Die hessische Molkerei Schwälbchen hat im ersten Halbjahr 2026 in ihrer Molkerei-Sparte einen Verlust von 2 Millionen Euro eingefahren. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen mit Sitz in Bad Schwalbach im Taunus dort noch ein leichtes Plus von 100.000 Euro erzielt. Vorstandschef Günter Berz-List nannte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur ein Überangebot an Rohmilch und den daraus folgenden Preisverfall als Hauptursachen.
Berz-List: Wir sind in Rohstofffalle gelaufen
Der Umsatz der Schwälbchen Molkerei sank nach vorläufigen Zahlen um rund 14,5 Prozent auf etwa 47 Millionen Euro. Das Unternehmen musste laut Berz-List große Mengen überschüssiger Rohmilch auf dem sogenannten Spotmarkt verkaufen – zu Preisen, die deutlich unter den vertraglich vereinbarten Einkaufspreisen lagen, welche Schwälbchen seinen rund 170 Lieferanten zahlt. Die angelieferte Milchmenge stieg den Angaben zufolge im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr um 13,8 Prozent auf 60 Millionen Kilo. „Wir sind in die Rohstofffalle gelaufen“, sagte Berz-List. Auch ein anhaltender Preisverfall im Kühlregal habe das Ergebnis belastet. Dieses Problem hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits 2025 getroffen.
Außer-Haus-Markt ein Wachstumsmarkt
Besser entwickelte sich die Schwälbchen Frischdienst, ein Lieferdienst für Großverbraucher. Trotz leicht rückläufiger Umsätze von minus 2,5 Prozent auf rund 55 Millionen Euro erzielte die Sparte ein Ergebnis nach Steuern von 2,3 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2025 hatte der Frischdienst noch 1,5 Millionen Euro erwirtschaftet. „Der Außer-Haus-Markt ist ein Wachstumsmarkt, etwa die Belieferung von Kantinen, Mensen, Altenheimen oder Krankenhäusern“, erläuterte Berz-List. Auch das künftige Pflichtangebot für eine Ganztagsbetreuung an Schulen sieht er als Chance.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Berz-List damit, dass es „sehr schwierig“ werde, den Verlust der Molkerei-Sparte auszugleichen – auch wenn sich das Rohmilchproblem zuletzt etwas abgeschwächt habe. Das anhaltende Sommerwetter sorge derzeit für einen guten Absatz bei Produkten wie Kaffeekaltgetränken, Ayran, Kefir und Dickmilch. Zudem kündigte Berz-List für den Herbst einen neuen Skyr-Frischkäse an, mit dem Schwälbchen vom aktuellen Trend zu Quark als natürlichem Proteinlieferanten profitieren will.