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Atomkatastrophe in Japan Sensibilisierte Kunden

Lebensmittel Praxis | 25. März 2011
Atomkatastrophe in Japan: Sensibilisierte Kunden

Bildquelle: fotolia

Die Atomkatastrophe in Japan könnte auf das Einkaufsverhalten der Deutschen durchschlagen. Derzeit stehen Fisch und Sushi im Fokus.

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Kann man japanisches Gemüse noch kaufen und essen? Sollte man von Fisch und Meeresfrüchten besser die Finger lassen? „Wir sind ganz sicher, dass unsere Kunden verstärkt darauf achten werden, ob Produkte aus Japan kommen. Dies wird insbesondere bei Fischprodukten und vor allem bei Sushi der Fall sein. Wir rechnen damit, dass die Umsätze mit Artikeln aus Japan drastisch sinken werden", heißt es bei Coop in Kiel. Auch andere Handelskonzerne rechnen hier mit Umsatzrückgängen. Doch alles in allem warten sie ab, wie sich die Lage entwickelt.

Sorgen sind unbegründet, sagen Experten – aus mehreren Gründen. Deutschland bezieht vergleichsweise wenig Ware aus Japan. Zudem gibt es derzeit gar keine Importe, sagte Verbraucherschutzministerin Aigner: „Alle Handelswege sind praktisch zusammen gebrochen."

Weil aber auch die Region um Japan von erhöhten Strahlenwerten betroffen sein könnte, werden Lebensmittelimporte an den Flughäfen verstärkt auf eine radioaktive Belastung untersucht. Auf Bitten der Europäischen Union werden alle aus Japan kommenden pflanzlichen und tierischen Lebensmittel getestet – rein vorsorglich und im Rahmen der ohnehin üblichen Lebensmittel-Checks am Flughafen, heißt es aus der Hessischen Staatskanzlei. In Frankfurt kommen die meisten der aus Japan importierten Lebensmittel an. Europaweit gelten strenge Grenzwerte für die radioaktive Belastung von Nahrungsmitteln.

Doch hieß es nicht kürzlich, der Wind treibe die radioaktive Wolke vom Atomkraftwerk Fukushima auf den Pazifik hinaus? Gelten die Unbedenklichkeitserklärungen auch künftig? Was passiert mit dem Meeresfisch? Wind und Meerwasser verdünnen die Radioaktivität, haben Wissenschaftler festgestellt. Die Forscher des Instituts für Fischereiökologie in Hamburg schließen zum jetzigen Zeitpunkt eine Gefährdung der deutschen Verbraucher durch radioaktiv kontaminierten Fisch aus Japan aus.

Radioaktivitäts-Messdaten für Fische aus Nord- und Ostsee, die seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl erhoben wurden, hätten gezeigt, dass sich in gut durchströmten Meeren, wie zum Beispiel der Nordsee, Kontaminationen relativ schnell verdünnen.

Hinzu kommt, dass zum Beispiel die wenigsten Bestandteile von Sushi aus der Region um Japan stammen: Für Sushi und Surimi werde in Deutschland in der Regel Lachs aus Norwegen oder Chile verwendet, Thunfisch stamme beispielsweise aus dem Indischen Ozean, sagt Sandra Kess vom Fisch-Informationszentrum (FIZ) in Hamburg. Auch der dazugehörige Reis käme nicht aus Asien, sondern meist aus den USA.

Natürlich verfolgen die Handelsunternehmen die Situation in und um Japan aufmerksam. Hans-Theo Hennes, Frische-Category-Manager bei Kaiser's Tengelmann und Birkenhof-Geschäftsführer, rät jedoch zu überlegtem Handeln. „Jeglicher Aktionismus wäre fehl am Platz."mm