Mopro Glyphosatfrei:Der Glyphosat-Bann

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Mopro Glyphosatfrei Der Glyphosat-Bann

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Während sich Politik und Wissenschaft weiterhin darüber streiten, ob das Herbizid Glyphosat eine Gefahr für die Gesundheit darstellt, reagieren Handel und Hersteller. Erste Molkereien sind mit einem Verbot vorgeprescht. Der Wettbewerb kritisiert diese Maßnahme als Effekthascherei.

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Glyphosat in Bier und Speiseeis. Solche Schlagzeilen haben die Bundesbürger in den vergangenen Jahren stärker auf das Problem von Pestizidrückständen in Lebensmitteln gestoßen. Und sie sind zunehmend verunsichert. Durch die widersprüchlichen Aussagen der Wissenschaft dazu, ob Glyphosat als krebsgefährdend einzustufen ist oder nicht. Und durch den damit verbundenen Zickzackkurs der Politik rund um die Verlängerung der Zulassung in Europa. Erste Händler und Molkereien haben nun reduzierte Grenzwerte für Glyphosatgehalte bzw. Verbote für den Einsatz des Herbizids von ihren Lieferanten gefordert. Der richtige Schritt?

Für Aldi Süd ja. „Wir verfolgen die Diskussion über mögliche gesundheitliche Risiken sowie die Auswirkung von Glyphosat auf die Umwelt sehr aufmerksam. Sie hat bei unseren Kunden teilweise zu Verunsicherung geführt und allgemein die Nachfrage nach glyphosatfreien Lebensmitteln verstärkt“, erklärt Philipp Skorning, Group Buying Director Quality Assurance & Corporate Responsibility bei Aldi Süd. Deshalb hat das Unternehmen seine Eigenmarken-Lieferanten Anfang 2017 aufgefordert, Maßnahmen in die Wege zu leiten, um deutlich geringere Glyphosatgehalte in den Lebensmitteln zu erreichen, und eigene Rückstands-Höchstwerte festgelegt, die zum Teil bei nur 10 Prozent der gesetzlichen Vorgaben liegen.

Kurz-Info Glyphosat

Glyphosat ist ein umstrittene Unkrautvernichter. Trotz wissenschaftlicher UnbedenklichUnbedenklichkeitsbescheinigung durch die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) und das BfR,stufte die Krebsforschungsstelle der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Pflanzenschutzmittel im Jahre 2016 als „krebOsgefährdend“ ein. Seit Jahren wird daher über die Verlängerung der Zulassung gestritten. EndeNovember 2017 hatte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) in der EU gegen den Willen des Bundesumweltministeriums der Zulassungsverlängerung von Glyphosat um weitere fünf Jahre zum Durchbruch verholfen. Das EU-Parlament will künftig die Zulassung von umstrittenen Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat genauer unter die Lupe nehmen und beschloss einen Sonderausschuss.

Mit der Molkerei Berchtesgadener Land aus Piding sprach im Oktober 2017 die erste deutsche Molkerei ein Verbot des Unkrautkillers für Grünland und Ackerbau aus. Das Unternehmen reagierte damit auf die wiederholte Vertagung einer Entscheidung zur Zulassungsverlängerung von Glyphosat. Das Verbot von Totalherbiziden wurde in den Milchlieferbedingungen festgehalten und gilt seitdem für alle 1.800 Genossenschaftsmitglieder der Molkerei, die sowohl konventionelle als auch Bio-Milch verarbeitet und sich bereits 2010 für gentechnikfreie Fütterung entschied. Statt chemischen kommen technische Mittel zum Einsatz, um effizient und naturgemäß zu wirtschaften, informiert Berchtesgadener Land.

Eine wachsende Verunsicherung der Bundesbürger beim Thema Glyphosat haben auch die Goldsteig Käsereien Bayerwald registriert und folgten dem Beispiel aus Piding. Seit Anfang 2018 hat das Unternehmen ebenfalls ein Verbot in den Milchlieferbedingungen verankert. Nicht nur auf Drängen der Endverbraucher. „Es kamen einige Punkte zusammen“, erklärt Geschäftsführer Andreas Kraus und führt aus: „Zum einen haben die Verbraucher, aber auch NGOs und der Lebensmittelhandel den Druck auf uns erhöht, uns dem Thema Glyphosat zu widmen – vor allem nachdem der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt eine Verlängerung der Zulassung des Herbizids ermöglicht hat. Die gleiche Forderung kam von unseren Handelspartnern aus Österreich, wo man bei den Molkereien bereits einen Schritt weiter ist. Zum anderen ist das klare Nein zur Anwendung von Glyphosat die logische Konsequenz unserer Nachhaltigkeits-Strategie und ist für uns der einzig richtige Weg für die zukünftige Ausrichtung unseres Unternehmens.“ Das Verbot gelte für alle Milchlieferanten von Goldsteig in Deutschland und Tschechien und bezieht sich beim Futter auf den Bereich, „den wir selbst beeinflussen können, also die von unseren Landwirten erzeugten Futtermittel“, so Kraus. Rund 75 Prozent des Futters wird von diesen selbst erzeugt.