Der Technologieanbieter Scandit hat eine neue KI-gestützte Lösung vorgestellt, die Verluste an Selbstbedienungskassen im Einzelhandel verringern soll. Das System mit dem Namen Self-Checkout Loss Prevention erkennt nach Angaben des Unternehmens in Echtzeit, wenn Artikel an der Kasse nicht gescannt werden – ob versehentlich oder absichtlich. Laut einer Mitteilung des Unternehmens lassen sich damit mehr als 75 Prozent der Verluste an Selbstbedienungskassen vermeiden oder zurückgewinnen.
Ohne eigene Server und aufwändige Installation
Das Problem ist für den Handel erheblich: Selbstbedienungskassen wickeln laut Scandit inzwischen 54 Prozent aller Transaktionen in Geschäften ab, die solche Kassen anbieten. Gleichzeitig verzeichneten diese Filialen laut dem Self-Checkout Loss Report 2026 der Organisation ECR Retail Loss 33 Prozent höhere Verluste als vergleichbare Standorte ohne Selbstbedienungskassen. Im ersten Jahr nach der Einführung stiegen die Verluste demnach im Schnitt sogar um weitere 22 Prozent. Stichprobenkontrollen kosteten laut einem deutschen Händler bis zu zwei Minuten pro Fall – Zeit, die sowohl Kunden als auch Personal belaste.
Das System funktioniert den Angaben zufolge so: Erkennt die Software einen nicht gescannten Artikel, erscheint zunächst ein Hinweis auf dem Bildschirm des Kunden. Reagiert dieser nicht, benachrichtigt das System das Personal, noch bevor der Bezahlvorgang abgeschlossen ist. „Einzelhändler sollten sich nicht zwischen einem schnellen Checkout-Erlebnis und wirksamer Verlustprävention entscheiden müssen“, sagte Mitgründer und Technikchef Christian Floerkemeier. Die Lösung laufe direkt an jeder Kasse, ohne eigene Server und ohne aufwändige Installation. Sie nutze vorhandene Kameras und benötige keine spezielle KI-Hardware, was die Betriebskosten niedrig halte.
Scandit setzt auf Datenschutz ohne Gesichtserkennung
Beim Datenschutz setzt Scandit nach eigenen Angaben auf das Prinzip „Privacy by Design“. Die Videodaten würden direkt an der Kasse verarbeitet. Da ausschließlich Artikel und Transaktionsverhalten analysiert würden, sei keine Gesichts- oder biometrische Erkennung nötig. Greg Buzek, Präsident des Analystenhauses IHL Group, kommentierte die Lösung: „Eine Lösung, die sich einfach in bestehende Filialen integrieren lässt und vorhandene Kameras nutzt, macht diesen Aufwand überflüssig.“
Zusammen mit der im Juli 2026 eingeführten Lösung Age Verified Self-Checkout, die den Kauf altersbeschränkter Artikel automatisiert überprüft, will Scandit die beiden häufigsten Gründe für Personaleingriffe an Selbstbedienungskassen beseitigen. Zu den Kunden des Unternehmens zählen nach eigenen Angaben unter anderem Handelsunternehmen wie Carrefour und Ahold Delhaize.
