Keime Bakterienalarm!?

Darmkeime auf Geflügel aus dem Supermarkt? Die Reaktionen darauf können unterschiedlicher nicht sein. Fakt ist: Für Panik gibt es keinen Grund.

Donnerstag, 26. Januar 2012 - Sortimente
Dörte Fleischhauer
Artikelbild Bakterienalarm!?
Bildquelle: fotolia

Eine Stichprobe der Umweltorganisation BUND unter Supermarktgeflügel sorgte für Wirbel – rechtzeitig vor der „Grünen Woche“ in Berlin: Danach ist von 20 Hähnchenfleisch-Proben jede zweite mit antibiotikaresistenten Keimen belastet. Insbesondere geht es dabei um MRSA (multiresistente Staphylococcus aureus) und um ESBL-bildende Bakterien (Bakterien, die Enzyme bilden und damit Antibiotika neutralisieren). „Erschreckend“ nannte dies der BUND, „pure Angstmache“ der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG).

MRSA sind Keime, die beim Menschen unter anderem Wundinfektionen und Entzündungen der Atemwege hervorrufen können. Bisher traten sie vor allem in Krankenhäusern auf, ein besonderer Typ von MRSA ist aber auch bei Nutztieren zu finden. Nur wenige Fälle sind beschrieben, bei denen eine MRSA-Infektion des Menschen auf Lebensmittel zurückgeführt werden konnte. In den wenigen bekannten Fällen waren Lebensmittel durch infizierte Personen verunreinigt worden.

ESBL-bildende Bakterien wurden ebenso in Krankenhäusern wie bei Tieren nachgewiesen. Gefährlich sind auch sie für gesunde Menschen in der Regel nicht, für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, beispielsweise Krebspatienten oder Neugeborene, schon. Besonders an ihnen ist, dass sie ihre Fähigkeiten an krankmachende Keime weitergeben können. „Das Vorkommen dieser Erreger muss man kritisch beobachten, sollte die derzeitigen Ergebnisse jedoch weder hochpushen noch abwiegeln“, sagt Dr. Annemarie Käsbohrer, Leiterin der Fachgruppe „Epidemiologie und Zoonosen“ beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Für sie ist der Fund von Keimen auf Hähnchenfleisch nichts Neues. Das BfR hatte vor mehr als zwei Jahren 629 Proben Hähnchenfleisch untersucht. Knapp ein Viertel davon war MRSA-verdächtig. „Das bloße Vorkommen antibiotikaresistenter Keime auf Geflügelfleisch sagt rein gar nichts über die gesundheitliche Gefährdung für den Verbraucher aus “, sagt auch Dr. Thomas Janning, ZDG-Geschäftsführer. „Die Hähnchenfleisch-Erzeugung ist eine biologische Erzeugung, insofern werden auf Geflügelfleisch immer Keime zu finden sein.“

Würden bei der Zubereitung von Geflügelfleisch die Hygieneempfehlungen beachtet, das Fleisch durchgegart verzehrt und andere Lebensmittel nicht kontaminiert, haben beide Bakterien in der Regel keine Auswirkungen auf Menschen, so Käsbohrer. Doch Bakterien können an veränderte Bedingungen Anpassungsmechanismen entwickeln – wie man an der Antibiotikaressistenz mancher Bakterien sieht, deshalb Käsbohrers Rat, das Thema ernst zu nehmen. Als unseriös kritisiert Janning auch die Forderung des BUND an den Lebensmittelhandel, mit Keimen belastetes Fleisch aus den Regalen zu verbannen: „Das würde bedeuten, auf sämtliche natürlich erzeugten Lebensmittel zu verzichten – oder alle zuvor einem chemischen Behandlungsprozess zu unterziehen.“ Und das könne kaum im Interesse des aufgeklärten Verbrauchers sein. Zudem sei die Stichprobe des BUND „wenig repräsentativ“. Als Quelle seriöser Untersuchungen ziehe die deutsche Geflügelwirtschaft die Studien des BfR vor. Auch dort ist man der Meinung, dass die vom BUND kommunizierten Daten wenig aussagekräftig sind, zumal über die Analysemethoden nichts bekannt ist.

Bild: Kurz vor Beginn der "Grünen Woche" in Berlin sorgte eine Stichprobe der Umweltorganisation BUND unter Supermarktgeflügel für Wirbel.

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