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Verpackung Heilsbringer Biokunststoff?

Tobias Dünnebacke | 07. Oktober 2011

Es ist eines der heißesten Themen in der Branche: Der Einsatz von Verpackungsmaterial aus nachwachsenden Rohstoffen . Aber wie sinnvoll ist der Einsatz von PLA und Co. wirklich?

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PRO


Dieses Jahrhundert wird ein grünes Jahrhundert. Wehe uns, wenn es nicht gelingt! Fossiles Wirtschaften bedeutet: Gefahr fürs Klima und für die Stabilität unserer Gesellschaften. Es ist völlig alternativlos: Wir müssen weg vom Öl und kohlenstoffarmen Konsum mit erneuerbaren Ressourcen erreichen. Das kostet viel Geld. Keineswegs wird alles problemlos verlaufen. Pioniere wie Coca-Cola, Danone oder Birkel setzen auf „Innovation mit Biokunststoff", im Wissen, dass diese Investition nötig ist, um die Entwicklung voranzutreiben. Am Anfang sind die Verpackungen teurer, teilweise haben sie technische Schwächen, und auch das ökologische Profil ist nicht perfekt. Oft vergleicht man dabei die Krabbelstube der Biokunststoffe mit dem Seniorenheim der Erdölpolymere. Hier ein wildes Toben und Probieren, dort ist alles ausgereift – und erschöpft. Den Biokunststoffen ist noch vieles beizubringen, keine Frage. Aber sie sind heute meistens schon besser bei Klimagasred uktion und Einsparung fossiler Ressourcen. Bio-PET und Bio-PE profitieren von bereits entwickelter Recyclingstruktur, PLA muss erst noch „Menge machen". Natürlich ist es möglich, bei der Herstellung auf Zucker zu verzichten und Bioabfälle oder Holz zu nutzen. Aber das ist Schritt zwei – einer für Fortgeschrittene. Niemand erreicht das Ziel, solange man sich nicht auf den Weg begibt. Also anpacken und mitmachen, bitte. So wird es gelingen.

Dr. Harald Käb hat 1997 die Beratungsfirma narocon gegründet und sitzt im Vorstand von European Bioplastics.

CONTRA


Schrumpfende und immer teurere fossile Rohstoffe befeuern nicht nur die Hinwendung zu erneuerbaren Energien, sondern bringen auch nachwachsende Ressourcen als Chemierohstoff der Zukunft etwa für Verpackungen ins Spiel. Verpackungen aus „Biokunststoff" sind jedoch nicht per se umweltfreundlicher. Biomasse ist zwar ein „nachwachsender Rohstoff", aber eben auch ein endlicher. Denn nachwachsende Rohstoffe für die stoffliche Nutzung brauchen Flächen, die in Konkurrenz zur Nahrungsmittelherstellung, aber auch zur energetischen Nutzung stehen. Der Einsatz von Biomasse als Chemierohstoff, Energielieferant, Nahrungs- und Futtermittel verschärft die Nutzungskonkurrenzen und bedroht durch Flächenausweitung die Artenvielfalt. Für ihre Gewinnung werden durch intensive Landwirtschaft große Mengen an Pestiziden, Herbiziden und Düngemitteln freigesetzt. Schließlich ist zu berücksichtigen, dass für die Herstellung von Biokunststoffen ebenfalls Energie benötigt wi rd. Klimaneutral sind deshalb auch sie nicht. Deshalb sollte die Einführung von Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen an klare Kriterien zur Minimierung der Umweltauswirkungen gekoppelt sein. Dazu gehören ein funktionierendes Recycling und deutliche Umweltvorteile in der Gesamtbetrachtung. Genau diese Kriterien erfüllt der aktuell von Danone als Öko-Innovation eingeführte Activia-Becher aus Mais nicht. Er beweist einmal mehr: Nicht alles ist grün, was sich grün gibt.

Thomas Fischer ist Dipl. Umweltwissenschaftler und Projektmanager Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe in Berlin.

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