Markt im Umbruch So läuft das Geschäft mit Büchern im Lebensmittelhandel

Hintergrund

Nach dem Abgang des langjährigen Marktführers Buchpartner wurden die Karten bei den Buch-Rackjobbern inzwischen neu gemischt. Das Ergänzungssortiment erhält jetzt ein neues Profil.

Donnerstag, 22. Mai 2025, 07:40 Uhr
Rolf Schlipköter
Bildquelle: Lebensmittel Praxis

Im Vergleich zu den aktuell rund 1,1 Milliarden Umsatz mit Presseprodukten im Lebensmittelhandel ist der Umsatz der zweiten Printwarengruppe im Nonfood-Geschäft eher überschaubar. Auf 136 Millionen Euro bezifferten GfK Yougov die Ausgaben für Bücher im Lebensmittelhandel inklusive Drogerien im Jahr 2023. Tendenz seit einem „Corona-Peak“ 2021 fallend. Trotzdem kann und will der Lebensmittelhandel auf dieses Profilierungssortiment nicht verzichten.

Nachdem der langjährige Rackjobbing-Marktführer Buchpartner in den zurückliegenden Jahren wichtige Handelspartner wie Edeka-Regionen und die kompletten Rewe-Sortimentsflächen an Thalia Retail Concepts verloren hat, sortiert sich die Anbieterseite neu. Für Alpha Trading So-lution bleibt vom 2024 übernommenen Buchpartner-Geschäft derzeit nicht mehr als Kaufland und Interspar Österreich übrig.

Margensicheres Geschäft

Dem Handel liefert das endlich wieder Impulse, bessere Qualität sowie schnellere Warenversorgung bei Aktionen und für Sortimentsflächen, heißt es aus dem Markt. Für Buchangebote spricht aus Sicht des Handels das wegen der Buchpreisbindung margensichere und aufgrund des zumeist vereinbarten Rückgaberechts auch risikolose Geschäft. Aber: Die Flächenbetreuung durch Rackjobber und die Drehzahl der Titel durch eine gute Angebotsauswahl bleiben die Erfolgsfaktoren. Bei nur noch 4.500 Buchhandlungen im Land hat der Lebensmitteleinzelhandel die Funktion eines Nahversorgers für Krimi- und Schmöker-Bestseller plus Kinder- sowie Sachbücher übernommen.

Nicht immer läuft alles glatt, wenn zentralseitig Rackjobber kurzfristig ausgetauscht werden. Das mussten zuletzt zahlreiche Rewe-Kaufleute erleben. In nur vier Monaten gingen rund 1.700 Standorte in die Betreuung von Thalia Retail Concepts über – inklusive eines kompletten Wechsels der Alt- gegen Neuware.

Einer von ihnen ist der selbststän­dige Kaufmann Alexander Bell aus Blankenheim in der Eifel, der auf seinen 2.200 Quadratmetern Handelsfläche ein festes Buchsortiment von vier Regalachsen plus eigenständig eingekaufter Eifel-Krimis führt. Nach anfänglichen Versorgungsengpässen mit teilweise leeren Bestseller-Fächern ist er inzwischen von der Qualität des neuen Buchlieferanten Thalia überzeugt und spart nicht mit Lob zu Systemleistungen und Titelauswahl. Dank der schnellen und präzisen Nachbelieferung auf Basis von Scannerdaten der Abverkäufe laufe die Warenversorgung wieder rund, wie er im Gespräch mit der Lebensmittel Praxis betont. Seine Flächenumsätze konnten deutlich gesteigert werden, der monatliche Sellerwechsel durch das Thalia-Servicepersonal funktio­niere mittlerweile reibungslos.

Die wichtigen Publikumsverlage zeigen sich ebenfalls zufrieden mit den Veränderungen aufseiten der Buchdienstleister. Für sie bleiben die Lebensmittelhändler ein geschätztes Schaufenster. Ullstein-Geschäftsfüh­rer Urban van Melis sagt dazu: „Die Entwicklung der Ullstein-Buchverlage im Lebensmitteleinzelhandel ist positiv, aber bislang immer noch stark vom Bestsellergeschäft getrieben. Je professioneller die Buchabteilungen und -regale sind, sowohl vom Inhalt als auch bei der Gestaltung und Ordnung, umso besser können dort Bücher verkauft werden. Auch Longseller, die konstant hohe Abverkäufe generieren, dabei aber oft nicht mehr auf den Bestsellerlisten auftauchen, funktionieren auf den Flächen sehr gut. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Buchregale nicht wie ungepflegte Resterampen aussehen.“

Wichtiger Absatzkanal

Joachim Kaufmann, Geschäftsführer beim Kinderbuch Verlag Carlsen, teilt mit: „Wir sind im Lebensmitteleinzelhandel sehr stark gewachsen, sowohl im Aktionsgeschäft als auch bei Direktumsätzen wie Pixi-Platzierungen – aber eben auch durch die Zusammenarbeit mit den Rackjobbern. Als klarer Marktführer im wichtigen Bereich Kinderbuch hat dieser Absatzkanal für uns eine große strategische Bedeutung, weil viele Eltern und Kinder bei ihren Einkäufen auf Bücher stoßen, die sie sonst nicht kaufen würden.“ Wachstumspotenziale sieht er neben dem Aktionsgeschäft vor allem durch Platzierungen des Impulsartikels Pixi in der Schütte, als Regalhänger oder als Kassenplatzierung.

Die Angebotskonzepte der vier großen Buchdienstleister unterscheiden sich deutlich voneinander. Thalia Retail Concepts als Marktführer und Hauptlieferant der Rewe bewirtschaf­tet nach eigenen Angaben inzwischen rund 4.000 Handelsflächen perma­nent mit Sortimentsware sowie bis zu 1.500 aktionistisch. Dazu liefert er einen modularen Sortimentsaufbau der Bücher bis hin zu kompletten Buchabteilungen sowie zusätzlichen Warenwelten wie Merchandising- und Lizenzprodukten. Das Unternehmen bietet zudem eine automatische Nachdisposition über die Kassendatenanbindung seiner Handelspartner ebenso wie umfangreiche Service-Dienstleistungen.

Die derzeitige Nummer zwei im Rackjobbing, Burkart aus Nürnberg, beschickt aufgrund des hohen Aktionsanteils im Buchgeschäft bei Kaufland sowie den Discountern Penny, Norma und Netto mehr als 8.000 Flächen. Die Franken punkten im Handel mit ihrer langjährigen Aktionsexpertise und einem klaren, auf schnelldrehende Top-Seller fokussierten Kleinflächenkonzept für Buchsortimente zwischen ein und maximal sechs Regalachsen.

Als momentan besonders rege im Anbieterkreis der Rackjobber gilt der Hugendubel-Buchvertrieb aus München. Das Unternehmen setzt ähnlich wie Thalia auf qualifizierte modulare Buchsortimentsangebote, die von Kleinflächen bis zu ganzen Buchabteilungen vielfältige Möglichkeiten bieten – Zusatzsortimente und Aktionsware inklusive. Hugendubel beliefert nach eigenen Angaben inzwischen rund 3.500 Standorte, darunter Edeka-Regionen.

Der Vierte im Bunde, Alpha Trading Solutions, will sowohl mit Büchern als auch mit Entertainment-Flächenkonzepten überzeugen – wo möglich und handelsseitig gewünscht, wie derzeit vor allem bei Kaufland, in einer Kombination beider Warengruppen. Es gibt also wieder reichlich Auswahl bei geeigneten Angebotspartnern für Bücher als Handelsware im LEH. Der Service der Rackjobber macht den Unterschied.