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Süße Brotaufstriche Der richtige Mix

| 23. September 2011

Handelsmarken setzen die etablierten Marken unter Druck . Also werden die Hersteller kreativ und mixen, was die Früchte zulassen. Die Preise steigen trotzdem.

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Von Apfel-Quitten-Marmelade bis Zwetschgenkonfitüre – die Lust der Konsumenten auf süße Brotaufstriche zum Frühstück ist ungebremst. Das beweist nicht nur die Vielfalt der Früchtchen, die die Hersteller ins Glas bringen, sondern das zeigen auch die Absatz- und Umsatzzahlen der SymphonyIRI-Marktforscher. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres setzte der Lebensmittelhandel (Fläche ab 200 qm) mit den süßen Aufstrichen 460 Mrd. Euro um. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 437 Mrd. Euro. Auch die abgesetzte Menge stieg im Vergleich zu den Vorjahresmonaten und zwar von 123 t auf 129 t. Vergleicht man die Gesamtjahre 2009 und 2010, konnten besonders die Handelsmarken zulegen: Laut Sabine Benden, Marketingleiterin bei Zentis, allein bei Normalkonfitüre zweistellig beim Umsatz (+12,6 Prozent) wie auch beim Absatz (+12,4 Prozent). Und auch im Januar und Februar dieses Jahres hätten die Handelsmarken zweistellige Wachstumsraten gegenüber dem Vorjahr v erzeichnet. Eine anhaltend positive Entwicklung, wie sie konstatiert. Trotzdem sieht sie diese Entwicklung gelassen – wie auch Sebastian Schaeffer, Geschäftsführer Vertrieb bei Schwartau: „Der Verbraucher vertraut auf seine bewährte Marke, zum anderen ist er neugierig und auf der Suche nach Abwechslung. Er probiert gern neue Varianten aus.“ Und hier liegt eines der Potenziale gerade für die Markenhersteller. Denn weil Erdbeerkonfitüre und Pflaumenmus bereits von Verbrauchermarkt bis Discounter in den Regalen stehen, werden die Hersteller kreativ und entdecken heimische, schon fast vergessene Früchte wieder: Quitte, Sanddorn und Holunder. Andreas Heinz, Verkaufsleiter LEH bei Grafschafter: „Noch vor einigen Jahren hätte kein Verbraucher Holunder nachgefragt. Heute erlebt er wieder eine Renaissance.“ Und es wird gemixt, was auch immer der Geschmack zulässt.

Doch Konfitüre ist nicht gleich Konfitüre. „Aktuell bemerken wir einen Trend hin zu Premiumprodukten mit hohen Fruchtanteilen beziehungsweise hin zu fein passierten Konsistenzen“, sagt Martin Darbo, Vorstandsvorsitzender der A. Darbo AG . „Konfitüre ohne Kerne und ohne Stücke liegt im Trend - und wächst“, bestätigt Sebastian Schaeffer, Geschäftsführer Vertrieb bei Schwartau. Eine Einschätzung, die Sabine Benden, Marketingleiterin bei Zentis, in etwa teilt. Sie verweist jedoch zudem darauf, dass die Produkte eine ausgewogene Süße und bedarfsgerechte Größen haben müssten. Neben einem hohen Fruchtanteil ist natürlich der Verzicht auf Kristallzucker ein Verkaufsargument. Hinzu kommt auch: Wie andere Produkte will der Konsument auch die Konfitüren und Marmeladen ohne künstliche oder natürliche Aromen und sonstige Zusätze. „Ein fruchtiger Geschmack soll auch wirklich aus Früchten und nicht aus dem Labor kommen“, so Heinz.

Klaus Hammelbacher, Geschäftsführer von Maintal, verweist darauf, dass Regionalität immer mehr gefragt werde. Und das geht ja nun wunderbar mit der Wiederentdeckung heimischer Früchte einher. „Als bayerischer Konfitürenhersteller werden wir das Thema Regionalität und Nachhaltigkeit an die bayerischen Konfitürenregale herantragen.“ Mit bayrischen Früchten nämlich.

Doch aller Experimentierfreudigkeit der Hersteller zum Trotz: Marmeladen & Co. werden teurer, explodierende Zuckerpreise und Ernteausfälle zeigen Wirkung. Alle von der Lebensmittel Praxis befragten Hersteller halten Preiserhöhungen für unumgänglich. „Unser Vertriebspartner Wilms hat in Deutschland schon vor einigen Wochen eine Preiserhöhung an den Handel kommuniziert und ist derzeit mit der Umsetzung beschäftigt“, sagt etwa Darbo.