Anzeige

Erzeugerpreise Rekordstand

Jens Hertling | 17. Dezember 2019
Erzeugerpreise: Rekordstand
Bildquelle: Rau

Weil in Asien die Schweinepest wütet und China mehr Fleisch importiert, steigen die Erzeugerpreise. Landwirt Heiko Rau rechnet mit hohen Preisen.

Anzeige

Warum sind denn aus Ihrer Sicht die Rohstoff-Preise so gestiegen?
Heiko Rau: Die Preise sind aufgrund der grassierenden ASP (Afrikanische Schweinepest) vor allem in China so gestiegen. Die Schweinebestände wurden in China deshalb deutlich reduziert. Ein Mastschwein soll momentan in China um die 600 Euro kosten. Bei uns sind es jetzt knapp 200 Euro, Anfang des Jahres waren wir noch unter 140 Euro.

Wird sich das wieder ändern?
Es wird vermutet, dass die hohen Preise noch eine Weile anhalten, da die Bestände in China wieder aufgebaut werden müssen. Ich gehe davon aus, dass in anderen Teilen der Welt die Bestände wieder ausgebaut werden, da die Preise gut sind. Das bedeutet aber auch, dass es irgendwann zu einem Turnaround kommt.

Wie stehen Sie als Schweinehalter zu der Anfrage von Reinert (siehe Kasten) zum Import von Schweinen aus den USA?
Aus Sicht der Wursthersteller ist es legitim auf der Welt nach günstigem Fleisch zu schauen, um daraus Wurst herzustellen. Gegenüber uns deutschen Landwirten mit sehr hohen Auflagen ist es aber nicht fair. Unsere Kosten müssen auf die Preise aufgeschlagen werden und über die Verarbeiter bis zum Lebensmittelhandel weitergereicht werden. Das ist für Reinert und andere aber scheinbar durch die Marktmacht der großen Lebensmittelhändler nur schwer möglich. Daher befürworte ich die Fusion mit Kemper, um den Lebensmittelriesen entsprechend entgegen zu treten. Ob immer größer und günstiger der richtige Weg ist, entscheidet der Kunde durch was und wo er einkauft.

Was bedeutet dies für Sie als Schweinehalter?
Für mich als Schweinehalter bedeuten die immer weiteren Anforderungen und politischen Unklarheiten, auf Sicht zu fahren. Das bedeutet keine großen Investitionen tätigen, und die Auflagen möglichst ohne Kreditaufnahme umzusetzen. Dann bleibt mir die Möglichkeit jederzeit ohne Risiko die Schweinhaltung auslaufen zu lassen.

Ist das Preisniveau im Moment wirklich zu hoch?
Für die momentanen Anforderungen ist das Preisniveau in Ordnung. Jedoch steht eine Novellierung der Tierschutz-Nutztierverordnung an und auch das staatliche Tierwohllabel steht in den Startlöchern. Es werden also weitere Anforderungen kommen, für die das Preisniveau dann schon wieder zu niedrig ist.

Werden mehr Betriebe Insolvenz anmelden müssen?
Wenn es zu einem deutlichen Turnaround bei den Preisen kommt, dann werden wir so viele Betriebsaufgaben wie noch nie haben.

Warum wird es denn Zeit für eine verpflichtende Haltungs- und Herkunftsbezeichnung?
Damit der Verbraucher erkennen kann, welche Standards er einkauft, ist es dringend nötig, dass bei allen Zutaten von Lebensmitteln die Herkunft angegeben werden muss. Die deutschen Tierhaltungsstandards liegen schon jetzt über den vieler EU-Staaten, jedoch erkennt man äußerlich nicht, wie sie angebaut oder gehalten werden.

Wie sollten die Verantwortlichen aus der Politik handeln?
Wenn die Politik weiterhin bürgerliche Landwirtschaft haben will, dann müssen bei steigenden Auflagen auch die Preise steigen. Das kann aber alleine die Politik nicht umsetzen. Dazu gehört die ganze Lebensmittelkette. Vom Schlachtbetrieb bis zum Verbraucher muss die Zahlungsbereitschaft für Made in Germany deutlich steigen.

Heiko Rau lebt auf Gut Dotzelrod bei Alsfeld und hat Ställe für 2.500 Schweine.

Hintergrund

Grund des Interviews war ein Beitrag über die Firma Reinert im Haller Kreisblatt. Dort wird die Firma Reinert in dem Beitrag von Marc Uthmann „Umkämpfter Wurstmarkt: Nordamerika als Testballon für Reinert“ wie folgt zitiert: „Es läuft zurzeit eine von uns initiierte Anfrage vom Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie in Brüssel, ob es möglich sei, Schweinefleisch aus den USA einzuführen“, berichtet der Reinert-Sprecher. Denn das Angebot in Deutschland werde zunehmend kleiner aufgrund von Schließungen mittelgroßer und kleiner landwirtschaftlicher Betriebe, welche die Umweltauflagen nicht mehr erfüllen könnten und Investitionen in eine ungewisse Zukunft scheuten.