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Lebensmittelpreise steigen Warum steigen die Preise?

| 05. August 2011
Lebensmittelpreise steigen:  Warum steigen die Preise?

Bildquelle: fotolia

Der Einkauf im Supermarkt wird zukünftig teurer. Hohe Rohstoffpreise seien zu kompensieren, heißt es. Die Gründe sind jedoch komplexer.

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Die Lebensmittelpreise steigen, es werden neue Rekordhöhen erwartet. Begründet wird dies gern mit erhöhten Rohstoffpreisen, die an die Verbraucher weitergegeben werden müssten. Ja, das stimmt. Jedoch nur teilweise. Die Ursachen sind komplexer: Eine wachsende Weltbevölkerung beispielsweise spiegelt sich in den gestiegenen Preisen für Lebensmittel ebenso wider wie die sich ändernden Essgewohnheiten der wachsenden Mittelschicht in Schwellenländern wie China und/oder auch die Bioenergie-Herstellung. All das führt zu einer Mehrnachfrage nach Agrarrohstoffen. Laut Statistischem Bundesamt gibt es derzeit 6,9 Mrd. Menschen auf der Welt. Im Jahr 2050 werden es Prognosen zufolge bereits 9,2 Mrd. sein, für 2100 wird mit 10,1 Mrd. Menschen gerechnet. Mehr Menschen brauchen in logischer Folge mehr Nahrungsmittel. Allein der weltweite Konsum von Milch und flüssigen Milchprodukten wird bis 2020 um rund 30 Prozent steigen, prognostiziert der Getränkekartonhersteller Tetra Pak. Die Nachfrage nach Lebensmitteln wird aber auch durch die sich verändernden Ernährungsgewohnheiten der aufstrebenden Mittelschicht in asiatischen Schwellenländern forciert. Denn die ernährt sich nicht nur besser, sie konsumiert auch wesentlich mehr Fleisch. In China beispielsweise lag der Pro-Kopf-Fleischkonsum im Jahr 1985 bei 20 kg. Inzwischen liegt er bei mehr als 50 kg, Tendenz weiter steigend.

Diesem steigenden Bedarf steht ein begrenztes Nahrungsmittel-Angebot gegenüber. Ein Teil davon könnte durch Ertragssteigerungen der Landwirtschaft aufgefangen werden. Doch das wäre mit einer Ausweitung landwirtschaftlicher Nutzflächen verbunden. Die verfügbare landwirtschaftlich nutzbare Fläche pro Kopf wird bedingt durch das Weltbevölkerungswachstum jedoch weniger. Und nicht nur der wachsende Wohlstand in den Schwellenländern und die wachsende Zahl der Menschen kurbeln die Nachfrage nach Lebensmitteln an. Die Dreifachkatastrophe in Japan, Überschwemmungen in Australien und den USA, ebenso Erdbeben wie das in Neuseeland oder Dürrezeiten in Ostafrika haben ebenfalls ein verringertes Rohstoffangebot durch Ernteausfälle zur Folge - wie auch steigende Energiekosten. Steigende und stark schwankende Rohstoffpreise schlagen bei der Ernährungsindustrie jedoch direkt auf die Kosten und damit die ohnehin angespannte Ertragslage durch, denn die Produktion und Verteilung von Nahrungsmitteln ist energieaufwendig. Und dann sind da noch politische Unruhen in Erzeugerländern wie der Elfenbeinküste und der dadurch verbundene Einfluss von Spekulanten auf die Preise. Aktien und Gold versprechen kaum mehr Gewinne, und so haben findige Finanzjongleure die Nahrungsmittel für sich entdeckt. Reis, Weizen und Mais sind die neuen Gewinnbringer, und zwar nicht mehr für Getreidehändler.

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Einer größer werdenden Nachfrage steht ein geringeres Angebot von Agrarrohstoffen gegenüber.