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Diätetische Lebensmittel Definitions-Sache

Heidrun Mittler | 08. Juli 2011
Diätetische Lebensmittel:  Definitions-Sache

Bildquelle: fotolia

Unter dem Begriff Diät versteht jeder etwas anderes. Deshalb soll der Begriff auf Lebensmitteln verschwinden. Es wird demnächst genauer unterschieden.

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Wenn es nach dem Willen der EU-Kommission geht, soll es künftig keine Lebensmittel mehr geben, die den Zusatz „Diät“ tragen. Das sei nicht mehr zeitgemäß, so die Meinung der Kommission. Daher nachfolgend einige grundlegende Informationen zum Begriff Diät allgemein, der aktuellen Kennzeichnung und Auswirkungen neuerer medizinischer Erkenntnisse.

Diät: Seit Hippokrates versteht man in der Medizin unter dem Begriff Diät eine spezielle Ernährungsform des Menschen, bei der dauerhaft auf spezielle Nahrungsmittel verzichtet wird. Dabei gibt es mehrere Beweggründe, eine Diät einzuhalten: Viele Menschen möchten abnehmen, sie machen dann eine Reduktionsdiät. Doch es gibt auch das Gegenteil: Magersüchtige Menschen müssen zunehmen, das kann mit einer besonders kalorienhaltigen Diät gelingen.

Ursachen: Menschen, die unter bestimmten Krankheiten leiden, müssen auf spezifische Lebensmittel verzichten. Allgemein bekannt ist zum Beispiel, dass Menschen mit einer Laktose-Unverträglichkeit alle Nahrungsmittel meiden, die Laktose (also Milchzucker) enthalten. Zöliakie-Patienten vertragen kein Gluten, können demnach nicht alle Getreide essen (und Produkte, die daraus hergestellt sind).

Diätetische Lebensmittel: Laut geltender Verordnung müssen diätetische Lebensmittel den speziellen Erfordernissen bestimmter Personengruppen entsprechen: zum Beispiel von Kranken, Schwangeren, Kleinkindern oder Säuglingen. Sie müssen sich „deutlich von Lebensmitteln des allgemeinen Verzehrs unterscheiden“.

Problem: Empfehlungen zur richtigen Ernährung ändern sich, wenn neue medizinische Erkenntnisse vorliegen. Beispiel Diabetes mellitus: Nach aktuellem Erkenntnisstand benötigen Diabetiker keine speziellen Diabetiker-Lebensmittel. Für sie (immerhin sechs Millionen Menschen!) gelten inzwischen die gleichen Empfehlungen wie für die allgemeine Bevölkerung. Deshalb machen Diabetiker-Lebensmittel keinen Sinn mehr, meint die Kommission. Der entsprechende Paragraph wurde bereits gestrichen, die neuen Regeln gelten seit Oktober 2010 (mit Übergangsfristen, damit die Hersteller umstellen können).

Lösung: Insgesamt wird die gesamte deutsche Diätverordnung dem aktuellen Wissensstand angepasst. Künftig soll nach den Plänen der EU-Kommission in Lebensmittel für spezielle Gruppen ( „Säuglinge“) und in klare Angaben: „laktosefrei“ unterschieden werden. Der schwammige Begriff „Diät“ würde demnach genauer gefasst. Weiterer Vorteil: Die Regelung wäre in ganz Europa einheitlich. Das ist heute anders: Was in einem EU-Land als Diät-Produkt gilt, ist in einem anderen (noch) als „normales“ Lebensmittel zu haben.

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Noch zählt Säuglingsnahrung zu den Diätetischen Lebensmitteln. Die EU-Kommission will die Bezeichnung aber ändern.