Dynamik im TK-Sortiment Warum gefrorene Früchte in Schokolade jetzt überall im Eisfach landen

Hintergrund

In kürzester Zeit haben sich schokolierte Tiefkühlfrüchte zu einer wichtigen Kategorie entwickelt. Sie besetzen die Schnittstelle zwischen Eis, Snack und Dessert – und treffen genau den Nerv der jungen Generation.

Donnerstag, 13. November 2025, 07:40 Uhr
Hedda Thielking
Tiefkühlfrüchte mit Schokolade umhüllt – wie hier von Schofrulade – sprechen vor allem die Gen Z an. Bildquelle: Sabine Breitfuß Fotografie, Die Fotomanufaktur

Sie knacken, sie sind fruchtig-schokoladig, sie gehen viral: Ob als kleiner Snack oder als Eisalternative – Reels und Posts in Social-Media-Kanälen haben die schokolierten Tiefkühlfrüchte vom Geheimtipp zum Renner gemacht. „Bisher vor allem durch Marken wie Schofrulade, Trü Frü und Franui geprägt, entwickelt sich die Kategorie zunehmend zu einem festen Bestandteil im Tiefkühlregal des Lebensmitteleinzelhandels“, bestätigt Daniel Schieren. Er ist Marktexperte beim Marktforschungsinstitut Circana.

Laut Marktdaten von Circana wurden in den vergangenen zwölf Monaten (bis einschließlich August 2025, Lebensmitteleinzelhandel inklusive Discount und Drogeriemärkte) über 7,5 Millionen Packungen verkauft (siehe Grafik unten). Der Einzelhandelsumsatz für die derzeit drei wichtigsten Marken liegt bei rund 30 Millionen Euro, im Vorjahreszeitraum waren es noch 1,6 Millionen Euro. Damit ist der Umsatz um das Zwanzigfache gestiegen – allerdings von einem vergleichsweise geringen Niveau ausgehend. „Ein deutliches Zeichen für das Potenzial dieser innovativen Produktkategorie“, so der Marktexperte.

Pionier in Deutschland

Das österreichische Familienunternehmen Oswald, spezialisiert auf frisches und tiefgekühltes Obst sowie Pilze, brachte mit Schofrulade als Erstes schokolierte Tiefkühlfrüchte auf den deutschen Markt. Dabei gab es die mit Schokolade umhüllten Himbeeren und Erdbeeren in Österreich als Eispralinen schon seit dem Jahr 2019. „Damals war der Markt noch nicht bereit für dieses Produkt“, erinnert sich Prokuristin Nicole Oswald. Sie und ihre Schwester Daniela sind die dritte Generation in dem Unternehmen. Doch auch nach dem Markenrelaunch als Schofrulade im Becherformat und im modernen Design tat sich das Produkt anfangs schwer. Überzeugt von Schofrulade, gab sie die Hoffnung nicht auf.

Als der Obstspezialist die fruchtigen Tiefkühlsnacks im Frühjahr 2024 erstmals in Deutschland bei Kaufland gelistet hatte, gelang der Durchbruch. „Donnerstags in den Filialen und bereits am Wochenende kursierten unzählige Videos auf Tiktok. Die Kunden haben Schofrulade probiert und gefeiert“, strahlt die 31-Jährige. Mittlerweile kooperiert Oswald mit einigen Influencern, gleichzeitig möchte man auch die Community in die Aktivitäten einbeziehen. „Obwohl wir die Listung bei Kaufland mit Aktionen begleitet hatten, haben wir mit dieser großen Nachfrage nicht gerechnet, sodass wir mit der Produktion anfangs nicht hinterherkamen. Mittlerweile hat sich alles gut eingependelt“, berichtet die Prokuristin.

Marke bekannter machen

Die Erdbeeren, Himbeeren, Kirschen, Bananen- und Mangostücke werden bereits tiefgekühlt in der Produktionsstätte angeliefert, im Schokoladenbad mit Vollmilch- oder weißer Schokolade überzogen und in Bechern verpackt. „Wir verarbeiten extra kleine, mundgerechte Erdbeeren“, betont Nicole Oswald. Die Distribution der fruchtigen Tiefkühlsnacks erfolgt national. Und wie geht es weiter? Mitbewerber schlafen schließlich nicht. „Wir wollen unsere Marke bekannter machen, die Internationalisierung vorantreiben und mit neuen Sorten im Gespräch bleiben. So werden wir das Sortiment zeitnah um zwei neue Sorten mit Zartbitterschokolade erweitern“, kündigt Daniela Oswald an. Welche das sind, verrät sie nicht.

Mitbewerber wollen teilhaben

Vor allem mit Trü Frü vom Mars-Konzern hat das Familienunternehmen einen starken Mitbewerber bekommen. Anders als bei Schofrulade sind die Erdbeeren und Himbeeren von Trü Frü doppelt schokoliert, also mit weißer Schokolade und Vollmilch- beziehungsweise Zartbitterschokolade überzogen. Ananas ist mit weißer Schokolade und Kokosnuss ummantelt. Ein weiterer Unterschied: Die Früchte kommen im Standbodenbeutel in den Handel.

Ganz neu sind diese schokolierten Tiefkühlfrüchte jedoch nicht. „Bereits seit 2017 begeistern die tiefgefrorenen Snacks aus Schokolade und Früchten in den USA, seit 2023 gehört die Marke zu Mars Wrigley. Deutschland ist nach den USA und dem Vereinigten Königreich der drittgrößte und wichtigste Absatzmarkt global“, informiert Torsten Sydow, Vertriebsleiter bei Mars Wrigley in Deutschland. Er sagt weiter: „Gefrorene Snacks und Bitesize-Produkte (kleine Häppchen) sind eines der am schnellsten wachsenden Segmente innerhalb der Eiskategorie mit einem Zuwachs von 140 Prozent. Sie bieten für Verbraucher in der Eiskategorie neue Konsumanlässe.“ Zielgruppe ist vor allem die Gen Z. Langfristig soll Trü Frü als Marke und fester Bestandteil in der Eiskategorie aufgebaut werden, lautet das Ziel von Mars Wrigley. Mittlerweile ist Trü Frü in Deutschland bei Rewe, Edeka, Famila, Markant und Cittie sowie bei den Lieferdiensten Flink, Wolt und Knuspr erhältlich.

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Hype in Social-Media-Kanälen

Beide Marken gingen nach der Markteinführung in den Social-Media-Kanälen viral. Nicole Oswald: „So groß die Chance ist, dass neue Produkte über Social Media erfolgreich werden, so groß ist die Gefahr, dass dieser Trend nicht dauerhaft anhält – wie man es bei der Dubai-Schokolade gesehen hat.“ Deshalb sei es wichtig, dass man die Verbraucher dazu animiert, Schofrulade nicht nur einmal zu probieren, sondern erneut zu kaufen. Das erfordere eine Top-Qualität und einen Mehrwert. Sie erläutert: „Schofrulade bietet ein neues Geschmackserlebnis. Die Becher sind gut zu stapeln, sie sind praktisch für unterwegs und die Früchte sind darin geschützt, sodass die Schokolade nicht abfällt – selbst wenn man schwere Ware auf die Becher legt.“

Social Media hat auch für Trü Frü eine sehr hohe Relevanz, denn sie verfolgt eine Social First Strategie. Insbesondere über die Kanäle Instagram und Tiktok werde eine große Reichweite erzielt. „Allein ein Clip auf dem Tiktok-Kanal trufru_de wurde knapp vier Millionen Mal aufgerufen. Die Marke setzt außerdem auf kreative Influencer-Boxen, die an Creator geschickt werden. Hinzu kommen zahlreiche Erwähnungen auf den Social-Media-Kanälen namhafter Influencer – auch ohne Werbekooperation“, berichtet Torsten Sydow.

Dovgan ist neuer Player

Auch Dovgan hat den Trend für die frostig-fruchtigen Snacks erkannt und setzte auf der Anuga mit Choc Berries Balls unter dem Premium-Label Boujee ein Ausrufezeichen. Außer den doppelt schokolierten Erdbeeren und Himbeeren bietet der Hersteller Blaubeeren, Kirschen und Weintrauben mit Vollmilchschokolade umhüllt – angeboten in 140-Gramm-Bechern sowie im 50-Gramm-Becher für Impulseistruhen. „Wir kaufen die Beeren selbst aus der Ukraine. So gewährleisten wir, dass wir eine gleichbleibende Qualität anbieten“, informiert Dovgan-Geschäftsführer Andre Kowalew. Bei den Weintrauben handele es sich um eine dunkle, kernlose Sorte, die mit der Vollmilchschokolade gut harmoniert. Er sagt: „Trauben haben den Vorteil, dass man sie nicht antauen muss. Der Verbraucher kann direkt hineinbeißen.“ Der Vertrieb läuft gerade an. „Eine Aktion bei Lidl im Oktober war so erfolgreich, dass wir sie in der Kalenderwoche 52 wiederholen werden.“ Und: Vor Weihnachten sollen schokolierte, kernlose Mandarinen das Portfolio als Limited Edition erweitern. 

Beutel versus Becher

Was sagen Händler zu der noch jungen Kategorie? Im Rewe-Center Olching Geiselbullach, nominiert für den Tiefkühl-Star 2025, haben sich Trü Frü und Schofrulade fest etabliert. „Trü Frü kam über eine Verkostungsaktion ins Haus, sammelte damit Pluspunkte und hält diesen Vorsprung bis heute", berichtet Marktmanager Jörg Löffler. Er sagt: „Die Kunden mögen die größeren, aromatischen Früchte und dass sich die Beutel vor allem in kleinen Gefrierfächern platzsparender verstauen lassen.“ Für den Handel sieht er diesen Vorteil: „Wir können die Standbodenbeutel im engen TK-Regal effizienter platzieren als Becher. Zudem springen die Beutel im blauen Design in einer Truhe voller Produkte sofort ins Auge. Ein neues Produkt muss – gerade im Tiefkühlregal – optisch herausragen, sonst rauscht der Kunde daran vorbei.“ Hinzu komme: Wer neue, exklusive Produkte zuerst im Regal hat, muss sie exponiert präsentieren. Darum platziert er beide Marken beim Speiseeis zwischen Familienpackungen und Multipacks – dort, wo fast jeder Kunde vorbeikommt.

Anderer Markt, andere Vorlieben

Bei seinem Kollegen Thomas Kunkel, Geschäftsführer von Rewe Kunkel in Memmingen und Gewinner des Tiefkühl-Stars 2025, behauptet sich Scho­fru­lade knapp vor Trü Frü. Er begründet das so: „Schofrulade war früher auf dem Markt, eroberte über Social Media rasch die Feeds der Kundschaft und bietet mehr Varianten sowie klassische Sorten mit weißer und Vollmilchschokolade.“ Thomas Kunkel weiß zudem von einigen Schofrulade-Liebhabern, dass die Früchte beispielsweise beim Picknick im Becher besser geschützt sind als im Beutel. Und im Tiefkühlregal lassen sich seiner Ansicht nach Becher besser stapeln und wirken so kompakt. „Die Beutel müssen stehen, damit sie ihre Wirkung entfalten“, beobachtet er. Exotischere Sorten wie Trüfrü Ananas mit Kokos polarisieren zwar: Entweder man mag sie – oder eben nicht. Dennoch haben beide Marken einen festen Platz, denn der Hype sei ungebrochen.

Bewusst platzieren

Torsten Sydow empfiehlt, ein eigenes Segment innerhalb der Eiskategorie zu bilden und alle gefrorenen Snack- und Bitesize-Produkte zusammen zu platzieren. Thomas Kunkel wollte wissen, inwiefern sich die Platzierung dieser beiden Marken auf den Verkauf auswirkt und machte in seinen drei Märkten die Probe aufs Exempel: In einem Markt standen sie im Tiefkühlschrank bei Obst und Gemüse, in einer anderen Filiale direkt neben Ben & Jerry’s Eis und im dritten Markt beim Kleineis. Das Ergebnis: Egal, wo er die Ware präsentiert, der Absatz variiert nicht. 

Anders als die beiden Rewe-Kaufleute hat Edeka Niemerszein in Hamburg in seinen neun Märkten aktuell „nur“ die Marke Franui gelistet. Aufgrund der wachsenden Nachfrage nach schokolierten Tiefkühlfrüchten prüft Vertriebsleiter Yannik Deusing derzeit, auch weitere Marken in das Sortiment aufzunehmen. „Wir beobachten, dass das Thema stark an Fahrt aufnimmt und möchten unser Sortiment entsprechend erweitern – sobald Marken wie Schofrulade über unsere Lieferanten verfügbar sind“, erklärt Deusing. Das zeigt, wie dynamisch sich neue Sortimente entwickeln können und dass die Lieferkette zum Nadelöhr werden kann, wenn Trends bei Kunden schnell ankommen.

Die befragten Händler gehen davon aus, dass diese Kategorie künftig noch mehr Konsumenten ansprechen wird. Und: Jörg Löffler, Rewe Center Olching Geiselbullach, rechnet fest damit, dass im nächsten Jahr erste Handelsmarken nachziehen werden und das Segment allein dadurch weiter an Fahrt aufnehmen wird. Mal sehen, welches Handelsunternehmen den ersten Aufschlag macht.