Rund 46 Prozent der Bundesbürger versuchen, Gewicht zu verlieren. Damit liegen sie exakt im europäischen Durchschnitt, so das Ergebnis einer aktuellen Nielsen-Umfrage. Ihr Ziel erreichen wollen sie vor allem durch den reduzierten Verzehr von Süßem und Schokolade (81 Prozent der Befragten) sowie Fetten (75 Prozent), weniger durch gezielte Diäten (10 Prozent).
Das schlechte Gewissen plagt traditionell nach den Weihnachtsfeiertagen – so die allgemeine Annahme. Entsprechend wird das Thema Gewichtsreduktion ebenso traditionell im ersten Quartal medial befeuert, bestätigen die Marktforscher. Und so scheinen seit Anfang des Jahres beispielsweise so viele Weight-Watchers-Spots über den Bildschirm zu flimmern wie nie zuvor. Doch nach Erfahrung des Handels ist die Diätlaune der Deutschen zeitlich gesehen nicht mehr auf den Jahresanfang zu terminieren.
„Ich bin überzeugt, dass im November genauso viele Verbraucher abnehmen wollen wie im Februar“, meint der selbstständige Rewe-Kaufmann Kai Scholand aus Mülheim a. d. Ruhr. „Gewichtsreduktion und der alternative Griff zu Low-Fat-Produkten scheinen bei den Verbrauchern nicht mehr in dem Maße zu den Neujahrs-Vorsätzen zu gehören wie etwa noch vor einigen Jahren“, so die Beobachtung der Rewe-Zentrale in Köln. Zwar sei die Nachfrage nach Produkten von Lizenzmarken wie „Du Darfst“ und „Weight Watchers“ in den Monaten Januar bis März signifikant höher als in den übrigen Monaten. Über das Jahr und die ganze Bandbreite der Produkte gesehen sei der Nachfrage-Trend jedoch rückläufig.
Zu erklären wäre diese Entwicklung durch den Vorsatz der Verbraucher, mehr natürliche, frische Lebensmittel essen zu wollen. Rund 52 Prozent der Abnehmwilligen möchten laut Nielsen ihre Essgewohnheiten dahin gehend ändern (vgl. Grafik). Stefan Beer, bei Hieber’s Frische Center verantwortlich für den Ernährungsservice, kann dies bestätigen: „Bei uns in der Region wird noch viel selbst gekocht“. Hieber will dies weiter unterstützen – und das nicht nur im Frühjahr. Das Unternehmen ist in diesem Jahr bewusst davon abgerückt, das Thema „Schlanke Linie“ zu Jahresbeginn in den Fokus zu rücken. Stattdessen sind diesmal im Herbst besondere Aktionen geplant, berichtet Beer. Im vergangenen Jahr testeten die Hieber-Mitarbeiter ein neues Gesundheitsprogramm, dessen Basis eine ausgewogene Ernährung bildet. Die Ernährungsberatung und -planung erfolgte durch den eigenen Ernährungsservice. Darüber hinaus wurden die Mitarbeiter zur sportlichen Betätigung motiviert – in Kooperation mit regionalen Fitnessstudios. Einige Mitarbeiter hätten in einem halben Jahr zwischen 10 und 20 kg Gewicht verloren, erklärt Beer. Dieses Programm soll nun, wenn alles optimal läuft, auf die Hieber-Kunden übertragen werden. Ernährungsberatung, Gruppentermine und Kochkurse werden von Beer und seinen Kollegen ab Herbst für alle elf Märkte angeboten. Zudem werden bei verschiedenen Fitness-Centern besondere Konditionen für die Hieber-Kunden ausgehandelt.
Die enge Zusammenarbeit mit Fitness-Tempeln hat sich auch nördlich des Hieber-Gebietes bewährt. Kollege Konrad Kreuzberg, Inhaber von zwei Edeka-Märkten in Koblenz, kooperiert seit Längerem mit einem regionalen Fitness-Club, vermittelt dessen Mitgliedern bei regelmäßigen „Einkaufstrainings“ in seinem E-Center, was zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung gehört.
Schlanke Linie Ganzjahres-Trend
Deutschland will abnehmen. Händler runden ihr Angebot durch individuelle Ernährungsberatung und Sport-Kooperationen ab.
Bildquelle: Belz
Aktuelle Fakten rund um das Thema Ernährung, Nährwert-Angaben und Health Claims bietet die Nielsen-Studie „Battle of the Bulge & Nutrition Labels – Healthy Eating Trends Around the World“.
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