Weinbauern Deutscher Weinbauverband stellt Forderungskatalog vor

Der Deutsche Weinbauverband (DWV) hat einen Forderungskatalog für den Herbst 2026 präsentiert. DWV-Präsident Klaus Schneider (links im Bild) und DWV-Generalsekretär Christian Schwörer sprachen sich bei der Vorlage unter anderem für einen Anbaustopp und eine bessere Weinbaupolitik aus.

Freitag, 14. August 2026, 09:22 Uhr
Thomas Klaus
Zentrale Anliegen verdeutlicht: Klaus Schneider (links) ist Präsident und Christian Schwörer (rechts) Generalsekretär des Deutschen Weinbauverbandes. Bildquelle: DWV/Dieth + Schröder Fotografie

Mit einem Forderungskatalog an die Politik macht der Deutsche Weinbauverband auf zentrale Anliegen der Branche aufmerksam.  DWV-Präsident Klaus Schneider (links im Bild) und DWV-Generalsekretär Christian Schwörer stellten den Katalog vor.

Immer neue regulatorische Anforderungen

Der Forderungskatalog wurde während der „trockenen Vegetationsperiode“ präsentiert, auf die Klaus Schneider verwies. Die „zunehmenden klimatischen Extreme“ sind laut Schneider ein Beispiel für die herausfordernden Bedingungen, unter denen die Betriebe arbeiten müssen. Als weitere Problembereiche nannte Schneider „einen rückläufigen Markt, hohe Kosten, klimatische Risiken, neue Schädlinge und gleichzeitig immer neue regulatorische Anforderungen“. Der Präsident schlussfolgerte: „Was wir jetzt brauchen, ist kein weiteres Dickicht an Vorschriften, sondern politische Entscheidungen, die den Betrieben Planungssicherheit geben und ihnen ermöglichen, wirtschaftlich zu arbeiten“.

Rotationsbrache soll eingeführt werden

In diesem Sinn fordert der DWV weiterhin die Stärkung der Betriebe durch die Weinbaupolitik. Die weinspezifischen Maßnahmen, die die Europäische Union ermöglicht habe, seien auf den Weg gebracht. Die vom DWV seit Jahren geforderte Einführung der sogenannten „Rotationsbrache“ sei jedoch bundesweit immer noch nicht erfolgt, kritisierte der Verbandschef.

Weinberge sind Dauerkulturen, die oft jahrzehntelang ohne Pause genutzt werden. Rotationsbrachen helfen, die Folgen von Klimastress, Bodenmüdigkeit und Schädlingsdruck abzufedern – ein Thema, das in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen hat. Eine Rotationsbrache ist eine zeitlich begrenzte Ruhephase für einzelne Parzellen innerhalb eines Weinbergs. Statt jedes Jahr alle Flächen zu nutzen, wird ein Teil des Weinbergs für ein bis drei Jahre stillgelegt – und danach rotiert die Brache weiter zur nächsten Parzelle.

Anwachsen der Rebfläche verhindern

An der Forderung nach einer Rotationsbrache hält der DWV mit Nachdruck fest. „Dennoch“, betonte DWV-Generalsekretär Schwörer, „sind wir dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat für den Einsatz in Brüssel für die Weinbranche dankbar und begrüßen den im Vergleich zum vergangenen Jahr verbesserten Austausch.“ 

In seinem Forderungskatalog fordert der DWV einen Anbaustopp für die Zeit von 2027 bis 2029, um ein Anwachsen der Rebfläche zu verhindern. DWV-Präsident Schneider argumentierte: „Wir müssen das Produktionspotenzial angesichts der aktuellen Marktsituation kurzfristig und langfristig steuern, um dem Weinsektor langfristig eine Perspektive zu geben. Hierfür ist der Anbaustopp ein erster wichtiger Schritt – weitere müssen folgen.“

Enttäuscht von Positionierung des Bundesagrarministeriums

Bei den Verhandlungen über eine Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union (GAP) befürchtet der DWV, dass die Weinbaubranche unter die Räder kommen könnte. Die Verhandlungen über die GAP nach 2027 stehen erst am Anfang. Schneider: „Für den Weinbau geht es aber bereits jetzt um eine zentrale Weichenstellung: Bleibt die spezifische Unterstützung des Weinsektors erhalten oder wird sie durch Renationalisierung und Flexibilisierung geschwächt?“

DWV-Generalsekretär Schwörer zeigte sich von den aktuellen Positionierungen des Bundesagrarministeriums in Brüssel enttäuscht: „Wir verstehen nicht, warum sich das Ministerium gegen ein festes Budget für die Weinbranche, gegen feste Co-Finanzierungsraten und gegen den Erhalt bewährter Interventionen stellt. Wir brauchen ein starkes GAP-Budget und ein starkes Weinsektorenprogramm“.

Geoschutz in Anbaugebieten stärken

Außerdem fordert der DWV, die Umsetzungsverordnung zur Finanzierung der Schutzgemeinschaften beziehungsweise Erzeugervereinigungen schnell zu erlassen. Die Möglichkeiten des Geoschutzes würden in den deutschen Anbaugebieten bislang nicht ausreichend genutzt. Dazu gehörten unter anderem die Möglichkeiten zur gemeinsamen Vermarktung, Kommunikation sowie zur Weiterentwicklung des Weintourismus. Erst mit dem Erlass der Umsetzungsverordnung erhalten die Organisationen nach Darstellung des Verbandes die notwendige Grundlage, sich finanziell und personell angemessen auszustatten und ihre neuen Aufgaben tatsächlich wahrzunehmen.

Echte Ausnahme für Kleinstunternehmen gefordert

Mit Blick auf Green Claims und neue Verpackungsvorgaben mahnt der DWV eine Entbürokratisierung an. Die neuen Vorgaben zum Verpackungsrecht (PPWR), die seit dem 12. August in Kraft sind, generieren aus Verbandsperspektive große Datenmengen in den Betrieben, einen hohen Verwaltungsaufwand und erhebliche Kosten, ohne dabei tatsächlich Verpackungen zu minimieren. Für DWV-Präsident Schneider liegt auf der Hand, dass „wir alle Verpackungsmüll reduzieren wollen – durch neue Dokumentationspflichten und eine Belastung, gerade für die kleinen Betriebe, erreichen wir das jedoch nicht. Wir fordern eine echte Ausnahme für Kleinstunternehmen in und außerhalb der Weinbranche sowie Rechtssicherheit für die Betriebe.“ Nach Einschätzung des DWV gibt es trotz bereits geltender Regelungen noch zahlreiche offene Fragen, die ein erhebliches Risiko für die Betriebe bergen.

Schwörer: Das kann die EU besser

Ähnliches gelte im Bereich der Umweltaussagen und der EU-EMPCO-Richtlinie, die am 27. September in Deutschland in Kraft tritt. Lösungen fehlten hinsichtlich der Übergangs- und Abverkaufsregelung, beklagt der Verband. Generalsekretär Schwörer stellte dazu klar: „Wir wollen Greenwashing verhindern. Aber wir dürfen seriöse Nachhaltigkeitskommunikation nicht unmöglich machen. Ich bin überzeugt: Das kann die EU besser.“

Darüber hinaus spricht sich der DWV für die effektive und schnelle Zulassung neuer und wirksamer Pflanzenschutzmittel sowie gegen zusätzliche Steuern aus. Schaumweinsteuer, Erbschaftssteuer und weitere drohende Steuerbelastungen seien politische Diskussionen, die zu einer wirtschaftlichen Belastung der Weinbaubetriebe führten.

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