Abendbrot Bedeutung bleibt bestehen

Es ist ein schönes Ritual: Zum Ausklang des Tages gibt es Abendbrot mit Wurst und Schinken. Trotz neuer Eßgewohnheiten hat das abendliche Essen nichts von seiner Anziehungskraft verloren.

Sonntag, 15. Januar 2023 - Sortimente
Jens Hertling
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Für 72 Prozent der deutschen Wurstesser sind Wurst und Schinken traditioneller Bestandteil ihres Abendbrots. Das ergeben aktuelle Zahlen einer repräsentativen Studie des Marktforschungsunternehmens Kantar im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Wurst- & Schinkenproduzenten e. V. (BVWS). Dass das Abendbrot weiter im Trend liegt, bestätigt auch Jens Lönneker, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Rheingold Salon: „Trotz der Zunahme von Homeoffice-Zeiten ist das Abendbrot unseren Erkenntnissen nach in den meisten Haushalten die zentrale Mahlzeit. Dies liegt auch daran, dass über das Abendbrot der Übergang vom Alltag in den Feierabend gestaltet wird. Das Abendbrot hat dadurch auch eine wichtige soziale und psychologische Funktion.“ Dr. Ingmar Ingold, Geschäftsführer des Wurst- und Schinkenspezialisten Wiltmann: „Das Abendbrot verbindet als wichtigste Familienmahlzeit der Deutschen. Es ist das Lagerfeuer unter den Mahlzeiten.“ Stephan Holst, Bereichsleitung Marketing beim Hersteller Bell Deutschland, ergänzt: „Als Möglichkeit einer gemeinsamen Mahlzeit erhält das Abendbrot ein unverändert hohes Gewicht in der täglichen Speisenfolge. Aber die Zahl der Haushalte, die sparen müssen, ist gestiegen. Insofern muss man ein differenziertes Angebot vorhalten.“ Sebastian Kühn, Geschäftsführer der Eberswalder Wurst GmbH, bestätigt, dass „die Krise ganz offensichtlich den Trend zur Kaufzurückhaltung bei Wurstprodukten verstärkt. Dennoch gibt es die Tradition des gedeckten Abendbrottischs – und da performen Würstchen, Salami und Aufschnitt nach wie vor.“ Ingmar Ingold: „Gespart wird mehr bei größeren Anschaffungen oder Unternehmungen, weniger bei den Komponenten des Abendbrots. Es geht hier auch um die kleinen Freuden des Alltags.“ Ingmar Fritz Rauch, Geschäftsführer R&S Vertriebs GmbH, stellt fest, dass die Nachfrage insgesamt bei der Überschreitung bestimmter Preisschwellen sinkt. „Die Verlagerung in das Aktionsgeschäft ist deutlich spürbar. Dadurch können wir glücklicherweise die verloren gegangenen Mengen größtenteils wieder auffangen.“ Als Reaktion bietet die Vertriebs GmbH vermehrt Aktionen für den Handel an. Darüber hinaus wird an der Rückkehr eines Verkostungskonzepts für die Produkte gearbeitet: „Für die Artikel, die wir vertreiben, ist der persönliche Kontakt mit den Verbrauchern essenziell. Die meisten Produkte verdienen eine Erläuterung. Außerdem ist guter Geschmack fast immer überzeugend und ein echtes Verkaufsargument. Denn wer einmal unsere Spezialitäten probiert hat, greift immer wieder zu.“

Krise: Motor für Kreativität
Trendforscher Jens Lönneker sieht auch in der Krise eine Chance: „Die Krise ist auch Motor für die Kreativität: Wir sehen jetzt viele Rezeptvorschläge, die ein gesundes und zugleich kostengünstiges Abendbrot ermöglichen. Die Hersteller arbeiten an neuen Produkten, die diese Kriterien bedienen. Wir werden hier sicherlich bald noch mehr Neuprodukte im Markt sehen.“ Sebastian Kühn sieht einen Trend zu „ready2eat – Menüs mit Frischecharakter“. Ingmar Ingold hat festgestellt, dass die Trends der vergangenen Jahre nach wie vor da sind, „sie werden – wenn überhaupt – nur leicht abgeschwächt“. Er ergänzt: „Der Konsum wird bewusster und anspruchsvoller: Es werden frische und hochwertige Produkte mit hohem Convenience-Faktor gesucht, bei denen so wenig Zusatzstoffe wie möglich eingesetzt werden. Für wichtige Käufergruppen spielt zudem Bio eine immer größere Rolle.“ Ingmar Fritz Rauch hat beobachtet, dass sich Wurst-Aufstriche einer immer größer werdenden Beliebtheit bei Verbrauchern erfreuen. Dazu zählen laut Rauch Leberpasteten in 80-Gramm-Packungen in den Varianten Kiwi, Preiselbeere und Trüffel.

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