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Fairtrade Faire Produkte polieren das Image der Händler auf

Bettina Röttig | 07. Mai 2012

Fair gehandelte Produkte sind in Deutschland noch ein Nischenthema mit nur 0,3 Prozent Marktanteil, aber eben auch mit zweistelligen Zuwachsraten.

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Das Kartellamt im Nacken, die Industrie mit Forderungen vor der Brust und in den Medien allzu oft schlechte Schlagzeilen – da ist alles willkommen, was hilft, das Image zu verbessern. Fast jedes Handelsunternehmen bietet inzwischen permanent unter einer Eigenmarke (z .B. Lidl mit Fairglobe ) oder auch nur zeitlich begrenzt in Aktionen fair gehandelte Produkte an. Begleitet wird das jeweils durch regelrechte Medien-Kampagnen.

Auch wenn fair gehandelte Produkte in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, ihr Marktanteil ist noch verschwindend gering, liegt in Deutschland bei 0,3 Prozent. Verbraucher hierzulande kauften im vergangenen Jahr Fairtrade-Produkte im Wert von rund 400 Mio. Euro. Mit einem Plus von 18 Prozent über alle Produktgruppen hält der zweistellige Wachstumstrend der vergangenen Jahre zwar weiter an, aber auf einem Niveau, das de facto für den einzelnen Kaufmann in seinem Supermarkt nahe an der Bedeutungslosigkeit liegt. Zumal von diesem Gesamtumsatz nur ein Drittel bei Vollsortimentern erwirtschaftet wird. Ein weiteres Drittel entfällt auf den Discount, ebenso eines auf den Außer-Haus-Markt.

„Seit 2002 ist der Gesamtumsatz um das Achtfache gestiegen“, berichtet Dieter Overath , Geschäftsführer TransFair Deutschland. Allein in den letzten sechs Jahren hat sich der Umsatz vervierfacht. Aktuell verzeichnen Produktgruppen wie Tee (+ 42 Prozent), Kaffee (+ 38), Zucker (+ 14), Kakao und Schokolade (+ 16 Prozent) gegenüber dem Vorjahr enorme Steigerungen. Doch von dieser Entwicklung profitiert die Markenartikel-Industrie nicht . Das Umsatzplus geht maßgeblich auf das Engagement des Handels im Eigenmarken-Bereich zurück. Und sie bauen ihren Vorsprung weiter aus: Aldi Süd erweiterte im März sein Fairtrade-Angebot um konventionelle Bananen aus Fairem Handel, die Drogeriemarktkette dm präsentierte im April eine Schokolade mit Fairtrade-Siegel. Rewe und Real stellen sukzessive Produkte auf Fairtrade um, und Edeka und Netto haben Fairtrade-Rosen ins Sortiment aufgenommen. Norma organisiert mehrmals jährlich eine Fair-Trade-Woche.

Das Engagement des Handels stimmt Overath zuversichtlich. 2012 will er die 500-Mio.-Euro-Umsatzmarke knacken. Im Vergleich mit anderen EU-Staaten ist das Potenzial in Deutschland noch lange nicht ausgeschöpft. Während in England im Schnitt rund 100 Fairtrade-Produkte in den Supermärkten stehen, sind es bei uns zumeist weniger als 20. Der Durchschnittsdeutsche kauft jährlich für 5 Euro fair gehandelte Produkte, der Brite für 20 Euro.