Clemens Tönnies Die Branche verändern

Einer der Programm-Höhepunkte des 29. Deutschen Fleischkongresses der Lebensmittel Praxis war der Auftritt von Clemens Tönnies (Tönnies Holding).

Montag, 17. Januar 2022 - Fleisch
Jens Hertling
Artikelbild Die Branche verändern
Bildquelle: Peter Eilers

Das Jahr habe Narben hinterlassen, ganz eindeutig. Es sei ein bisschen verheilt dadurch, dass erkannt wurde, dass wir einen Unfall hatten, sagte Firmenlenker Clemens Tönnies zum Auftakt. Er ergänzte: „Damit ist das Thema für mich vom Tisch. Ich mache weiter, weil es immer noch Spaß macht.“ Dabei stellte Tönnies klar heraus: „Wir wollen die Branche verändern, da sind wir intensiv dabei. Wir haben die Unterkünfte umgebaut und haben beispielsweise 450 Küchen installiert. Wir sind noch lange nicht fertig. Ich weine den Werkverträgen nicht nach. Das System ist weg – wir müssen uns umstellen.“ Clemens Tönnies: „Viele unserer Stammarbeiter sind in die Nachbarländer abgewandert – sie wollen selbst entscheiden, wo und wie lange sie arbeiten. Der Wettbewerb um gute Leute ist inzwischen in ganz Europa entbrannt.“ Er ergänzte: „Wir wollen zuerst schwere Arbeit automatisieren und später auch andere Tätigkeiten, die sich automatisieren lassen.“

Appell an die Politik
Firmenchef Clemens Tönnies richtete während des Fleischkongresses einen Appell an die Spitzen von SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen, das Borchert-Konzept nun umzusetzen. Es müsse verhindert werden, dass die Schweineproduktion ins Ausland verlagert wird. Deshalb sei es wichtig, den deutschen Schweinehaltern eine Zukunftsperspektive zu bieten. „Wir erleben eine katastrophale Zeit, ich bin in großer Sorge über die deutschen Erzeuger. Umfragen zeigen, dass viele Schweinehalter aufhören möchten. Das hat nicht nur Auswirkungen in der Landwirtschaft, sondern auch auf Schlachthöfe.“ Der Preis für die Erzeuger sei derzeit laut Tönnies für sie nicht auskömmlich. „Wir haben die Pflicht, vernünftig und fair mit den Landwirten umzugehen.“ Tönnies: „Wenn wir nicht wollen, dass Schweine im geschlossenen Stall sind, dann müssen wir die gesetzlichen Rahmenbedingungen bieten und müssen dem Landwirt fairerweise vergüten, was er an Abriss- oder Umbaukosten hat.“ Dabei stellte Tönnies klar, dass „beispielsweise ein Schwein in der Haltungsform 3 erheblich mehr kostet – und das Geld dann auch beim Bauern ankommen muss“. Er ergänzte: „Wir haben aber auch eine Verantwortung für die gesamte Kette, insbesondere für die landwirtschaftlichen Familienbetriebe. Wir glauben an die landwirtschaftliche Produktion in Deutschland.“

Herstellung von klimaneutralem Fleisch
Ein weiteres Ziel der Tönnies Holding sei es, nachhaltige Lebensmittel zu produzieren. Solche Produkte, kombiniert mit einem hohen Tierwohlniveau, seien weltweit vermarktungsfähig. Die Produktion von Veggie soll ebenfalls vorangetrieben werden. „Wir sind ein Lebensmittelproduzent und orientieren uns an den Wünschen und Kaufgewohnheiten der Verbraucher – beispielsweise im Bereich Convenience oder Veggie.“ Tönnies stellt aber klar, dass er glaube, dass Veggie eine Nische bleiben wird. Der deutsche Verbraucher werde sich nicht endgültig von den Fleischprodukten lösen, so Tönnies. Zum Schluss gab Tönnies ein klares Bekenntnis zum Standort in Deutschland ab: „Wir wollen auch weiterhin Fleisch aus regionalen Strukturen hier produzieren.“

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