lichtdurchlässigen Sonnensegel überspannt und vor einer Kontamination mit Vogelgrippeviren geschützt.