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Schweinepest Fallende Preise

Jens Hertling | 25. September 2020
Schweinepest: Fallende Preise
Bildquelle: Getty Images

In Deutschland wurde der erste Fall der Afrikanischen Schweinepest bei einem Wildschwein nachgewiesen. Damit verliert Deutschland den Status „seuchenfrei“. Die Preise für Schweinefleisch fallen.

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Das Landeslabor Berlin-Brandenburg sowie das Friedrich-Loeffler-Institut (LFI) als nationales Referenzlabor waren sich einig: Ein in Brandenburg verendetes Wildschwein war mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) infiziert. ASP ist für den Menschen ungefährlich, für Schweine aber fast immer tödlich. Daher ist sie eine erhebliche Gefährdung für landwirtschaftliche und industrielle Schweinebetriebe.

Unmittelbar nach der offiziellen Bestätigung des ASP-Falls verhängten Südkorea, Japan und China Importstopps für Schweinefleisch aus Deutschland – mit fatalen Folgen für die Schweinepreise. Die Schweinepreise reagierten auf die massiven Absatzprobleme – insbesondere an den asiatischen Exportmärkten. Die VEZG-Notierung (Preisinfo Schweine der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch) brach um 20 Cent auf nur noch 1,27 Euro je Kilogramm Schlachtschwein ein.

„Ich bin eigentlich nicht überrascht. Es war eigentlich alles nur eine Frage der Zeit, wann die ASP bei uns auftritt“, sagte Ulrich Pohlschneider, Mitarbeiter der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) gegenüber LP. Die Interessengemeinschaft der deutschen Schweinehalter zeigte sich aber vorsichtig optimistisch. Es gebe eine Schweinepestverordnung und Krisenpläne. In den vergangenen zwei Jahren sei „sehr, sehr viel getan“ worden, um sich vorzubereiten. „Dennoch – die Krise darf von den Verarbeitern und vom Handel nicht zulasten der Bauern ausgenutzt werden“, betonte Pohlschneider. „Bedingt durch die Corona-Krise und die hohen Sicherheitsmaßnahmen produzieren viele Schlachtbetriebe ohnehin nur mit angezogener Handbremse“, beschreibt Pohlschneider die Lage. Schon jetzt gebe es ein leichtes Überangebot an lebenden Schweinen – eine Folge der Corona-bedingten Schließung des Tönnies-Schlachthofs in Rheda-Wiedenbrück. Zwar sei der wichtigste Absatzmarkt für Schweinefleisch der deutsche Markt, betonte Pohlschneider. Der Export in einige Drittländer ist für deutsche Exporteure aber ebenfalls enorm wichtig.

„Jetzt gilt es in der Fleischvermarktung, schnell alternative Vermarktungsmöglichkeiten zu schaffen. Die Märkte müssen sich jetzt neu sortieren. Angesichts des derzeitigen Preisniveaus müsste es aus unserer Sicht auch tatsächlich gelingen, andere Absatzmärkte zu finden zu können“, sagte Ulrich Pohlschneider. Insbesondere Produkte, die hierzulande so gut wie nicht nachgefragt würden, seien von einem Exportstopp betroffen. Dazu zählen nach Auskunft des ISN unter anderem: Pfoten, Ohren und Knochen. Deshalb sei nun mit „einer starken Beeinflussung“ der Absatzströme des Schweinefleischmarktes zu rechnen.

Die Strategie überdenken
„Für die deutschen Bauern ist der Absturz der Schweinepreise jedenfalls eine Katastrophe“, konstatiert Branchenexperte Klaus-Martin Fischer, Partner der Beratung Ebner Stolz gegenüber LP. Er könnte sich vorstellen, dass die 20 Cent Preisabschlag noch nicht das Ende bedeuten. Viele Landwirte könnten wegen der ASP aus der Schweinehaltung aussteigen, so Fischer. Wenn die Seuche in weiteren Regionen auftaucht – womit zu rechnen ist – könnte die ganze Just-in-time-Produktionskette der Schweineindustrie von der Ferkelaufzucht über die Mäster bis zu den Schlacht- und Zerlegebetrieben schnell ins Wanken kommen. Damit stellt sich die Frage, was aus der Fleisch-Produktion in Deutschland werden soll. Die Branche steht derzeit unter Druck: Da sind zum Beispiel die teils äußerst prekären Arbeitsbedingungen der ausländischen Arbeiter, die durch die Coronafälle bei Tönnies bekannt wurden. Da gibt es die Vorwürfe der nicht tiergerechten Haltung. „Jeder Produzent ist gefordert, seine Strategie zu überdenken“, sagt Branchenkenner Fischer.