Reportage - Nachhaltigkeit Wellness für Kühe

Im nordholländischen Sint Maartensbrug geht es den Milchkühen besonders gut. Zu Besuch auf dem Hof der Familie Konijn, die Vorreiter bei Caring Dairy ist.

Sonntag, 05. Juni 2011 - Molkereiprodukte
Heidrun Mittler
Artikelbild Wellness für Kühe
Jack Konijn (r.) mit seinem Vater Jaap: Zwei Macher, die offen für neue Vorschläge sind und gern
experimentieren.
Bildquelle: Presseteam Ku00e4mper

Ob Wilhelmina weiß, was Nachhaltigkeit bedeutet? Sicher nicht. Die zweieinhalbjährige Milchkuh interessiert sich in erster Linie fürs Fressen, freut sich, wenn die Sonne scheint. Gerade allerdings bietet sich Wilhemina und ihren 101 Kolleginnen großes Kino auf ihrer Weide in nordholländischen Sint Maartensbrug: Unser Fotograf Martin Kämper hat sich auf ihre Weide gewagt und will mit der Kamera einfangen, wieso die Familie Konijn ihren Bauernhof nachhaltig bewirtschaftet. Und siehe da: Martins Charme reicht für eine ganze Kuhherde! Die Milchproduzentinnen traben gemächlich auf den Eindringling zu, umringen den Fotografen und untersuchen neugierig ihn und seine Ausrüstung – Martin ist gar nicht mehr so wohl in seiner Haut.

Doch keine Sorge: Die Kühe sind friedlich, Der Fotograf kommt mit heiler Haut davon und erntet höchstens ein verstohlenes Grinsen von Jack Konijn. Jack bewirtschaftet in vierter Generation den Bauernhof der Familie (wobei Konijn „Kaninchen" heißt), er lebt mit seiner Frau und den vier Kindern auf dem Hof. Der Landwirt ist einer der Vorreiter und -denker beim Caring-Dairy-System der Beemster-Genossenschaft Cono Kaasmakers, bei dem es darum geht, von der Kuh bis zum Käse möglichst nachhaltig zu wirtschaften. „Milchbauern sind traditionsbewusst", sagt der 35-Jährige. „Wir stellen uns aber ständig die Frage: Was können wir anders und besser machen?".

Deshalb nimmt er alle Arbeitsschritte genau unter die Lupe, gemeinsam mit seiner Frau Monique (die ebenfalls eine landwirtschaftliche Schule besucht hat) und seinem Vater Jaap, der nur vom Alter her in Rente ist und jeden Tag beim Melken hilft. Im Herbst und Winter, wenn die Kühe im Stall stehen und etwas weniger Arbeit anfällt, diskutieren sie ihre Erkenntnisse dann mit anderen Landwirten aus dem Caring- Dairy-System. Im Blickpunkt stehen dabei: die Auswirkungen auf die Umwelt, Energiemanagement, Wohlbefinden der Tiere, Management des Graslandes sowie spezielle Aspekte wie Vogelschutz oder Arbeitssicherheit. Solche Workshops werden von der Molkerei initiiert, sie finden bei den Bauern zuhause im Wohnzimmer statt, jeder Einzelne kann damit seine Arbeit auf dem eigenen Hof verbessern.

„Wenn ich gut für meine Tiere sorge, sorgen sie auch gut für mich", erläutert Jack Konijn. Wer jedoch eine romantische Bilderbuch-Idylle erwartet, liegt falsch (wobei man anmerken muss, dass seine vier Kinder den schönsten Spielplatz der Welt haben).
Die Tiere arbeiten für ihn und sind Teil eines Wirtschaftskreislaufs, vom morgendlichen bis zum abendlichen Melken. Jede Milchkuh trägt zwar einen Namen, doch der Bauer kennt sie nicht alle, sondern identifiziert sie anhand ihrer Ohr-Plakette. Wenn eine Kuh gekalbt hat, bleibt das Junge nur einen Tag bei der Mutter, danach wächst es auf einem anderen Hof auf (bei den Eltern Konijn), weil die Mutterkühe sich sonst schlecht melken lassen.

Warum es den Tieren gut geht? Das Vieh darf immer, wenn das Wetter es erlaubt, auf die Weide. Dabei können die Kühe jederzeit zu einer speziellen Vorrichtung im Stall gehen und sich das Fell bürsten und massieren lassen. Ihr Futter (Gras-Silage, Möhren und Mineralstoffe, aber kein Soja) ist täglich frisch, optimal zusammengestellt. Die gesunde Lebensweise macht sich positiv bemerkbar: Die Kühe auf dem Hof erreichen ein überdurchschnittlich hohes Lebensalter, geben mehr als 30 Liter Milch pro Tag – besonders gute Milch. Das macht sich im Einkommen der Familie bemerkbar, die mit 34 Cent pro Liter einen überdurchschnittlichen Milchpreis erhält.

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„Caring Dairy" (fürsorgliche Milchwirtschaft) heißt ein System, an dem 500 Milcherzeuger teilnehmen. Sie liefern die Milch an Cono Kaasmakers und sind gleichzeitig Mitglieder dieser Genossenschaft. Diese produziert (im nordholländischen Ort Beemster) überwiegend Käse unter der Marke Beemster und ist Lieferant für Ben&Jerry's-Eis. Ziel ist es, die Milcherzeugung durch viele kleine Schritte nachhaltig zu optimieren, das System wird von der Käserei gesteuert.

//// www.beemster.de



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Presseteam Kämper

Bilder zum Artikel

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experimentieren.
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Bild öffnen ...wer wann gemolken und dabei wie viel Milch gibt.
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