Die deutsche Weizenernte dürfte in diesem Jahr auf knapp 20 Millionen Tonnen sinken – deutlich weniger als noch Ende Juni erwartet. Hitze und Notreife haben die Erträge bei Weizen, Roggen, Dinkel, Durum und Hafer erheblich gedrückt. Darüber informierte der Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS). Regional melden die Mitgliedsunternehmen des Verbands Ertragseinbußen beim Weizen von 10 bis 20 Prozent und teilweise darüber.
Beschaffung geeigneter Partien immer komplexer
Für den Lebensmittelhandel und die Verbraucher hat das Folgen: Allein die deutsche Mühlen- und Stärkewirtschaft verarbeitet nach Verbandsangaben jährlich rund acht Millionen Tonnen Weichweizen. Bei einer Ernte von knapp 20 Millionen Tonnen beanspruchen diese beiden Verarbeitungszweige damit rund 40 Prozent der heimischen Ernte.
Zwar sei grundsätzlich genügend mühlenfähiges Getreide geerntet worden, doch die Beschaffung geeigneter Partien werde immer komplexer. „Noch Ende Juni standen vielerorts hervorragende Bestände auf den Feldern. Die extreme Hitze hat dieses Bild innerhalb kurzer Zeit verändert“, sagte VGMS-Geschäftsführer Peter Haarbeck. Die Ernte sei „ausgesprochen heterogen“, Menge und Qualität gingen regional erheblich auseinander.
Verschärfte gesetzliche Grenzwerte erschweren Lage
Neben den schwankenden Qualitäten erschweren dem Verband zufolge auch verschärfte gesetzliche Grenzwerte für Kontaminanten die Rohstoffbeschaffung. Haarbeck verwies darauf, dass sinkende Erntemengen, stärker schwankende Qualitäten und zugleich steigende Anforderungen an die Rohstoffe die Aufgabe der Verarbeiter „zunehmend anspruchsvoller“ machten. Positiv sei allerdings, dass das Getreide trotz der schwierigen Witterung größtenteils gesund eingebracht worden sei. Flächendeckende Probleme mit Mykotoxinen zeichneten sich nach den bisherigen Meldungen nicht ab.
VGMS fordert klimaresilientere Verkehrsinfrastruktur
Zusätzlich belasten nach VGMS-Darstellung die Logistikprobleme die Branche. Die historisch niedrigen Wasserstände im Rhein schränken den Transport per Binnenschiff ein und treiben die Frachtkosten in die Höhe. Auch der Schienengüterverkehr bereite massive Probleme, so der Verband. Für Mühlen und Stärkehersteller, die auf die Belieferung per Binnenschiff angewiesen sind, könnten daraus erhebliche Einschränkungen entstehen. Der VGMS forderte eine klimaresilientere Verkehrsinfrastruktur auf Wasserstraße, Schiene und Straße.
Differenziertes Bild bei einzelnen Sorten
Ein differenziertes Bild ergibt sich den Angaben zufolge bei den einzelnen Getreidesorten. Die Durumernte fällt demnach trotz geringerer Hektarerträge positiv aus: Gute bis sehr gute Qualitäten und eine ausgeweitete Anbaufläche könnten die geringeren Flächenerträge ausgleichen. Bei Dinkel liegen die Erträge laut Verband etwa 10 bis 15 Prozent unter dem Vorjahr. Beim Hafer reicht die Spannweite der gemeldeten Hektolitergewichte in Süd- und Mitteldeutschland von 40 bis 55 Kilogramm je Hektoliter – für eine abschließende Bewertung sei es noch zu früh.
Auch die Mais- und Kartoffelernte stehen noch aus. Der Verband mahnte, dass Hafer und Dinkel auch im kommenden Anbaujahr ihren Platz in den Fruchtfolgen behalten müssten, um die Nachfrage nach diesen Produkten langfristig aus heimischer Erzeugung bedienen zu können.