Nikotinprodukte „Deutschland verhindert Alternativen zur Zigarette“

Philip Morris will orale Nikotinprodukte wie Tabakbeutel auch in Deutschland salonfähig machen.

Mittwoch, 30. Oktober 2024, 08:00 Uhr
Tobias Dünnebacke
Torsten Albig, Geschäftsführer External Affairs bei Philip Morris Deutschland. Bildquelle: Philip Morris

Beim Besuch des Messestandes von Philip Morris auf der diesjährigen Intertabac fällt auf, dass Fabrikzigaretten wie Marlboro beim Auftritt kaum noch eine Rolle spielen. Aus gutem Grund: Sowohl der jetzige Chef des weltweiten Marktführers, Jacek Olczak, als auch sein Vorgänger André Calantzopoulos haben in Interviews immer wieder betont, an einer Welt ohne Zigaretten zu arbeiten. „Je früher das passiert, desto besser“, zitiert der britische Telegraph den Polen Olczak.

So stehen auch der Tabakerhitzer Iqos und die E-Zigarette Veev bei der diesjährigen Intertabac in Dortmund im Fokus. Relativ neu in Deutschland ist das Interesse des Konzerns an oralen Nikotinprodukten. Darunter versteht man rauchlose Tabak- und Nikotinbeutel, die für den Konsum unter die Oberlippe gelegt werden. Tabakhaltige orale Produkte, sogenannter Snus, dürfen nach derzeitigem Stand in Deutschland nicht verkauft werden. Tabakfreie Nikotinbeutel sind hierzulande nicht im Tabakrecht reguliert, wurden aber von verschiedenen Gerichten als nicht verkehrsfähig klassifiziert. 2021 gab es zwar einen Beschluss der Verbraucherschutzministerkonferenz, dass Nikotinbeutel im Tabakrecht zu regeln seien. Dies wurde bis heute nicht umgesetzt. Ganz zum Ärger von Philip Morris. Der Konzern setzt große Hoffnung in die Kategorie. Grund dafür ist die Entwicklung in Amerika. „Das Beispiel USA zeigt sehr gut, wie durch den richtigen Regulierungsrahmen neben sinkenden Raucherquoten auch positive wirtschaftliche Effekte entstehen“, erklärt Torsten Albig, Geschäftsführer External Affairs bei Philip Morris Deutschland.

Die Nikotinbeutel „ZYN“ von Swedish Match, einer Tochter von Philip Morris International, sind in den USA seit mehr als einem Jahrzehnt erhältlich. Zeitgleich gingen dort in den letzten Jahren auch die Raucherzahlen deutlich zurück. Laut neuer Zahlen des Centers for Disease Control and Prevention (CDC) waren im Jahr 2022 nur noch 11 Prozent der erwachsenen Amerikaner Zigarettenraucher. Im Jahr 2005 waren es noch mehr als 20 Prozent gewesen. Albig sieht einen Zusammenhang zwischen dem größeren Angebot an rauchlosen Nikotinprodukten und sinkender Raucherquote. „Die deutsche Politik verhindert seit Jahren, dass Nikotinbeutel erwachsenen Rauchern als schadstoffreduzierte Alternative zur Verfügung stehen“, so Albig. Bis der Verkauf rechtlich geregelt sei, könne Swedish Match seine in vielen Ländern erfolgreiche Marken nicht im deutschen Handel anbieten.

Zur Person

Torsten Albig war von 2012 bis 2017 Ministerpräsident in Schleswig-Holstein. Nach der verlorenen Landtagswahl 2017 zog er sich aus der Politik zurück. Seit 2023 arbeitet er für den Tabakkonzern Philip Morris in Deutschland.