Wie bedrohlich ist die Lage für Ihre Branche angesichts vieler Krisen und der damit einhergehenden Preisfokussierung der Bundesbürger?
Deutschland befindet sich seit Jahren in der Rezession, aktuell steigt die Arbeitslosigkeit. Das verunsichert die Menschen und führt in vielen Bereichen zu Kaufzurückhaltung. Dennoch sehen wir, dass viele Menschen bereit sind, für gute Qualität, regionale Herstellung und echtes Handwerk einen angemessenen Preis zu bezahlen. Der Blick auf unsere Branche zeigt, dass das Bäckerhandwerk durchaus widerstandsfähig ist: Der Umsatz stieg 2025 um 1,3 Prozent auf 18,14 Milliarden Euro.
Also kein Abgesang auf das Bäckerhandwerk?
Die Branche hat sich in der Vergangenheit resilient gezeigt. Wir sehen die weltweit bekannte deutsche Brotkultur keineswegs in Gefahr – sie lebt von der Vielfalt und der Qualität des Bäckerhandwerks mit rund 8.700 Handwerksbetrieben. Deshalb sind wir überzeugt, dass handwerklich hergestellte Backwaren auch künftig ihren Platz haben werden – vorausgesetzt, die politischen Rahmenbedingungen ermöglichen wirtschaftliches Arbeiten. Die Handwerksbäckereien stehen seit Jahren unter einem enormen Kostendruck. Gestiegene Energie-, Rohstoff- und Personalkosten sowie überzogene Bürokratie belasten sie erheblich.
Großbäckereien haben in den vergangenen Jahren einiges in die Qualität der Produkte für die Bake-off-Stationen des Handels investiert: Was bedeutet das für Ihre Branche?
Grundsätzlich begrüßen wir als Zentralverband jede Entwicklung, die dazu führt, dass Brot und Backwaren wieder stärker über Qualität, Frische und Geschmack wahrgenommen werden. Viele Kaufleute bauen gerade mit Brot und Backwaren ein Premiumprofil auf. Das regional fest verankerte Bäckerhandwerk ist in vielen Kassenzonen ein solider Partner, der zusätzliche Frequenz und Wohlfühlatmosphäre schafft und das Sortiment ergänzt. Wenn der LEH sein Angebot zunehmend als Premium-Vollsortimenter positioniert und dafür auf die Kompetenz regionaler Handwerksbäcker setzt, dann ist das für uns auch eine Anerkennung dessen, was das Bäckerhandwerk ausmacht.
Retten vielleicht Snacks die Bäcker?
Snacks sind für viele Betriebe ein wichtiger Baustein für wirtschaftlichen Erfolg. Sie bieten zusätzliche Chancen, sich im Wettbewerb abzuheben und vom Convenience-Trend zu profitieren. Das klassische Brot- und Brötchengeschäft bleibt allerdings das Herzstück des Handwerks. Dessen Zukunft liegt deshalb nicht in einem einzelnen Produkt, sondern in einer ausgewogenen Mischung aus traditioneller Brotkultur, handwerklicher Qualität, Innovation und wirtschaftlich tragfähigen Rahmenbedingungen. Gastronomische Angebote sind ein wichtiger Teil dieses Konzepts, aber sie machen weder das Brotgeschäft noch bessere politische Rahmenbedingungen überflüssig.
Enthält das Reformpaket der Bundesregierung nichts Positives für die Handwerksbäcker?
Wir begrüßen die ersten Beschlüsse, um Bürokratie abzubauen und grundlegende Reformen der sozialen Sicherungssysteme einzuleiten. Wir fordern zugleich weitaus mehr Engagement in diesem Bereich, um Unternehmen wieder mehr Handlungsspielraum zu geben. Gerade für kleine und mittelständische Betriebe ist es entscheidend, dass sie ihre Energie wieder stärker in ihr eigentliches Geschäft investieren können: in gute Produkte, ihre Mitarbeiter und ihre Kunden.