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Insekten Alternative zum Fleisch

Jens Hertling | 21. Juni 2019
Insekten: Alternative zum Fleisch
Bildquelle: Bugfoundation GmbH

 Essbare Insekten sind im Anflug auf den deutschen Lebensmittelmarkt. Tegut, Rewe und seit kurzem Kaufland führen Insektenburger. Ein Marktüberblick.

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Insekten gelten als Nahrungsmittel der Zukunft. Sie sind nicht nur nahrhaft, sondern produzieren auch deutlich weniger CO2 als Kühe oder Schweine. In anderen Regionen der Erde stehen Insekten schon lange auf dem Speiseplan und sind dort eine geschätzte Protein- und Vitaminquelle. Auch in Europa haben sie inzwischen einen Fuß in der Tür. Jeder siebte Deutsche hat sie schon einmal probiert. Das ergab eine Verbraucherumfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung.

Proteinquelle der Zukunft?
Bis zum Jahr 2030 soll die Weltbevölkerung auf acht Milliarden Menschen anwachsen. „Mit gängigen Methoden der Lebensmittelproduktion wird man sie nicht satt bekommen. Insekten könnten die Lösung sein, denn sie sind reich an Proteinen und ungesättigten Fettsäuren und brauchen bei der Zucht weniger Platz“, sagt Max Krämer. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Baris Özel setzt er auf diesen Trend: Gemeinsam haben sie vor fünf Jahren das Unternehmen „Bugfoundation“ aus der Taufe gehoben, die Insektenburger vermarktet. Ihr Produkt sieht aus wie ein ganz normaler Burger: Eine Brötchenhälfte oben und unten, Salat, und in der Mitte ein Klops. Aber statt aus Rindfleisch ist dieser Burger aus gemahlenem Buffalowurm und pflanzlichen Bestandteilen. Und wie schmeckt er? Der Burger habe eine fleischige Note, sagt Krämer. „Aber mehr Biss“ als vergleichbare fleischlose Burger. Ob sich davon Vegetarier überzeugen lassen, wird sich aber laut Krämer erst noch zeigen. Den Burger gibt es derzeit in mehr als 1.000 Rewe-und Tegut-Märkten sowie bei selbstständigen Rewe-Händlern zu kaufen. Laut Krämer werden die Buffalowürmer „unter kontrollierten und den europäischen Hygienestandards entsprechenden Bedingungen“ in den Niederlanden gezüchtet.

Aber was sind Buffalowürmer? Dahinter verbirgt sich der „Glänzend schwarze Getreideschimmelkäfer“: Buffalowürmer sind die Larven dieses Käfers. Den beiden Neugründern war klar, dass sie ein Produkt schaffen mussten, das hübsch aussieht, gut riecht und lecker schmeckt. „Was wir für uns von vornherein festgelegt haben, war, dass man keine ganzen Insekten sehen sollte“, erklärt Krämer. Wer nicht weiß, dass Insekten drin sind, würde es nicht ahnen. Özel und Krämer bekommen ihre Buffalowürmer von einem Züchter, der bereits seit 40 Jahren auf Insekten spezialisiert ist. Die Würmer werden dort in beheizten Boxen aufgezogen. Dann werden sie heruntergekühlt, sodass sie einschlafen. In der Kältekammer wird die Temperatur weiter gesenkt, bis die Tiere sterben.

Kaufland hat seit Mitte April ebenfalls Insektenburger erstmals in der Kühltruhe. Die Hauptzutat der Insektenburger sind gleichfalls Buffalowürmer. „Bei der Produktion des Buffalowurms wird 93 Prozent weniger Treibhausgas ausgestoßen und 73 Prozent weniger Wasser verbraucht als bei der Produktion eines Kilos Rindfleisch“, heißt es in einer Mitteilung von Kaufland. Die Produkte werden von dem deutschen Unternehmen Bold Foods hergestellt. Die bei Kaufland erhältlichen Burger-Patties gibt es in den Geschmacksrichtungen Tex Mex und Reis. Sie enthalten einen Anteil an Buffalowürmern von über 30 Prozent in Form eines Proteinpulvers. „Die Burger waren beim Verkaufsstart gut gefragt. Vor allem junge Menschen zählen zu den Käufern“, sagt Uwe Fuhrmann, Center-Hausleiter der Kaufland Filiale in Steinheim an der Murr.

Marketingaufgabe
„Letztlich wird der Genuss von Insekten eine Gewöhnungsfrage sein – ähnlich wie beim rohen Fisch im heute auch in Europa populären Sushi“, heißt es in einer Studie des Nahrungsmittel-Riesen Nestlé. Wie man die deutschen Kunden dennoch davon überzeugen kann, Insekten zu essen, hat Prof. Dr. Fabian Christandl von der Hochschule Fresenius, Fachbereich Wirtschaft & Medien, erforscht. In Kooperation mit Kollegen von der Universität Bern, Essento Food AG und der Universität Köln startete er dazu eine Studie: „Aus unseren Ergebnissen lässt sich ableiten, dass die Werbung Insekten eher als Genussmittel anpreisen sollte. Mit dieser Strategie können sie tendenziell mehr Konsumenten davon überzeugen, Insekten mit auf den Speiseplan zu nehmen“, sagt der Forscher.

Bis dahin wird noch ein wenig Zeit vergehen. „Wir rechnen mit einigen Jahren, bevor Insekten gesellschaftsfähig werden. Aber dann ist das Ziel erreicht: Insekten essen in Europa alltäglich machen“, sagt Krämer von der Bugfoundation. Dabei ist ihm eines wichtig: „Wir möchten mit Insektenprodukten Fleisch nicht vom Markt verdrängen.“