Vom Besprechungsraum des AVO-Werks August Beisse in Belm bei Osnabrück aus ist ein großer Kran zu sehen. Das Bauareal ist abgesperrt, und bereits aus der Ferne ist Baulärm zu hören. Seit Anfang dieses Jahres finden auf dem Gelände der AVO umfangreiche Bauarbeiten statt. Der Gewürzhersteller erweitert seinen Produktionsbereich erheblich. Das Unternehmen baut an das bestehende Werk an. „Ziel der Baumaßnahmen ist es, die Kapazitäten zu erhöhen. Konkret geht es um die Produktion von Trockenprodukten wie Gewürzmischungen“, sagt Guido Maßmann, bis zum 31. Juli Geschäftsführer Vertrieb und Marketing und nunmehr Privatier. „In den letzten Jahren ist das Unternehmen mengenmäßig stark gewachsen. Durch den Ausbau schafft es nun zusätzliche Kapazitäten“, berichtet Maßmann.
Bis Herbst 2026 entsteht auf dem Werksgelände ein neuer Gebäudeteil in der Größe des bereits vorhandenen Trockenwerks. Dadurch verdoppeln sich die Produktionskapazitäten des Unternehmens. In der Trockenproduktion werden sowohl Gewürzmischungen zum Verkauf als auch Vormischungen für flüssige Produkte wie Marinaden und Saucen hergestellt. Ein neues Kleinkomponentenlager, in dem die einzelnen Zutaten für die Gewürzmischungen vorgehalten werden, verdreifacht die Zahl der Lagerplätze nahezu. Zudem installiert das Unternehmen einen weiteren 10.000-Liter-Mischer in der Anlagentechnik. Somit kann die Produktion mit Gewürzen und Zusatzstoffen besser versorgt werden.
„Insgesamt investieren wir 12 Millionen Euro in dieses Projekt. In den nächsten drei Jahren planen wir, insgesamt 30 Millionen Euro in Neubeschaffungen und Erweiterungen zu investieren“, sagt Guido Maßmann. In Zukunft stehen also noch einige Bau- und Maschinenerweiterungen an. Die Inbetriebnahme ist bis 2026 geplant.
Unter Maßmanns Leitung standen Investitionen bei dem Unternehmen immer auf der Agenda. Auf dem Gelände stand stets ein Kran, und das Unternehmen erneuerte oder erweiterte ständig etwas: „Solange ich zurückdenken kann, wurde hier immer investiert.“ Da der Markt für Gewürze in allen Bereichen wächst, erweitert das Unternehmen seine Kapazitäten kontinuierlich: „Unser Maschinenpark ist auf einem sehr hohen Niveau und mit modernster Technik ausgestattet. Das ermöglicht es uns, große Mengen effizient zu produzieren. Das ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Erfolgs.“
Das Werk platzt aus allen Nähten
Maßmann zufolge ist das Unternehmen mittlerweile einer der größten Anbieter von Verarbeitungsgewürzen in Deutschland und Europa, gemessen an der Produktionsmenge. Produktionstechnisch platzt das Werk aus allen Nähten. Während der 32 Jahre, in denen Maßmann dem Betrieb angehörte, hat sich einiges verändert.
Während seiner Zeit als Geschäftsführer entwickelten sich die AVO-Werke rasant. Als er im Belmer Unternehmen anfing, lag der Absatz bei 7.000 Tonnen; inzwischen sind es 52.000 Tonnen. Das Sortiment wuchs von 3.000 auf 8.000 Artikel, davon sind 5.000 speziell auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten. „Wir verstehen uns als modernes Gewürzwerk, das weltweit Rohstoffe einkauft, diese hier reinigt, vermahlt und zu Mischungen verarbeitet. Etwa 50 Prozent unserer Produktion sind trockene Gewürze, 50 Prozent flüssige Gewürze, hauptsächlich Marinaden“, führt Maßmann aus.
Den Aufstieg des Unternehmens hat Maßmann als Geschäftsführer maßgeblich gestaltet. „Wir sind enorm gewachsen. Früher waren wir eher unbekannt, besonders außerhalb des Fleischerhandwerks“, sagt Maßmann. Doch der Markt hat sich gewandelt. Aus einem kleinen Betrieb, der in kleinen Mengen produzierte, ist ein großes Unternehmen geworden, das heute die gesamte Lebensmittelindustrie, insbesondere die Fleischwarenindustrie, beliefert. Zu den Kunden zählen Unternehmen aus dem Lebensmittelhandwerk, der Lebensmittelindustrie und dem Lebensmittelhandel.
2024 war ein Rekordjahr
Ausgehend von den Wurzeln im Fleisch- und Wurstbereich hat AVO weitere Geschäftsfelder erschlossen. Dazu zählen Fisch, Geflügel, Molkereiprodukte sowie alternative Proteine. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen 3.000 Tonnen mehr produziert als im Jahr zuvor. Laut Maßmann war es das beste Jahr in der Geschichte des Unternehmens. Als Partner von inzwischen 12.000 Kunden aus den Bereichen Lebensmittelhandwerk, Industrie und Lebensmittelhandel setzt AVO auf neue Trends. Das Unternehmen bietet unter anderem Gewürzmischungen, Marinaden, Flüssigwürzungen und Bio-Gewürze an. Neben Fleisch- und Wurstwaren gewinnen laut Maßmann auch vegetarische und vegane Produkte sowie alternative Proteine zunehmend an Bedeutung: „Unser Ziel ist, modern zu sein und es zu bleiben.“
Guido Maßmann begann 1993 seine Karriere als Verkaufsleiter bei der AVO. Er stieg schnell auf. Zunächst wurde er nationaler Verkaufsleiter und mit 31 Jahren in die operative Führung von AVO berufen. Über 25 Jahre lang war er gemeinsam mit Bernhard Loch Geschäftsführer, bis dieser in den Ruhestand ging. Seit 2023 leitete Maßmann das Unternehmen gemeinsam mit Marc Neuschl.
Seit dem 1. August ist Guido Maßmann Privatier: „Es war keine spontane Entscheidung für mich. Bereits im Januar 2024 habe ich beschlossen, diesen Schritt zu gehen.“ Guido Maßmann betont, dass seine Nachfolge an einen externen Kandidaten fallen wird. Die Entscheidung über die Neubesetzung ist noch nicht gefallen. „Das Unternehmen sucht jemanden, der strategisch denkt und die Richtung in Bereichen wie Vertrieb, Marketing und Markt mitbestimmt.“
Drei Fragen an …
Guido Maßmann, Geschäftsführer Marketing bei AVO bis Juli 2025
Was würden Sie sich vom Staat wünschen?
Wenn wir überhaupt Unterstützung benötigen, dann ist es die Entbürokratisierung. Bisher sehe ich von der Regierung nur leere Versprechungen. Es ist absolut nichts davon zu spüren, in keiner Weise. Ich sehe auch keinerlei Ansätze.
Was wäre der zweite Wunsch?
Ein weiterer Wunsch an die Regierung wäre eine Energiepolitik, die die deutsche Industrie wieder wettbewerbsfähig macht – sowohl in Europa als auch weltweit.
Wie werden Sie Ihr Privatleben nach Ihrem Ausscheiden bei AVO gestalten?
Ich möchte viel reisen. Bisher habe ich schon viele Orte auf der Erde besucht, darunter Australien und Neuseeland. Nun möchte ich mich mehr mit Kultur beschäftigen, Menschen kennenlernen und mich möglicherweise politisch engagieren. Langeweile ist für mich ein Fremdwort.
