WPR S. 66-68 Beifang Plastikmüll wird zur Verpackung

Fischer bringen Plastikmüll aus dem Meer zum Recyceln an Land, leistungsfähigere Enzyme beim Geschirrspülmittel helfen, Energie zu sparen: Nachhaltigkeit ist auch für WPR-Hersteller eine Verpflichtung. Hier einige Beispiele aus der Praxis.

Freitag, 19. September 2014 - Sortimente
Susanne Klopsch
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Inhaltsübersicht

Ecover: Die Zahlen sind alarmierend. Etwa 10 Prozent aller toten Tiere im Meer haben sich in Plastiktüten verheddert. Klein gemahlen, schädigt das Plastik die maritime Pflanzenwelt, wird von Tieren aufgenommen und landet in unserer Nahrungskette. 94 Prozent aller Vögel der Nordsee haben Plastik im Magen. Etwa 70 Prozent des Mülls in EU-Meeren ist Kunststoff – dies sind nur einige der Zahlen, die die EU-Kommission zum Thema Plastikmüll veröffentlicht hat. Ecover, belgischer Hersteller von ökologischen Wasch-, Putz-, Reinigungsmitteln (WPR), wollte nicht mehr tatenlos bleiben. Seit 2012 engagiert sich das Unternehmen im europäischen Projekt „Waste Free Oceans“ (Abfallfreie Meere): Dieses setzt sich für eine sichere und faire Müllsammlung in den Meeren ein. „Letztes Jahr haben wir Meeresplastik gesammelt, Studien durchgeführt und mit den Fischern gesprochen“, sagt Tom Domen, Innovationsmanager bei Ecover. Statt Fisch und Meeresfrüchten liefern die Männer nun auch Kunststoffabfälle aller Art (Plastikflaschen, -tüten, Kanister o. ä.) in den Häfen ab. Beim sogenannten passiven Müllfischen fliegt der Abfall nicht wieder ins Meer, sondern landet in Beuteln, die den Fischern dafür in den Häfen an bestimmten Ausgabestellen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Für das aktive Müllfischen werden die Fischer aktuell von Waste Free Oceans bezahlt, und damit indirekt von Sponsoren wie Ecover oder Vöslauer. Seit Mitte des Jahres unterstützt auch die EU das aktive Müllfischen: Waste Free Oceans und Ecover versuchen derzeit, so Domen, die Fischereiindustrie zu unterstützen, um ihnen Zugang zu diesen Geldern zu verschaffen.

An einem Beispiel verdeutlicht Ecover den Weg des gefischten Plastikmülls: Die im belgischen Ostende angelandeten Beutel enthielten nicht nur Plastikabfall. Also wurden in der hafeneigenen Sortieranlage alle PET- bzw. PE-Teile für Ecover aussortiert, der Rest zu lokalen Müllanlagen gebracht. Der für das Projekt taugliche Abfall (1 t) wurde in England beim Unternehmen Closed Loop zu Pellets verarbeitet. Von dort ging es ins Logoplast Design-Zentrum Yin Portugal, wo die Pellets in der Pilotproduktion zu Verpackungen für flüssige WPR-Produkte verarbeitet wurden. „Ecover hält dies noch nicht für einen optimalen logistischen Ablauf, da die Transportwege bisher in keinem Verhältnis zum recycelten Material stehen“, stellt Innovationsmanager Domen klar. „Diese Pilotphase hat jedoch Dinge ins Rollen gebracht, und es konnte die Durchführbarkeit getestet werden.“ So musste Ecover lernen, dass man nicht einfach so Abfall über die Grenzen bringen darf, „man muss offiziell als Müllhändler eingetragen sein, was wir nun sind“, sagt Domen.

Die Früchte des Engagements konnten Kunden hierzulande in diesem Sommer bei Alnatura kaufen: Im Juni kam ein Ecover-Handgeschirrspülmittel auf den Markt, dessen Verpackung komplett aus recyceltem Plastik besteht – 10 Prozent davon sind „Ocean Waste“ (Meermüll). In diesem Jahr wollen die Belgier nach eigenen Angaben 1 t Plastikmüll aus den Meeren, im nächsten Jahr bereits 3 t davon in die Herstellung von Verpackungen fließen lassen. Strategisches Ziel des Unternehmens ist, bei Veränderungen rund um das Thema Plastikmüll in den Meeren beschleunigend zu wirken und diese spezielle Lieferkette zu unterstützen. Die Belgier hoffen, weitere, vor allem große Hersteller mit ins Boot zu holen, „denn sie sind mithilfe ihrer wirtschaftlichen Macht in der Lage, eine Veränderung herbeizuführen“, ist sich Domen sicher.


Henkel: Nach dem Aus für die nachhaltig-gelabelte Marke Terra Ende vergangenen Jahres setzen die Düsseldorfer darauf, die Produkte insgesamt nachhaltiger zu machen: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass wir kein Produkt auf den Markt bringen, das nicht mindestens in einem unserer definierten Fokusfelder nachhaltiger ist als sein Vorgänger.“ So ermögliche etwa der Einsatz von leistungsstarken Enzymen im Handgeschirrspülmittel Pril geringeren Materialeinsatz und Rohstoffverbrauch. Der Henkel-Forschung sei es hier erstmals gelungen, neben Tensiden auch sehr viel leistungsfähigere Enzyme einzusetzen, die die Stärke etwa von eingetrockneten Reis- oder Nudelresten aufbrechen. Dies helfe, Energie zu sparen, da die Kunden mit kälterem Wasser spülen könnten. „Da Enzyme einen Teil der Tenside ersetzen, können pro Jahr 2.000 t Tenside gespart werden und damit 12.000 t Co2“, heißt es in Düsseldorf. Der Unternehmensbereich Henkel Laundry & Care setzt zudem bisl ang ungenutzte Prozessabwärme nun für Heizung, Warmwasser und Produktionsprozesse ein. Allein für Energierückgewinnung und -effizienz erreiche Henkel in diesem Unternehmensbereich weltweit Einsparungen von rund 2 Mio. Euro bei Investitionen von rund 8 Mio. Euro. In diesen Monat wurde in Düsseldorf am Firmensitz das größte Hochregal-Lager des Unternehmens weltweit eingeweiht. Es ist mittels Förderstrecke direkt an die Produktion angebunden. Gab es bislang vier Verteilzentren an vier Strandorten, konzentriert sich nun die Lagerlogistik der Wasch- und Reinigungsmittel in dem 16.000 qm großen Neubau – die gefahrenen Tonnenkilometer (Frachtmenge mal gefahrene km) werden um 45 Mio. reduziert (20 Prozent), der CO2-Ausstoß um 8 Prozent; zudem reduziere die kompakte Bauweise den Energieaufwand des Gebäudes.

Werner & Mertz: „Kraftvolle Wirkstoffe aus europäischem Anbau“ heißt eine auch 2015 laufende Promotion für Frosch-Produkte. Die Lavendel-Extrakte stammen aus Frankreich, die Zitronen-Extrakte aus Italien. Auch bei WPR werde es, so das Unternehmen, für die Verbraucher immer wichtiger, woher die Inhaltsstoffe stammen und wo die Produkte hergestellt werden.

Vileda: Für die Weinheimer stehen auch international Tücher aus Microfaser im Fokus. Im Vergleich zu einem Baumwolltuch berührten bei einem Mikrofasertuch deutlich mehr Fasern die Oberfläche, was die Reinigungsleistung stark verbessere. Durch den Kapillareffekt werde Wasser im Tuch gehalten und nicht so leicht abgegeben – das ermögliche ein weniger feuchtes streifenfreies Nachwischen, das wiederum helfe, Wasser und Reiniger zu sparen. Neu am PoS etwa ist das Magical-System, eine Kombination aus reinigungsstarkem Mikrofasertuch und einer Flüssigkeit mit wasserabweisendem Effekt.

Procter & Gamble: Die Schwalbacher haben Ariel Pulverwaschmittel so kompaktiert, dass in jedem Gramm 20 Prozent mehr Waschkraft steckt. Dies spart nicht nur Waschmittel, sondern 70.000 Produktpaletten im Jahr und 3.000 t (das Gewicht von 500 Elefanten) Verpackung.

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