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Lebensmittel-Sicherheit Idylle gesucht

Silvia Schulz | 08. April 2011

Moderne Technik überall. Bei Lebensmitteln hat der Verbraucher dagegen oft noch die heile Welt im Blick.

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„Wie sicher sind unsere Lebensmittel?", fragen immer mehr Verbraucher. Und so stand diese Frage auch im Mittelpunkt des 3. Food Safety Kongress 2011 in Berlin. 180 Teilnehmer aus Food-Branche und Politik trafen sich, um mit 22 Top-Referenten, in Workshops und bei einer Fachausstellung nach Antworten zu suchen.

Die Mitveranstalter (Handelsverband Deutschland, Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie, Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde, International Food Standards) machten deutlich, dass Lebensmittel in Deutschland grundsätzlich sicher seien. Trotzdem werde vermehrt falsch oder zu spät informiert. Damit würden Verbraucher verunsichert, aber nicht informiert, so der Tenor.

„Wir haben in unserer Überflussgesellschaft (nur) ein Kommunikationsproblem." Prof. Dr. Ulrich Nöhle, Interim Manager Lebensmittelindustrien & Honorarprofessor Qualitätsmanagement, TU Braunschweig, nennt ein Beispiel: „Bei der H-Milch wollen wir Verbraucher gerne an die heile Welt der Lebensmittelherstellung glauben. Aber H-Milch verkauft sich mit einem Bild von glücklichen Kühen auf der Weide einfach besser als mit dem Bild von Kühen im technisierten Melkkarussell." Dabei wissen Verbraucher nur allzu gut, dass die Herstellung von Lebensmitteln weder „idyllisch", noch individuell ist. Zudem sind die wenigsten Verbraucher dazu bereit, nur für die Idylle höhere Preise zu bezahlen. Nöhle meint, „in 20 Jahren werden sich Biolebensmittel und normale Lebensmittel nicht mehr unterscheiden, dafür werden wir statt 11 Prozent unseres Haushaltsnettoeinkommen 20 Prozent für Lebensmittel ausgeben."

Auch die fortschreitende Globalisierung sei Segen und Fluch zugleich. Denn die damit verbundenen weltweiten Warenströme würden alte Probleme zurückbringen. Daher müssten Rahmenbedingungen überdacht und angepasst, Kennzeichnungsbestimmungen vereinheitlicht, Nährwerte dezidiert angegeben und Verbraucher umfassend informiert werden. Der Professor ging dann noch einen besonders interessanten Gedanken an: „Schon heute sind Lebensmittelskandale keine Skandale mehr im üblichen Sinne, (...) die so genannten Skandale (...) verletzen nicht mehr Rechtsvorschriften, sondern das ethische Empfinden der Überflussgesellschaft. Der Verbraucher der Zukunft wird nicht durch ein Produkt geschädigt, sondern fühlt sich durch sein Empfinden über ein Produkt gestört", weiß Professor Nöhle.

Aber wie den Verbraucher „schlauer" machen? Als Möglichkeiten wurden das dänische Smiley-System, das Smiley-Projekt aus Berlin-Pankow und die ab Frühsommer ans Netz gehende Initiative „Klarheit & Wahrheit" des BMELV (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz), betrieben von der vzbv (Verbraucherzentrale Bundesverband), genannt, obwohl die Teilnehmer des Kongresses darüber doch sehr kontrovers diskutierten.

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