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Interview mit Werner Gunz „Wir haben keine Angst vor der Arbeit!“

Andrea Kurtz | 18. Mai 2018
Interview mit Werner Gunz: „Wir haben keine Angst vor der Arbeit!“

Bildquelle: Gunz

Werner Gunz (58) weiß jetzt schon, was er am 10. November 2020 um 9 Uhr machen wird – in Rente gehen nämlich. Der Handel schätzt den Streckenspezialisten Gunz wegen seiner Schnelligkeit und seiner Perfektion. Die LP sprach mit Gunz über Markenbildung und die Entstehung der neuen Produktlinien für die Fußball-Fans des FC Bayern München und des BVB Dortmund.

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Produkte für den BVB und für Bayern München in rund 20 verschiedenen Sortimenten: Wie kam es zur Kooperation zwischen diesen erbitterten Konkurrenten?
Werner Gunz: Zuallererst: Ich liebe Fußball. Und bin dabei auch keineswegs auf nur ein Team oder gar ein österreichisches festgelegt. Und wir haben eine solide Historie: Wir sind seit mehr als 20 Jahren im Private-Label- Geschäft in Europa etabliert. Mit den beiden renommierten Vereinen ein Lizenz-Geschäft aufzubauen, ist der logische nächste Schritt in unserer Entwicklung. Wir wollen dem Lebensmittelhandel mit unseren Produkten einen interessanten Mehrwert bieten. Der große Unterschied zu den bisherigen Konzepten sind die Preis- und Sortimentsgestaltung sowie unser starker Vertrieb. Wir sind überzeugt, dass diese Idee ein Erfolg wird.

Fakten zum Unternehmen
  • Das Unternehmen Gunz wurde 1986 als klassisches Importunternehmen für europäische Lebensmittel gegründet.
  • Nach dem Beitritt Österreichs zur EU 1996 stellte sich Gunz neu auf. Jahresumsatz damals: zwei Millionen Euro mit zehn Artikeln (Marke und Eigenmarke).
  • Das Unternehmen führt 21 eigene und auch eigen kreierte Marken und lässt die rund 1.000 Produkte dahinter europaweit für den Handel herstellen, etwa Meister Moulin, Only, Asia Gold, Snackline oder Piacelli. Abgedeckt werden alle Warengruppen im Trockenbereich.
  • Der Vertrieb ist weltweit aufgestellt; 2018 werden 100 Länder weltweit beliefert.
  • In den USA und Russland gibt es eigene Niederlassungen, entstanden durch Firmenzukäufe.
  • Firmenchef Werner Gunz hat für die Nachfolgeregelung einen Fünf-Jahres-Plan aufgestellt; zum Jahresende 2020 werden seine Kinder das Unternehmen übernehmen. Diese sind bereits seit mehr als zehn Jahren in der Verantwortung in verschiedenen Bereichen.

Wie liegen die Artikel preislich?
Wir bewegen uns bei der Preisfindung auf sehr günstigem Niveau. Jeder Borussia-Dortmund-, jeder FCBayern- München-Fan soll sich die Produkte leisten können – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Wie ist es möglich, derartige Top- Lizenzen mit einem günstigen Preis im Markt zu etablieren?
Wir nutzen dafür unsere langjährige Erfahrung und investieren einiges in dieses Projekt. Aber auch unsere Lizenzgeber aus München und Dortmund zeigten und großes Interesse und Engagement. Die Produkte bewegen sich auf einem hohen Qualitätsniveau, alle Schokoladeund Pralinenartikel werden zudem mit Fairtrade-Kakao produziert.


Sie sind einer der Botschafter für Fairtrade-Kakao. Gibt der Wertekanon Ihres Unternehmens noch mehr nachhaltige Elemente vor? Transparenz ist unsere Grundmaxime. Egal ob Arbeitszeiten, Mitarbeiterführung, soziales Engagement, energieeffizienter Umgang in unserem Betrieb oder eben faire Anbaumethoden – meine Eltern hatten einen landwirtschaftlichen Betrieb und von dort stammt unser bewusster Umgang mit allen Ressourcen. Mich beeindrucken auch Mitarbeiter nicht, die am Wochenende E-Mails schreiben oder die ich am Abend nach Hause schicken muss. Wir leben das Wort fairtrade, also fairen Handel. Mit dem Einsatz von fairem Kakao möchten wir ein deutliches Zeichen dafür setzen, dass man auch im Preiseinstiegssegment nicht auf Werte wie Verantwortungsbewusstsein, Nachhaltig-keit und Fairness verzichten muss. Ganz im Gegenteil: Wir wollen hier der Vorreiter sein.

Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein …
... ist es aber. Gewinnmaximierung ist nicht unser Hauptanliegen. Deswegen können wir auch soziale Projekte unterstützen, etwas zurückgeben von unserem Erfolg.

Ihr Sortiment ist mit rund 200 Schokoladenprodukten sehr umfangreich, Sie haben Lieferanten aus sechs Ländern. Wie ist die Umstellung auf Fairtrade mit all denen gelungen?
Mit viel Arbeit, vor allem mit Überzeugungsarbeit – und einem klaren Vorteilsversprechen für die Lieferanten. Bis Ende 2018 wird alles umgestellt sein bei unseren europäischen Lieferanten; derzeit sind wir im ersten Drittel bei unseren 15 Lieferanten. In Deutschland oder Benelux war das auch relativ leicht; in Italien ist Fairtrade noch kaum ein Thema. Hier mussten die Hersteller erst alles neu über Zertifizierungen und mehr lernen. Die Arbeit hat sich gelohnt – und wir haben grundsätzlich keine Angst vor der Arbeit.