Schweiz Was die US-Zölle für den Schweizer Käse bedeuten

Hintergrund

Wenn Schweizer Käsehersteller ihre Ware in die USA verkaufen wollen, schlägt Trumps Preishammer zu. Wie wirkt sich das aus?

Donnerstag, 25. September 2025, 08:44 Uhr
Heidrun Mittler
Andreas Müller (l.) und Martin Spahr lassen sich von den Zöllen nicht die Laune vermiesen. Bildquelle: SCM

Donald Trump hat die bisherigen Vereinbarungen einfach vom Tisch gefegt.“ Martin Spahr, Chief Marketing Officer bei Switzerland Cheese Marketing (SCM), ist sauer. Als Marketingverantwortlicher der SCM ist er Sprachrohr für alle Akteure der Schweizer Käsebranche. Und hat überhaupt kein Verständnis dafür, dass der US-amerikanische Präsident Schweizer Käse auf ihrem Weg in die Vereinigten Staaten von Amerika mit hohen Aufschlägen belegt. Offiziell sind seit August Zölle in Höhe von 39 Prozent in Kraft. Und das, obwohl zuvor schon 10 Prozent auf die Produkte fällig wurden. „Die kommen jetzt noch obendrauf“, erklärt Spahr. Vergeblich war die Schweizer Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter in die USA gereist, um noch in letzter Minute einen Deal zu verhandeln.

Was bedeutet das jetzt für den Export dieser Lebensmittel? „Ein Stück Comté aus Frankreich wird an der amerikanischen Grenze mit 15 Prozent belastet. Ein Stück Gruyère aber mit 49 Prozent“, sagt Spahr. Er fügt hinzu: „Auf allen Seiten der Handelskette herrschen blankes Chaos und große Irritation.“

Zur Einordnung: Schweizer Käsereien stellen derzeit rund 204.000 Tonnen Käse pro Jahr her. Rund 40 Prozent gehen in den Export, davon 80 Prozent in die Europäische Union. Die USA sind der drittwichtigste Markt, mit einem Exportanteil von 11 Prozent. Für einige Schweizer Schokoladenhersteller sieht die Lage noch düsterer aus, bei ihnen landete bislang die Hälfte der Produktionsmenge in den Einkaufskörben von US-Amerikanern. Zurück zum Käse: Zwei Produkte dominieren den Käseexport in die USA: zum einen Le Gruyère AOP (so die korrekte Bezeichnung), zum anderen „Switzerland Swiss“ von Emmi. Die Gruyère-Käsereien haben schon im Frühjahr ihre Produktion gedrosselt, als die Zölle zum ersten Mal ins Gespräch kamen. Schon im ersten Halbjahr 2025 hat die Schweiz 13 Prozent weniger Gruyère und 16 Prozent weniger Switzerland Swiss in die USA geliefert als im Vorjahr.

Was bedeuten die Zölle für den deutschen Markt? Andreas Müller, Geschäftsführer SCM Deutschland, erwartet ein Überangebot an Käse auf dem heimischen Markt. Schließlich treffen die Zölle alle europäischen Länder, wenn auch nur mit 15 Prozent Aufschlag. Dann könnten Produkte, die für die USA bestimmt waren, auf den deutschen Markt strömen und hier die Konkurrenzsituation verschärfen. „Das setzt Appenzeller, Emmentaler und Tête de Moine unter Druck“, weil diese hochpreisig angeboten werden. Insgesamt aber ist der Export von Schweizer Käse nach Deutschland im ersten Halbjahr um etwa 3 Prozent gestiegen. „Der deutsche Markt hat die größte Affinität für Schweizer Käse“, ist sich Müller sicher.

Bern wird Käsehauptstadt

Gerade „in diesen schwierigen Zeiten“ ist die Schweizer Bundeshauptstadt Gastgeber für die World Cheese Awards. „Bern wird drei Tage lang zur Capital of Cheese,“ kündigt Martin Spahr die Veranstaltung an (13. bis 15. November 2025). Er rechnet mit 5.000 Käsen aus aller Welt, die sich auf der Ausstellung 250 Juroren zur Begutachtung stellen. Der Marketingexperte lädt die deutschen Händler ein: „So nah an Deutschland waren die Awards noch nie.“