Obst und Gemüse Preiskampf um Äpfel – Ende in Sicht?

Die gute Apfelernte in Deutschland und Europa sorgte für einen massiven Preisdruck. Trotz Preisaktionen ging der Absatz in der ersten Saisonhälfte zurück. Die Branche hofft auf eine Trendwende.

Freitag, 24. März 2023 - Sortimente
Hedda Thielking
Artikelbild Preiskampf um Äpfel – Ende in Sicht?
Saisonkalender Bio-Äpfel
Bildquelle: Mirco Moskopp, AMI

Der Preiskampf um Äpfel bleibt vorerst bestehen. Erst kürzlich bot Aldi Süd den 1,5-Kilogramm-Beutel für 99 Cent (Kilopreis 66 Cent) an. Solche Preisaktionen sind immer noch an der Tagesordnung. Die Gründe dafür nennt Helwig Schwartau, Marktexperte für Kernobst bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI): „Es gab in Deutschland eine sehr gute Apfelernte. Rund 1,1 Millionen Tonnen Äpfel wurden hier geerntet, das sind 6,6 Prozent mehr als im Vorjahr und gut 10 Prozent mehr als der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.

Zudem ist das europäische Umfeld ebenfalls gut mit Äpfeln versorgt.“ Aber dabei bleibt es nicht. Helwig Schwartau ergänzt: „Die Verbraucher haben inflationsbedingt weniger Geld in der Tasche, und sie kaufen insgesamt preisbewusster. Verbraucher mit eigenen Obstgärten hatten selbst eine gute Ernte. Und durch den warmen Sommer litt die Druckfestigkeit mancher Sorten, sodass sie nicht so lange lagerfähig sind und deshalb auch noch schneller verkauft werden müssen. Kurzum: Es gibt einfach zu viele Äpfel auf dem deutschen und europäischen Markt, mit der Folge, dass die Preise unter Druck stehen.“ So lagen die durchschnittlichen Erzeugerpreise bis Ende Februar laut AMI etwa 10 bis 12 Cent je Kilogramm unter dem Vorjahresniveau.

Trotz niedriger Preise und etlicher Aktionen kauften die deutschen Haushalte bis Ende Januar 5 Prozent weniger Äpfel als im vergleichbaren Zeitraum der vorherigen Saison ein. Für die Obstbauern ist diese Saison besonders schwierig. „Durch die steigenden Produktionskosten von 15 bis 20 Prozent sind die Betriebe in ihrer Existenz stark gefährdet“, berichtet der AMI-Experte.

„Äpfel sind ein Frequenzbringer für den Lebensmitteleinzelhandel. Vor allem jetzt, da Äpfel sehr preiswert sind.“
Helwig Schwartau, AMI

Auch der Verband der Südtiroler Obstgenossenschaften (VOG) hat auf dem deutschen Markt eine sehr aggressive Preispolitik erlebt, die die billigeren Segmente begünstigt. „Diese Trends haben uns auch dazu veranlasst, Mengen in andere europäische Länder wie Spanien und außerhalb Europas umzuleiten“, berichtet Klaus Hölzl, Sales Director beim VOG.

Preis schlägt Regionalität

„Obwohl der LEH vor allem bei Äpfeln Wert auf regionale Ware legt, heißt es zurzeit ,Preis schlägt Regionalität‘“, so Helwig Schwartau. Das bestätigt Janina Bembenek, Marketingleiterin bei der Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft: „Die Verbraucher orientieren sich aufgrund der weltwirtschaftlichen Lage stark an Preiseinstiegs- und Aktionssortimenten. Regionale, wertige Produkte sowie Premium-Sortimente verlieren. Diese Talsohle haben wir endlich durchschritten.“

Sie sagt weiter: „Heimische Äpfel sind immer noch das nachhaltigste Obst in Deutschland, das ganzjährig verfügbar ist. Dennoch brauchen wir ein stärkeres Bekenntnis der Verbraucher zur deutschen Produktion, um regionalen Produkten die verdiente Wertschätzung und damit einhergehend auch Wertschöpfung zu geben.“ Wie kann das gelingen?

Clubäpfel scheinen hier das Mittel der Wahl zu sein. „Gesteuerte Apfelmarken sind ein Instrument, um den rückläufigen Apfelkonsum in Deutschland zu beeinflussen. Sie kommen schnell auf die erforderlichen Anbaumengen für den LEH und haben ein einheitliches Marketing- und Qualitätskonzept“, ist Jens Anderson, Marketingleiter bei Elbe-Obst, überzeugt. Über die etablierten Marken Kanzi und Red Prince hinaus arbeitet Elbe-Obst weiter am Umbau des Sortenspiegels mit den lizenzierten Apfelmarken der Deutsches Obst-Sorten Konsortium GmbH (DOSK). So hatte die DOSK für Clubsorten wie Fräulein, die bedeutendste Marke der DOSK, und SweeTango verschiedene Kampagnen am PoS und auf Social Media durchgeführt. Hinzu kamen Marketingkampagnen für Kissabel und Rockit (der „Snack-Apfel“), welche die Red Apple Germany GmbH, Tochterunternehmen der DOSK und Listungsgesellschaft für den LEH, steuert. Mit dem Baking-Red-Event wollte Elbe-Obst die Zielgruppe der Frischobstverbraucher um koch- und backaffine Verbraucher erweitern.

Verkäufer werden geschult

Der VOG aus Südtirol habe mit der Einführung von RedPop, Giga und Cosmic Crisp bereits sehr positive Ergebnisse erzielt. „Diese drei Äpfel haben unser Sortiment vervollständigt, welches sowohl im integrierten als auch im biologischen Anbau alle zwölf Monate abdeckt“, sagt Verkaufschef Klaus Hölzl. Zudem hat der VOG für jede Marke spezifische Maßnahmen entwickelt. Gleichzeitig arbeiten die Südtiroler am Category Management und an der Schulung der Wiederverkäufer.

Die Begeisterung für Clubäpfel sorgt allerdings für einen Kannibalismus unter den Sorten. Hinzu kommt, wie Janina Bembenek berichtet: „Im aktuellen Preisdruck ist es schwierig, Premiumpreise für diese Marken zu erzielen. Wir verfolgen mit den Clubsorten eine innovative Strategie, um Verbraucher von unseren regionalen Produkten zu überzeugen.“

Mehr verpackte Ware

Bei den Verpackungen gehe die Tendenz in Europa weiter von loser zu verpackter Ware, beobachtet der VOG. Aber: Ausnahmen bestätigen die Regel. Alexander Egert, Inhaber von drei Edeka-Märkten in Selb und Arzberg, berichtet: „Entgegen dem bundesweiten Trend greifen unsere Kunden nach wie vor gerne zu losen Äpfeln, obwohl sie deutlich teurer sind als abgepackte Ware. Unsere Kunden gehören überwiegend der Generation 50+ an. Sie kaufen traditionell ein, also klassische Apfelsorten wie Elstar und Gala aus der Region. Heimische Äpfel machen bei uns 80 Prozent des gesamten Apfelsortiments aus. Clubäpfel spielen in unseren Märkten eine untergeordnete Rolle.“

Bei Obst vom Bodensee stellt man das Verpackungskonzept für den Preiseinstieg (Beutel) nachhaltiger auf. Zu innovativen Konzepten gehören Graspapier oder auch Silphie als nachwachsende Rohstoffe. Die in Süddeutschland angebaute Silphie wird unter anderem als Energiepflanze für Biogasanlagen genutzt. Man kann sie auch in Teilen in Verpackungen, wie nachhaltigen Foodtainern, einsetzen.

Zum Schluss ein Blick in die Glaskugel: Wie werden sich die Preise in der zweiten Saisonhälfte entwickeln? „Der Januar 2023 war der erste Monat in dieser Saison, in dem die Haushalte wieder mehr Äpfel gekauft haben als im Vorjahresmonat – gepusht durch zahlreiche Preisaktionen. Und die Lagerbestände im März haben wieder das Vorjahresniveau erreicht. So gibt es Hoffnungen, dass die Preise für Äpfel – je nach Sorte – wieder steigen werden“, sagt Helwig Schwartau. Für ihn steht aber auch fest: „Um ein Überangebot zu vermeiden, müssen die Anbauflächen in Europa reduziert, die Wirtschaftlichkeit verbessert und die Äpfel noch attraktiver vermarktet werden.“

Martin Hagen, Prokurist und Key-Account-Manager bei der Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft, rechnet in Zukunft zwar mit festeren Preisen, das Preisniveau bleibe aber leider unter dem des Vorjahres und sei so nicht kostendeckend. Er blickt verhalten positiv auf die zweite Vermarktungshälfte.

Inflation hemmt Nachfrage

Der VOG erwartet angesichts des starken Drucks in der ersten Saisonhälfte in den kommenden Monaten gute Ergebnisse. Die große Unbekannte der kommenden Jahre sei jedoch die Nachfrageentwicklung, denn der Verbrauch geht zurück und die Inflation ist immer noch hoch.

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