Shared Leadership Wie ein weibliches Führungstrio Alnavit erfolgreich macht

Hintergrund

Seit 2024 führt ein weibliches Trio Alnavit. Wie die neue Konstellation und die vielseitige Expertise der Managerinnen zur positiven Entwicklung der glutenfreien Marke beitragen.

Dienstag, 15. Juli 2025, 07:40 Uhr
Bettina Röttig
Leiten Alnavit zu dritt (v. l.): Katrin Tonn, Romy Schwichtenberg und Kira Meise. Bildquelle: Alnavit

Shared Leadership, die geteilte Führungsrolle, ist noch immer ein rares Modell in der Wirtschaft. Bisher ist das Bild hinter den Begrifflichkeiten das eines Tandems. Bei Alnavit, Anbieter für glutenfreie Bio-Produkte, leitet ein Trio die Geschäfte: Kira Meise, Romy Schwichtenberg und Katrin Tonn bilden seit März 2024 das neue Führungsteam des Tochterunternehmens von Alnatura. Gemeinsam verantworten sie die strategische Ausrichtung, das operative Management, die Bereiche Innovation, Entwicklung und Budget. „Wenn man es mal überschlägt, sind es bestimmt 15 Prozent unserer Arbeitszeit, die jede von uns zusätzlich in Leitungsaufgaben investiert“, erklärt Kira Meise im gemeinsamen Interview mit der Lebensmittel Praxis. Zudem verantwortet jede von ihnen einen zentralen Bereich bei Alnavit: Meise das Produktmanagement, Romy Schwichtenberg den Vertrieb und Katrin Tonn die Markenkommunikation.

Das Trio war zunächst nach dem Weggang von Stavroula Ekoutsidou, die bis Herbst 2023 Alnavit leitete, interimsmäßig eingesprungen und hatte Blut geleckt. Nach rund sechs Monaten schlugen die Managerinnen Götz Rehn, zugleich Alnatura- und Alnavit-Geschäftsführer, vor, die strategische Ausrichtung der Marke auch offiziell gemeinsam zu übernehmen. Mit Erfolg. Die neue Konstellation spart eine Hierarchieebene ein. „Das macht unsere Prozesse schneller. Die Zusammenarbeit aus drei unterschiedlichen Perspektiven macht uns dynamisch“, sagt Schwichtenberg.

Die Voraussetzung für die funktionierende ­Zusammenarbeit? „Wir teilen die gleichen Werte, vertrauen einander, haben den Mut, Dinge offen anzusprechen. Das ist die Basis. Mit Blick auf unsere Persönlichkeit sind wir sehr unterschiedlich, ergänzen uns jedoch sehr gut“, erklärt Tonn. Die eine sei sehr pragmatisch, bringe einen klaren Blick mit, während die anderen emotionaler oder extrem strukturiert und organisiert seien. Ein weiterer Vorteil des Modells: Es gebe kaum „Downtimes“, also Stillstand durch Urlaub oder Krankheit.

Geschäftsführer Rehn agiere vor allem als Mentor und Sparringspartner, lasse dem Trio Raum und segne die Planung ab. Dass sie die strategische Verantwortung übernähmen, ohne dafür einen neuen oder zusätzlichen Titel zu führen, mache keinen Unterschied, betonen die Managerinnen auf Nachfrage, weder nach innen noch für Handelspart­ner. „Es ist wichtig, das Ego hintenanzustellen“, sagt Tonn. Ob ihrer Meinung nach auch drei männliche Manager die strategische Verantwortung ohne eine prominentere Rolle oder einen Titel übernommen hätten? „Ich bin optimistisch und glaube, dass es nicht nur am Geschlecht hängen kann, ob jemand eine bestimmte Rolle übernimmt“, antwor­tet Schwichtenberg. Gerade planen die drei die Aufgabenverteilung für die bevorstehende Elternzeit von Kira Meise. „Unser Ziel ist es, dass Kira nahtlos wieder einsteigen kann. Wir haben die nötige Flexibilität in dieser Konstellation, um eine optimale Vertretung sicherzustellen“, sagt die Vertriebslei­terin.

Der Blick auf die Zahlen zeigt: Die Marke entwickelt sich positiv. Lagen Umsatz und Absatz im letzten vollen Geschäftsjahr (1. Oktober 2023 bis 30. September 2024) um 4 beziehungsweise 2 Prozent über den Vorjahreswerten, zeigen die jüngsten Daten eine dynamischere Entwicklung. Wertmäßig verzeichnete Alnavit von Oktober 2024 bis Ende Mai 2025 ein Plus von 11 Prozent, während das Volumen um 8 Prozent zulegte. In Deutschland (steht für 75 Prozent der Umsätze) fielen die Zuwächse in dem Zeitraum noch einmal deutlicher aus (11 Prozent Absatz-, 14 Prozent Umsatzplus).

So rütteln die Führungskräfte nicht an der Positionierung der Marke, die als einzige ein glutenfreies Vollsortiment in Bio-Qualität bietet. Rund 30 Prozent der Alnavit-Käufer seien gesund­heitlich auf die Produkte angewiesen. Der Großteil kaufe diese auch, weil sie auf möglichst kurze Zutatenlisten und hochwertige Rezepturen setzten, so die Managerinnen. Ein Fokus des Trios: die Marke erlebbarer machen, zum Beispiel über Events und Verkostungen. Ein zweiter Fokus: stabile Preise. Aufgrund der hochwertigen Rezepturen seien die Preise am Regal im Vergleich zu einigen Wettbe­werbern oder den Handelsmarken oft höher. In Produkten wie Schoko-Muffins wurde nach stark steigenden Rohstoffpreisen daher der Schokoladenanteil gesenkt – ohne Abstriche im Geschmack. Der je aktuelle Schokoladenanteil steht prominent auf der Vorderseite der Verpackung.