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Logistik Grüne Chancen und die Grenzen

Susanne Klopsch | 07. September 2012

Emissionen reduzieren, Energie sparen: LEH und Logistikunternehmen bleiben weiter am Ball. Einige externe Faktoren setzen allerdings auch Grenzen.

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Als eine wichtige Option für die Optimierung globaler Warenströme gilt die intelligente Vernetzung der verschiedenen Verkehrswege. Welche Effekte das Zusammenspiel von Straße, Schiene, Wasser und Luft beim Güterverkehr auf weite Distanzen bringen kann, zeigt eine stark genutzte Route der türkischen Ekol Logistics, die auch in Deutschland aktiv ist. Seit 2008 verlädt Ekol seine Auflieger mit Lebensmitteln, FMCG und anderen türkischen Waren in den Häfen von Istanbul, Izmir und Mersin auf RoRo-Frachter, die in drei Tagen den Hafen im italienischen Triest erreichen. Noch am Tag der Ankunft in Triest werden die Auflieger auf die eintägige Bahnreise zum rheinland-pfälzischen Worms geschickt. Den Weitertransport innerhalb Deutschlands und in andere europäische Länder übernehmen dann in Deutschland zugelassene Sattelzüge. Mit diesem Intermodalverkehr zwischen der Türkei und Deutschland spart Ekol monatlich etwa 1,9 Mio. l Kraftstoff und senkt die CO2-Emissionen um 3.650 t.

In der Nahversorger-Logistik ist das Nutzfahrzeug derzeit unersetzbar.

Eine der großen Herausforderungen der Zukunft für die Nahversorger-Logistik, die ganz klar vom Verbraucherverhalten diktiert wird, ist der Zustellservice von Gütern aller Art bis vor die Haustür. Hier greifen alle Forderungen nach alternativen Verkehrsmitten wie etwa der Bahn zu kurz, hier ist das Nutzfahrzeug unverzichtbar. Diesem Trend folgend, bieten inzwischen auch Lebensmittelhändler einen Teil oder das gesamte Sortiment über Online-Plattformen an. Dafür bevorzugen die Handelsunternehmen (55 Prozent) mehrheitlich das Outsourcing der Logistik, wie die aktuelle Studie Handelslogistik des EHI Retail Institutes beschreibt.

So auch die Bünting Unternehmensgruppe, die im April mit ihrem Onlineshop myTime.de in den E-Commerce von Lebensmitteln eingestiegen ist und das gesamte Sortiment (25.000 Artikel) deutschlandweit ausliefert. Den Versand wickelt Bünting mit dem Logistikpartner DHL ab. Verpackung und Versand von Frisch- und Kühlware zählen zu den besonderen Herausforderungen eines Lebensmittel-Online-Shops. MyTime.de verspricht lückenlose Kühlketten und setzt besonders stabile Umverpackungen, isothermische PE-Boxen mit Kühlpads und Trockeneis als Frischebox ein. Trotz des hohen Aufwandes: Der Versand erfolge im Rahmen des DHL-Projektes „Gogreen“ CO2-neutral, wie das Unternehmen betont.

Der Ausbau der Frische- und TK-Sortimente schlägt sich negativ in de Klimabilanzen der Unternehmen nieder.

Die klimarelevanten Effekte der zahlreichen Maßnahmen entlang der Logistikkette schlagen sich seit mehreren Jahren in den Klimabilanzen nieder, die verschiedene Handelsunternehmen aufstellen. In den Bilanzen der Metro Group zeigt sich, dass der Verbrauch und der CO2-Ausstoß der Logistik in den Jahren bis 2010 sukzessive gesenkt werden konnte. Im Jahr 2011 dann plötzlich eine Trendwende: Es ging bei den Emissionsquellen Energie und Logistik wieder nach oben. Einer der Gründe dafür war der extrem kalte Jahresbeginn 2011. Maßgeblich für die Trendumkehr der CO2-Emissionen in der Logistik war laut Metro aber etwas anderes, nämlich der weitere Ausbau des energieintensiven Frische- und Tiefkühlsortiments. Zum Erhalt der Produktqualität sei außerdem die Notwendigkeit gestiegen, die Lkw vorzukühlen. Der damit verbundene Dieselmehrverbrauch konnte laut Klimabilanz der Metro durch die fast vollständige Umstellung der Lkw-Flotte auf Euro-5-Modelle „nicht kompensiert werden“.

Die Kontrolle der Transportkosten bleibt im Lebensmittelhandel also auf jeden Fall ganz oben auf der Tagesordnung, nicht zuletzt, weil die Dieselpreise wieder auf Rekordhoch sind. Auch in der EHI-Umfrage stuften 98 Prozent der Logistiker im Handel die Transportkosten als wichtig ein, bei den Herstellern sogar 100 Prozent. Beide Seiten warten laut Umfrage „dringend“ auf die Entwicklung alternativer Antriebstechnologien zur Serienreife. Der Handel setzt aber auch auf organisatorische Maßnahmen zur Kostenreduktion. Dazu zählen insbesondere die Optimierung der Rampenkontakte und eine bessere Zeitfenstersteuerung im Wareneingang.

Trendschau IAA
Die 64. IAA Nutzfahrzeuge vom 20. bis 27. September in Hannover wirft ihre Schatten voraus.

Viele Innovationen und technische Weiterentwicklungen kreisen direkt um den sogenannten Verteilerverkehr, der auch die Nahversorgung mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs umfasst. Weiteres Thema ist die „Green Logistik“.