ISM und ProSweets Ein süßes Messe-Doppel

ISM und ProSweets Cologne nahen; die Vorfreude der beiden Verantwortlichen Sabine Schommer und Guido Hentschke steigt.

Sonntag, 23. April 2023 - Süßwaren
Manuel Glasfort
Artikelbild Ein süßes Messe-Doppel
Bildquelle: Koelnmesse GmbH; Thomas Klerx

Die erste ISM nach Corona naht. Wie sehr fiebern Sie als Direktorin dem Comeback entgegen?
Sabine Schommer: Ich muss sagen, es macht wieder richtig Spaß. Wir erleben ein großes Interesse, sowohl auf Aussteller- als auch auf Besucherseite. Für die Hersteller, die einen starken Saisonartikel-Schwerpunkt haben, ist der April-Termin jedoch zu spät. Deshalb kehren wir 2024 auch wieder auf unser traditionelles Januardatum zurück. Wir haben aber in den letzten Wochen und Monaten noch verstärkt Anmeldungen von Unternehmen erhalten, die zunächst auf eine Teilnahme verzichten wollten, sich jetzt aber anmelden, weil auch alle Wettbewerber ausstellen. Die Entwicklung ist noch mal sehr dynamisch geworden.

Was bedeutet das in konkreten Zahlen?
Schommer: Wir sind – Stand heute – bei über 1200 Ausstellern aus 73 Ländern. Wir haben 32 Pavillons aus 25 Ländern und Regionen, darunter auch solchen, die 2022 nicht dabei waren. Die gesamte Bandbreite der Industrie ist vor Ort.

Und wie schaut es bisher mit den Besucherzahlen aus?
Schommer: Wir beobachten, dass wir im Vorverkauf sehr gute Ergebnisse erzielen. Das Bild, das ich Ihnen im Moment weitergeben kann, ist natürlich noch eine Momentaufnahme. Wir haben aber bereits eine hohe Zahl von VIP-Einkäufern, die sich bereits registriert haben. Und wir haben insgesamt eine hohe Vorverkaufszahl, die liegt im Moment sogar über den Vorverkäufen der Jubiläumsmesse 2020. Wir sind also sehr, sehr optimistisch. Ich glaube, gerade in diesen schwierigen Zeiten braucht die Branche mehr denn je eine Plattform, um sich im persönlichen Gespräch auszutauschen und Lösungen zu finden.

Wie ist der Stand der Dinge bei Ihrer parallel stattfindenden Zulieferermesse, der Pro-Sweets Cologne?
Guido Hentschke: Auch bei uns läuft es sehr gut. Wir freuen uns wieder sehr auf eine normale Pro Sweets Cologne nach Zeiten der Pandemie. Wobei die diesjährige Special Edition, die Ergebnis der Verschiebung der Messe in den April ist, dieses Mal etwas Besonderes ist. Wir haben uns überlegt: Was will die Branche? Nach zahlreichen Gesprächen mit unseren Ausstellern sind wir auf die Idee gekommen, dass wir dieses Mal ausschließlich Komplettstandpakete anbieten, die auch mit geringeren zeitlichen und monetären Ressourcen zu bespielen sind. Und ganz ehrlich: Mit dieser riesigen Nachfrage hätte ich nicht gerechnet. Entsprechend groß ist die Vorfreude auf das Event.

Welche Produkttrends haben wir auf der ISM in diesem Jahr zu erwarten?
Schommer: Gesundheit spielt weiterhin eine wichtige Rolle, der Trend zu gesünderen Süßigkeiten und Snacks setzt sich also fort. Gleiches gilt für pflanzenbasierte Produkte: Fruchtpulver, Nüsse oder Vitamine, funktionale Fasern oder pflanzliche Proteine. Außerdem beliebt sind Produkte auf Basis natürlicher Zutaten, die nicht hochverarbeitet sind. Diese werden bevorzugt gegenüber stark verarbeiteten Produkten mit künstlichen Inhaltsstoffen. Was sich fortsetzt, ist auch der Trend zum sogenannten Upcycling. So gibt es beispielsweise Produkte, die die gesamte Kakaofrucht verwenden und nicht nur die Kakaobohne. Das ermöglicht nicht nur neue Geschmacksnoten, sondern bedient auch den Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit. Generell bleibt festzuhalten, dass Themen wie Fair-trade oder Vegan von zunehmender Bedeutung sind, gerade in jüngeren Käuferschichten.

Die ganz großen Namen der Branche findet man selten auf der Ausstellerliste. Woran liegt das?
Schommer: Multinationale Konzerne wie Mars oder Mondelez sind in ihrer Vertriebsstruktur ganz anders aufgestellt als mittelständische Unternehmen. Sie haben Vertriebsmannschaften für die jeweiligen Absatzmärkte. Für diese Konzerne ist es sehr schwierig, einen Messestand auf der ISM personell zu bestücken, weil sie für jeden wichtigen Markt einen eigenen Vertrieb haben. Sie können nicht 150 Vertriebler an den Stand stellen. Für Firmen dieser Größe ist eine Messeteilnahme auf einer internationalen Messe nicht zu handhaben. Die Fachmessen sind aber auch weniger ein Marketinginstrument für multinationale Konzerne, sondern für mittelständische Unternehmen. Und da finden Sie auf der ISM das Who’s who der Branche.

Angesichts der Inflation greifen Verbraucher häufiger zu Handelsmarken. Wie stark sind deren Hersteller präsent?
Schommer: Die ISM ist die Messe mit dem größten Private-Label-Angebot im Süßwaren- und Snackingbereich. Die Hälfte der Aussteller lässt sich mit diesem Suchbegriff registrieren.

Welche großen Themen zeichnen sich schon jetzt bei den Ausstellern der Pro Sweets Cologne ab?
Hentschke: Ein großes Thema waren und bleiben gestörte Lieferketten, auch wenn sich hier die Lage mittlerweile verbessert hat. Wenn ein Süßwarenhersteller aktuell eine Maschine bestellt, kann es schon mal ein Jahr dauern, bis er sie erhält. Denn auch der Maschinenbauer ist seinerseits von Zulieferern abhängig, bei denen oft unklar ist, wann und zu welchen Kosten die Komponenten geliefert werden. Eine große Herausforderung stellt dann natürlich die Preisgestaltung dar. In unserem Eventprogramm bilden wir daher auch die Lieferkettenthematik ab. Weitere wichtige Themen, die wir auf unserer gemeinsam mit der ISM geteilten Expert Stage abbilden, sind unter anderem alternative Verpackungskonzepte, globale Rohstoffbeschaffung, Schokoladentechnologie sowie Energieeffizienz und Versorgungssicherheit in Zeiten der Krise beziehungsweise in der Fabrik der Zukunft. Ein weiteres wichtiges Thema sind wieder nachhaltige Verpackungen. Viele Aussteller werden eine Auswahl an recyclingfreundlichen Produkten wie Farben, Lacke oder Klebstoffe für Folien und Papiere präsentieren.

Auf welche Besonderheiten dürfen sich die Messegäste noch freuen?
Schommer: Auf der ISM möchte ich Ihnen den Treffpunkt „Lab5 by ISM“ in der Halle 5.2 ans Herz legen. Das ist eine Kombination aus Business, Networking und Entertainment. Hier dreht sich alles um Innovationen und neue Produkte. Das Ganze wird abgerundet durch eine Bar, wo man auf den Messetag anstoßen kann.
Hentschke: Wir möchten gerade die Themen Zulieferindustrie und Produktion noch viel enger verknüpfen, als es uns ohnehin schon durch die Parallelität der ProSweets Cologne mit der ISM gelingt. Darum werden wir erstmalig am Messedienstag ein Matchmaking organisieren, zu dem wir ausgewählte Besucher/Produzenten von Süßwaren und Snacks eingeladen haben, die sich mit den Zulieferern vor Ort matchen werden. Die Zielsetzung ist hier, dass sich die Zulieferindustrie mit den Produzenten über dieses Event noch stärker verzahnen kann und neue Kontakte geknüpft werden.

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