Die Anuga stellte erneut ihre Rolle als wichtiger Treffpunkt der internationalen Lebensmittelbranche unter Beweis. „Das ist die beste Anuga aller Zeiten, denn wir haben viele Einkäufer an unserem Stand in Halle 6 begrüßt“, sagte Ludger Paus, Sales Manager bei der Van-Drie-Tochter Ekro. Auch die Koelnmesse als Ausrichterin der Anuga spart nicht mit Superlativen: Mit mehr als 145.000 Fachbesuchern aus über 190 Nationen – ein Plus von 3,6 Prozent – stellte die Anuga einen neuen Rekord auf. Die Schwerpunkte der Anuga lagen auf pflanzenbasierten Proteinen, gesunder Ernährung sowie Functional Food und Convenience-Lösungen. Die Themen Nachhaltigkeit, Digitalisierung und neue Technologien zogen sich als roter Faden durch alle zehn Fachmessen. Das zeigt: Die Branche lässt sich von den Rahmenbedingungen nicht entmutigen und blickt optimistisch in die Zukunft.
Deutscher Lebensmittelhandel vor Ort
Im Gespräch mit der Lebensmittel Praxis hoben viele der ausstellenden Unternehmen vor allem die hohe Qualität der Fachbesucher, darunter viele Entscheider, hervor. Heiß diskutiert wurde dabei auch das Thema „Zölle und USA“. Vor Ort waren die 20 umsatzstärksten Unternehmen des deutschen Lebensmitteleinzelhandels, darunter Aldi Nord und Süd, die Edeka-Gruppe, Lidl, Metro und Rewe Group vertreten.
In diesem Jahr fiel besonders die Internationalisierung auf. 8.000 Unternehmen aus 110 Ländern machten die Veranstaltung so international wie nie zuvor. Der Auslandsanteil betrug 94 Prozent. Deutsche Aussteller stellen längst eine Minderheit dar. Auf der Messe suchen sie auch den Brückenschlag zu neuen Kunden aus aller Welt. Einer der ausländischen Aussteller war Joris Coenen, der das Belgian Meat Office leitet. „Für die belgischen Fleischlieferanten ist das eine exzellente Gelegenheit, sich einem internationalen Publikum zu präsentieren und gleichzeitig den Puls der Fleischbranche zu spüren.“ Wo Handel, strategisches Denken und Inspiration zusammenkommen, entsteht Raum für eine fundierte Analyse globaler Marktbewegungen. „Und das ist von großem Wert“, betonte der belgische Manager.
Mit mehr als 920 Ausstellern aus aller Welt zog die Anuga Meat zahlreiche Besucher an. In den Hallen 6 und 9 wurde die gesamte Wertschöpfungskette von Frischfleisch bis hin zu Wurstwaren eindrucksvoll präsentiert. Zu den Publikumsmagneten zählten die Schwergewichte der Branche wie Westfleisch, Wiesenhof, Tönnies Lebensmittel, Tyson Foods (USA) und BRF SA (Brasilien). Martin Müller, CEO der Müller-Gruppe, zeigte sich zufrieden mit der Messe: „Dieses Jahr erleben wir einen enormen Zulauf.“ Laut Müller konzentriert sich die Branche zunehmend, die Anzahl der Anbieter sinke.
Andres Ruff, CEO der Heidemark-Gruppe, brachte die Stimmung in der Branche auf den Punkt: „Ich denke, der Fleischbranche geht es insgesamt wieder besser. Es herrscht eine gewisse Aufbruchstimmung, da sich die negative Einstellung gegenüber Fleisch etwas geändert hat.“ Derzeit erlebe die Branche ein starkes Wachstum im Geflügelbereich. Während Schweinefleisch nach Jahren des Rückgangs aktuell stagniere, sei Rindfleisch aufgrund der hohen Nachfrage derzeit teuer. Dr. Gereon Schulze Althoff, CSO und Geschäftsführer der Premium Food Group, ergänzte: „Die Branche steckt seit Jahren in einer Phase der Konsolidierung und sieht sich großen Herausforderungen gegenüber.“ Der Druck komme von allen Seiten. „Wir müssen den Markt und die Endverbraucher neu für uns gewinnen“, lautete sein Ausblick.
Geflügel stand im Mittelpunkt
Dabei stand das Thema „Geflügel“ besonders im Blickpunkt des Interesses. „Die Boomer-Generation konsumierte zwar schon mehr Geflügel, aber die jüngeren Generationen, wie die Millennials und die Generation Alpha, haben einen sehr hohen Geflügelkonsum“, fasste Dr. Ingo Stryck, Leiter des Marketings bei der PHW-Gruppe, zusammen. Der Manager beklagte, dass der Bau neuer Ställe oder die Genehmigung von Umbauten nur sehr schleppend vorangehe, da sich Baurecht und Umweltrecht oft gegenseitig behinderten. Die Bürokratie bleibt ein bedeutendes Wachstumshemmnis. „Es wird immer mehr, obwohl das Gegenteil behauptet wird“, sagte Astrid Schmitz, Geschäftsführerin von GS Schmitz.
Die neue Bundesregierung muss sich Kritik gefallen lassen. Ekkehard Heilemann, Geschäftsführer der EWU Thüringer Wurst & Spezialitäten GmbH, wartet beispielsweise immer noch auf die Einlösung der für den Herbst angekündigten Reformen. Zu zögerlich, zu langsam: Die aktuelle Bundesregierung kommt nicht gut weg bei den Unternehmen. Heilemanns Wunsch an Berlin: „Wir hoffen auf günstigeren Strom, den wir für die Produktion benötigen.“ Auch aus anderen Branchen hagelte es Kritik. „Aktuell sind die Zeichen aus der deutschen und EU-Politik wenig positiv für das Segment der pflanzlichen Optionen. „Wir kämpfen aber nach wie vor mit voller Kraft dafür, dass Hersteller pflanzlicher Alternativen nicht für ihren Einsatz für ein nachhaltigeres Lebensmittelsystem bestraft werden“, sagte Svenja Fritz, Geschäftsführerin von Oatly DACH. Das Unternehmen hat Händler wie Rewe an seiner Seite, wenn es darum geht, die Mehrwertsteuer auf Pflanzendrinks von 19 auf 7 Prozent zu reduzieren.
„Wir brauchen weniger Bürokratie“, sagt Torsten Neumann, Geschäftsführer von Schne-frost und nennt ein Beispiel: „Im Rahmen unserer BRC- und IFS-Zertifizierung werden Prozesse durch externe Auditoren geprüft und zertifiziert. Die Handelszentralen prüfen diesen Prozess dann noch einmal durch selbst initiierte Audits, obwohl das Zertifikat bereits vorliegt. Kunden sind immer willkommen und eine Zertifizierung ist generell richtig, aber sie muss nicht doppelt und dreifach erfolgen. Dies bindet Ressourcen.“
Branche setzt auf das Trendthema Airfryer
Was gab es Neues auf der Anuga? Die Zubereitung im Airfryer setzt in der Tiefkühl- und Convenience-Branche Akzente. „Das bringt frischen Schwung in den Markt“, ist Torsten Neumann, Geschäftsführer von Schne-frost, überzeugt. Das Unternehmen ist mit seinen Marken Schne-frost, Snackmaster, Schwarmstedter und Avita breit aufgestellt. Ab Ende Oktober setzt Snackmaster mit drei neuen Produkten auf den Trend zur Airfryer-Zubereitung – und auf die wachsende Nachfrage nach tiefgekühlten Käse-Snacks. Zielgruppe ist die junge, „snackige“ Generation, für die Geschmack und schnelle Zubereitung zählen. Neu im Sortiment sind die Airfryer Cauliflower Cheese Sticks – eine knusprig panierte Mischung aus Blumenkohl und würzigem Gouda zum Dippen.
Followfood verknüpft Convenience mit gutem Gewissen und Gesundheit miteinander. In der Tiefkühltruhe punktet das Unternehmen mit einer Range für den Airfryer, darunter Fish-Bites in den Sorten Zitrone-Käuter und Wildlachs-Teriyaki. Hinzu kommen Protein-Convenience-Gerichte im Beutel wie Thunfisch-Pasta, Teriyaki-Noodles und Käse-Spätzle. Die Produkte sind reich an Protein und bio-zertifiziert. In den Käsespätzle sorgt Linsenmehl für das Eiweiß. Da egoistische Motive aktuell stärker im Fokus der Verbraucher stünden als Nachhaltigkeit, nutzt der Nachhaltigkeitspionier nun Aspekte rund um eine gesunde Ernährung als „trojanisches Pferd“, erklärt Julius Palm, stellvertretender Geschäftsführer, die Strategie. „Mit diesen Produkten machen wir deutlich, dass es bei Nachhaltigkeit nicht nur um eine lebenswerte Zukunft geht, sondern Menschen auch heute schon davon profitieren können.“
Frostkrone baut Lizenzgeschäft aus
Frostkrone präsentierte ebenfalls mehrere Neuheiten im Bereich Fingerfood und Snacks, die für die Zubereitung im Airfryer geeignet sind. Im Lizenzgeschäft setzt das Unternehmen auf Markenkooperationen: Gemeinsam mit Old Amsterdam bringt Frostkrone ab Oktober neue Cheese Bites auf den Markt. Der verwendete Käse ist etwas fester, wodurch die Bites nach dem Erhitzen keine langen Fäden ziehen und sich gut abbeißen lassen. Eine Messeneuheit waren zudem die Cheesy Loops in den Sorten Cheddar Onion, Cheddar Potato und Cheddar Jalapeño. Die kleinen Käseringe bestehen aus einer Mischung aus Kartoffeln und Cheddar und wiegen jeweils rund 12 Gramm – ausgelegt als handlicher Snack für den schnellen Verzehr. Im süßen Segment ergänzen die Sweet Dreams das Sortiment. Die knusprigen Teigtaschen sind in den Varianten Kirsch, Apfel, Vanille und Schokolade erhältlich. Letztere haben einen weichen Schokoladenkern, der auch nach dem Erhitzen erhalten bleibt.
Escal stellte ein paniertes, für den Airfryer geeignetes Fischsortiment vor, das in Deutschland neu auf den Markt kommt. Und zwar frisch – nicht tiefgekühlt. Für diese Zubereitungsart eignen sich auch die frischen Garnelen-Tapas mit 60 Prozent Garnelenfleisch.
Pilze Niklas setzt weiter auf die tiefgekühlten Pilze, die mit einer Soße ummantelt sind und nur noch erhitzt werden müssen. Bei der Herstellung werden die Pilze in mehreren Durchgängen mit Soße ummantelt und immer wieder runtergekühlt, damit die Soße gleichmäßig aufgetragen ist und nichts festklebt.
Dovgan, Spezialist für osteuropäische Spezialitäten, ist mit rund 700 Artikeln und zahlreichen Marken wie Dovgan Junior, Plombier, Lewandowski und Taschki auf dem Markt. Das Unternehmen will die klassischen Artikel vor allem für die jüngere Generation moderner und gesünder gestalten. Neu sind zum Beispiel die Taschki Fitness Pelmini mit Hähnchenfleischfüllung oder die Taschki Mini Teigtaschen.
Die Anuga als Trendshow
Neuheiten gab es auch im Mopro-Bereich: Wijngaard Kaas, bekannt für seine Marke Reypenaer im Flughafenterminal, will die deutschen Bedientheken erobern. Die Marke Wijngaard Kaas gibt es in den Sorten Trüffel und Explosion als Viertelräder zu je 1,3 Kilogramm. Der Reypenaer soll dagegen exklusiver verkauft werden. „Wir wollen wie Lindt sein – nur eben mit Käse“, merkte Frédérique van den Wijngaard, Geschäftsführerin des Unternehmens, an. Es gibt sie als Duo, Trio und Quartett. Reypenaer ist die exklusive Marke aus dem Hause Wijngaard Kaas und in Deutschland nur bei ausgewählten Händlern erhältlich. Weitere Produktneuheiten setzten auf Pistazien: Diese finden sich in der Creme beim Twisty von Großbäcker DEH. Auch dem Blätterteiggebäck „Millefoglie mit Pistaziencremefüllung“ von Matilde Vicenzi (Importeuer Genuport) geben sie die besondere Note.
Snacking bleibt „in“
Die Volumenartikel Toast und Sandwich brauchen Unterstützung. Der Absatz befindet sich nach dem pandemiegetriebenen Hoch weiterhin in einer Schwächephase. „Als Marktführer sehen wir uns gefordert“, sagt daher Marketingleiterin Katharina Frerichs von Harry-Brot. Der Aspekt Snacking soll noch stärker als bisher betont werden und mehr Verzehranlässe bieten als das reine Frühstücksthema. Neu ist die Sandwich-Variante mit Buttermilch und Schokodrops, die mit diesem Aromenmix neue Geschmackserlebnisse bietet. Aktuell bleibt das Thema Brioche-Teig: In Köln hatten die Schenefelder eine Variante mit Schokodrops am Start. Verbraucher verzehren Sandwiches ungetoastet, sagt Marketingleiterin Frerichs mit Blick auf die Marktforschung – schmelzende Schokodrops werden somit nicht zur Gefahr für heimische Toastgeräte. Poppig-bunte Verpackungen runden das Bild der Range ab.
Grillen geht immer – daher hat Harry-Brot mit den Buns, also den Burger-Brötchen, ein bisschen gespielt, wie Frerichs augenzwinkernd sagt. „Richtig scharf“ sei die Variante Hot Chili geworden: Die Jalapeños-Stücke waren bei internen Verkostungen für den ein oder anderen Kollegen den entscheidenden Tick zu scharf, verrät sie. Die Variante Kartoffel sorgt mit dem Kartoffelflockentopping für Crunch ebenso wie die Sorte „Brioche Protein“ mit Sonnenblumenkernen. Erbsen liefern das zusätzliche Protein. Und eine vegane Brioche-Sorte gibt es auch.
Die Snackrange der Softbrötchen wächst ebenfalls: 2026 gibt es eine Variante mit Dattel – für Frerichs ist diese eine der Trendzutaten im nächsten Jahr. Für „eiweißreich und süß“ steht das „Proteinbrötchen“ mit 21 Prozent Eiweiß und Choviva-Stückchen. Der kakaofreie Schokoladenersatz auf der Basis von Sonnenblumenkernen kommt erstmals bei den Schenefeldern zum Einsatz.
Besuchermagnet Alternativen
Wie umfangreich die Palette an alternativen Proteinquellen ist, darüber konnten sich die Besucher vor allem im Rahmen der neuen Fachmesse Anuga Alternatives machen. Aber auch über die übrigen Messehallen und -Boulevards präsentierten Aussteller aus aller Welt spannende vegetarische oder sogar vegane Produktkonzepte. Neben Tofu war Tempeh (unter anderem von Grashka) als Klassiker der veganen Küche überraschend häufig zu sehen. Auch nimmt das Angebot an pilzbasierten Produkten zu. Einen Sprung nach vorne haben Produktentwickler bei Fischersatz gemacht. Start-ups wie Revo Foods brachten Alternativen zu Lachsfilets und Oktopus mit. Monkeys by the Sea aus den Niederlanden stellte Alternativen zu Thunfisch und Fischsalat vor. Die veganen Fischstäbchen der Marke können bereits preislich mit klassischen mithalten. Die Produkte basieren unter anderem auf Reis- und Erbsenprotein. Alternativen zu Lachs in Scheiben hat Ocean Kiss entwickelt. Die Produkte der Marke kommen ohne Hilfsmittel wie Methylcellulose oder Carrageen aus. Besonders viele Kameras, Influencer und Neugierige schien Juicy Marbles anzulocken. Das junge Unternehmen aus Slowenien strebt mit seinen veganen Filet-Stücken, Braten und Spare Ribs nun stärker in den deutschen Handel und ließ fleißig verkosten.
Novel-Food wartet auf Zulassungen
Unter der Marke „Mushroots“ stellte Infinite Roots Pilz-Hack, -Patties und -Bällchen vor, die sowohl saftig als auch herzhaft im Geschmack sind. Ursprünglich ist das Jungunternehmen angetreten, Produkte auf Basis von Pilzmyzel in den Markt zu bringen. Die Novel-Food-Zulassungen lässt noch auf sich warten. Klassische Champignons bilden die Basis der ersten Produkte. Oatly erweitert seine Range der Milchalternativen um die neue Variante Baristamatic, die mit neuer Technologie hergestellt wird. „Das Produkt eignet sich für die verschiedensten Kaffeevollautomaten, da es zu keiner Sedimentation kommt. Damit möchten wir Café-Ketten, Tankstellen und andere gastronomische Betriebe überzeugen“, erklärt Deutschland-Geschäftsführerin Svenja Fritz und kündigt an, das Produkt könnte im nächsten Schritt auch für den Lebensmitteleinzelhandel kommen.