WPR Neues aus der Wertstofftonne

Für die Herstellung von PET wird Erdöl benötigt. Wie WPR-Hersteller diese endliche Ressource schonen wollen, das zeigen die Beispiele von Werner & Mertz sowie Ecover.

Sonntag, 06. Oktober 2013 - Sortimente
Susanne Klopsch
Artikelbild Neues aus der Wertstofftonne
Bildquelle: Shutterstock

Die Hersteller von Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln schauen schon länger nicht mehr nur auf die inneren Werte ihrer Produkte. In den Fokus ist die Kunststoffhülle geraten. Sie ist leicht, bruchsicher, lässt sich in viele Formen bringen und gut bedrucken. Doch PET (Polyethylenterephthalat) wird aus Erdöl hergestellt. Für die Herstellung von einem Dutzend Flaschen aus PET ist nach Angaben von Prof. Dr. Karl-Heinz Scheffold, Fachhochschule Bingen, etwa 1 l Erdöl notwendig. Angesichts der Endlichkeit der Ressource ist die Suche nach Alternativen also nicht nur politisch angebracht.

Auf Recycling setzt Werner & Mertz mit seiner Marke Frosch. Momentan liegt der Anteil von wiederaufbereitetem PET in den Frosch-Verpackungen bei rund 80 Prozent. „Rohstoff“-Quelle ist die Getränkeindustrie. Die Mainzer fragten sich: Was passiert eigentlich mit den von Verbrauchern in den Gelben Säcken bzw. Tonnen gesammelten PET-Gebinden? Die Antwort war nicht wirklich befriedigend: Sie wandern unter anderem als Hilfsbrennstoff in kommunale Müllverbrennungsanlagen. Thermische Verwertung nennt sich das Ganze, de facto wird der endliche Rohstoff Erdöl verbrannt, was das Klima zusätzlich mit CO2 belastet. Das geht doch sicher auch anders, sagte man sich in Mainz. Mit seiner Recyclat-Initiative will das Unternehmen diese Quelle für Sekundärrohstoffe erschließen (zu den Zielen: siehe Kasten auf dieser Seite). Der NABU begleitet das Projekt.

Zur Umsetzung bedarf es allerdings Partner: Mit im Boot sitzen nun Grüner Punkt - Duales System Deutschland GmbH, ALPLA Werke Alwin Lehner, die Verpackungslösungen aus Kunststoff entwickeln, sowie Unisensor Sensorsysteme. Letztere liefern wichtige Vorarbeiten, um die einzelnen Kunststofffraktionen aus dem Gelben Sack zu sortieren und zu trennen und damit für eine hohe Qualität des Recyclats zu sorgen. Dabei war unter anderem mit PVC, Nylon oder auch Holz- und Leimresten verunreinigtes PET bislang immer schwer zu identifizieren und schränkte die Verwendung des Granulats für Lebensmittel-Verpackungen stark ein. Unisensor hat dazu Powersort 200 entwickelt: Vereinfach gesagt, erkennt es in der Sortieranlage im Laserspektroskopieverfahren den physikalischen „Fingerabdruck“ eines Kunststoffes und entfernt mittels Luftdüsen das nicht brauchbare Material aus dem Stoffstrom. Laut Hersteller schafft es das System, zwischen 2,4 bis 3 t pro Stunde zu durchleuchten. B is zu 98 Prozent der Fremdstoffe könnten so aussortiert werden.

Inzwischen liegen Werner & Mertz Ergebnisse erster Tests vor. Und diese stimmen die Beteiligten froh: Dank der neuen Sortierung konnten Flaschen-Prototypen gefertigt werden, deren PET bereits zu 40 Prozent auf im Gelben Sack gesammelten Materialen basiert. Weitere 40 Prozent des Recyclats stammen aus der Getränkeindustrie, 20 Prozent aus neuem PET. „Das sind tolle Ergebnisse, die wir in so kurzer Zeit kaum gehofft haben, zu erreichen“, heißt es aus Mainz. Und wann kann das System die Testphase verlassen und den Rollout starten? Die Mainzer schätzen 2014.

Die Initiative ist als so genanntes Open-Innovation-Projekt konzipiert und damit offen für weitere Partner. „Insbesondere der Ausblick auf eine mittelfristige Kosteneinsparung durch den Wegfall eines nicht mehr benötigten Aufbereitungsschritts, der Granulierung, lässt das neue Recyclingsystem für einen breiten Rollout in Deutschland attraktiv erscheinen“, heißt es selbstbewusst auf der Homepage der Marke Frosch. So habe es bereits Anfragen von Handelsunternehmen und Drogerieketten für ihre Marken gegeben. Den Mainzern geht es nach eigener Aussage aber nicht primär um Kosteneinsparungen: Sie verweisen daneben auf den Nutzen für die Umwelt. So schone die PET-Wiederverwertung die Ressource Erdöl, zudem verbrauche die Herstellung des Recyclats weniger Energie. Außerdem entspreche schon 1 g PET-Recyclat einer CO2-Einsparung von 3 g, die allein bei der Verbrennung freigesetzt würden.

Einen anderen Weg ging der belgische WPR-Hersteller Ecover: Das Unternehmen setzt seit 2011 bei seinen Flüssigproduktverpackungen zu 100 Prozent auf Basis von Zuckerrohr hergestelltes Polyethylen ein. Dieses sei in Bezug auf Treibhausemissionen bis zu 75 Prozent effizienter, da Zuckerrohr während des Wachstums CO2 aus der Luft binde. Bis zu 2.500 t CO2 würden so eingespart. Nun wollen die Belgier auch Flaschenetiketten und -kappen aus Zuckerrohr herstellen. Der Einsatz des grünen PE hat laut Ecover beachtliche Effekte auf die Gesamt-CO2-Emissionen des Unternehmensbereichs Verpackungsproduktion: Dieser macht derzeit bis zu 45 Prozent des ökologischen Fußabdrucks eines Ecover-Produkts aus.

Bild: Von wegen Abfall: Gebrauchte PET-Gebinde sind der Rohstoff für neue Gebinde

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