Vegetarische und vegane Produkte Das absolute Muss

Vegetarische und vegane Produkte sind aus dem Angebot der Vollsortimenter nicht mehr wegzudenken. Der Handel hat das längst erkannt und ist derzeit besonders mit Handels- und Eigenmarken sehr erfolgreich. Pflanzendrinks sind die aktuellen Wachstumstreiber.

Dienstag, 28. Juni 2022 - Sortimente
Silke Wartenberg
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Bildquelle: Mirco Moskopp

Die Hauptgründe, weniger Fleisch essen zu wollen oder darauf zu verzichten, sind im Jahr 2022 mittlerweile generationsübergreifend bekannt: aus Nachhaltigkeits-, Umwelt- und Tierschutzgründen, so Jaqueline Elbracht, Teamleiterin Produktmanagement bei Davert, dem Bio-Hersteller der ersten Stunde gegenüber der LP. In den letzten fünf Jahren hat sich die Anzahl an vegetarisch lebenden Menschen in Deutschland von 5,29 Millionen auf 7,5 Millionen erhöht. Für den Veganismus haben sich 2016 rund 0,8 Millionen Menschen entschieden, im Jahr 2021 sind es mit 1,4 Millionen bereits fast doppelt so viele. Doch das ist nicht die größte Zielgruppe, die das Marktvolumen nach oben treibt: Laut Proveg International leben in Deutschland mehr als die Hälfte der Menschen flexitarisch und versuchen bewusst, ihren Fleischkonsum zu reduzieren. Das heißt, dass das Marktpotenzial heute so groß ist wie noch nie zuvor.

Es gibt also keinen Zweifel daran, dass es sich lohnt, den Markt im Blick zu behalten und auf die Kundenwünsche zu reagieren. Übrigens richtet sich die Werbung laut Marktforschungsinstitut Nielsen bevorzugt an Frauen und junge Menschen, da diese immer häufiger zu pflanzlichen Alternativen für tierische Produkte greifen.

Der Handel ist gut aufgestellt
Während es in vielen Filialen eigene Regale für die Produkte gibt, sind sie manchmal auch in den entsprechenden Produktsortimenten zu finden. Grundsätzlich ist zu beobachten, dass vegetarische und vegane Produkte inzwischen ein Muss für jeden Händler sind. „Im Lebensmitteleinzelhandel sind Edeka und Rewe die wichtigsten Zugpferde für vegane Lebensmittel. „Das Corona-Jahr 2020 war der Booster für vegane Produkte“, sagt Sandra Spremberg, Marketing Direktorin DACH der Allos Hof-Manufaktur. So sei laut IRI Shopper Studie mittlerweile für 14,4 Prozent der Verbraucher „vegan“ eine sehr wichtige Produkteigenschaft. Im Vergleich der Jahre 2019 und 2020 wuchs demnach das Segment der vegetarischen Wurst auf Brot, darunter auch Tartex, um 67 Prozent. Die Milchalternativen wuchsen um 43 Prozent, Hart- und Schnittkäse um 91 Prozent, dicht gefolgt von der Tafelschokolade mit 89 Prozent.

„Vegane Artikel gehören sicherlich zu den Trendlebensmitteln mit dem stärksten Zuwachs im vergangenen Jahr und dem weiterhin höchsten Wachstumspotenzial in diesem Jahr, sagt Rewe-Pressesprecher Thomas Bonrath gegenüber der LP. Es gehöre zur Unternehmensstrategie, den dynamisch wachsenden Trend veganer Ernährung konsequent zu begleiten und den Kunden eine große Auswahl in allen Sortimentsbereichen zu bieten. Heißt: Das Sortiment werde sukzessive weiter ausgebaut, sowohl im Marken- als auch im Eigenmarkenbereich. Dazu gehören Rewe Bio + vegan, Rewe Beste Wahl, Rewe to go und Today Care Nature.

Vegan ist klimafreundlich
Außerdem möchte Rewe durch sein Sortiment auch in Sachen Nachhaltigkeit punkten. „Die Förderung der veganen Ernährung ist daher für uns ein wichtiger Bestandteil für den Tier-, Umwelt- und Klimaschutz“, erklärt Bonrath. Zudem biete man etablierten und neuen Marken eine Plattform, um innovative vegane Produkte zu vertreiben.

Die stärksten Kategorien in den Rewe-Filialen waren bisher klassische Fleisch- und Wurstersatzprodukte sowie pflanzliche Joghurt- und Milch-Alternativen. Letztere sind nach Aussage des Pressesprechers nach wie vor Wachstumstreiber.

Zunehmend kommen jetzt Fischalternativen und pflanzlicher Ei-Ersatz hinzu. Auch zählen zum Beispiel die Rewe Bio + vegan Hafer- und Mandel-Drinks sowie die Falafelbällchen zu den umsatzstärksten veganen Eigenmarkenprodukten. Mit veganen Sortimentsbausteinen und Blockplatzierungen innerhalb der Warengruppen soll in den Rewe-Märkten die Sichtbarkeit und Auffindbarkeit der veganen Artikel für die Kunden erhöht werden. 

Auch die Discounter haben das Wachstumssortiment längst entdeckt. „Bei Aldi Süd gibt es über das Jahr verteilt über 600 als vegan gekennzeichnete Produktsorten. Gezählt wurden mit dem V-Label vegan oder der Veganblume gekennzeichnete Produktsorten im Standard-, Aktions- und Saisonsortiment im Zeitraum 01/2021 bis 12/2021“, sagt Pressesprecherin Julia Leipe. Viele dieser Produkte sind im dauerhaften Sortiment unter den Eigenmarken „Gut bio“ und „Mein Veggie Tag“ zu finden und entsprechend mit dem V-Label „Vegan“ gekennzeichnet.

Aldi Süd unterstützt auch den Veganuary seit 2020 und hat die Kampagne im Januar 2022 bereits zum dritten Mal in Folge begleitet. „Aus den letzten Jahren konnten wir mitnehmen, dass die Initiative auf große Begeisterung gestoßen ist und das Interesse fortlaufend zugenommen hat“, so Leipe.

Das vegane Sortiment bei Aldi erstreckt sich über nahezu alle Warenbereiche – von veganen Kokos- oder Mandeldrinks über herzhafte Brotaufstriche und pflanzliche Fleischersatzprodukte bis hin zu Weinen, Säften und Süßwaren. Unter der veganen Produktlinie „The Wonder“ der Eigenmarke „Mein Veggie Tag“ sind viele unterschiedliche Fleischalternativprodukte, von veganen Burger-Patties bis zu Chunks, erhältlich. Seit vergangenem Jahr wurde die Produktreihe um vier neue Tiefkühlartikel erweitert: vegane Mini-Frikadellen, Mini-Schnitzel, Chicken Nuggets sowie vegane Fischstäbchen.

Aldi wirbt damit, dass die Tiefkühl-Artikel der „The Wonder vegane Vielfalt“-Produktlinie nicht nur vegan, sondern auch klimaneutral hergestellt sind. Alle Emissionen, die durch Produktion, Transport und Vertrieb entstehen, würden vollständig durch die Unterstützung eines Klimaschutzprojektes in Peru ausgeglichen, heißt es.

Die Milchalternative macht’s
Die Handelsunternehmen führen mittlerweile eine Vielzahl an Milch-alternativen. Dazu zählt bei Aldi Süd zum Beispiel der Gut bio Haferdrink und der Gut bio Mandeldrink. „Wir möchten unser Sortiment auch dahingehend stetig erweitern. Die Entwicklung der letzten 12 Monate zeigt, dass die Milchalternativen sehr gefragt sind bei unseren Kunden, besonders der Haferdrink. Weitere Trends sehen wir beispielsweise bei veganen Alternativen für Joghurtartikel und Desserts“, sagt Leipe.

Auch Konkurrent Lidl orientiert sich nach eigenen Angaben bei der Sortimentsgestaltung an Kundenwünschen. Melanie Pöter von der Lidl-Pressestelle sagt: „Daher bieten wir bereits seit Jahren unter mehreren Eigenmarken vegetarische und vegane Produkte wie beispielsweise pflanzliche Milchalternativen wie den Hafer- oder Mandeldrink, vegane Pizza oder Tofu an. Von rund 4.400 Einzelartikeln im Lidl-Sortiment sind beispielsweise mittlerweile über 450 Artikel in unseren über 3.200 Filialen mit dem gelben Vegan-Siegel gekennzeichnet.“

Vegetarische Kostformen

  • Ovo-Lacto-Vegetarier verzehren tierische Lebensmittel von lebenden, nicht aber von toten Tieren. Sie essen Milch und Milchprodukte, Eier und Honig, aber kein rotes Fleisch, Geflügel und Fisch.
  • Pescetarier verzichten auf Fleisch, essen aber Fisch und Meeresfrüchte. Viele essen auch Eier, Milch und Honig;
  • Veganer ernähren sich rein pflanzlich. Viele verzichten auch auf tierische Inhaltsstoffe in Kleidung (zum Beispiel Leder) und Kosmetika.
  • „Pudding-Veganer“ ernähren sich rein pflanzlich, aber konsumieren meist stark verarbeitete Lebensmittel (besonders Fertiggerichte). Diese Kostform kann sehr energiereich und nährstoffarm sein.
  • Frutarier essen ausschließlich pflanzliche Lebensmittel, die ohne Beschädigung der Pflanze gewonnen werden.

Fleischalternativen haben sich längst am Markt etabliert
Im Lebensmitteleinzelhandel gibt es kein Frischeregal mehr, in dem Verbraucher keine fleischlosen Alternativen finden. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg die Produktion von Fleischersatzprodukten in 2021 weiterhin um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr, gleichzeitig sinkt der Fleischkonsum pro Kopf laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung weiter stetig.

Dabei seien die beliebtesten Fleischalternativen trotz mancher Kritik immer noch Tofu und Sojafleisch. „Denkt man an die ersten Tofuwürstchen auf dem Markt, so hat sich vor allem im Kühlregal sehr viel getan. Neben Veggie-Schnitzel, -Nuggets & Co. gibt es zudem auch pflanzenbasierte Fischalternativen von verschiedenen Herstellern, die ebenfalls geschmacklich von den „Originalen“ fast kaum noch zu unterscheiden sind“, so Pöter.

Bei vielen der neuen Lebensmittel handelt es sich um Produkte auf Basis von Erbsenprotein, so auch bei der neuen Pea Protein Range von Davert. Dazu Elbracht: „Da bei manchen Flexitariern Ersatzprodukte auf Soja-Basis, unter anderem aufgrund des Geschmacks, nicht sehr beliebt sind, punktet die Erbse dank ihrer geschmacksneutralen Eigenschaft sowie der fleischähnlichen Konsistenz. Ein weiterer Vorteil: Die Haltbarkeit ist im Trockensortiment im Vergleich zu Kühlprodukten bedeutend länger, entsprechend gibt es bei Trockenprodukten potenziell weniger Foodwaste. Für die Zukunft sieht Davert, dass das Angebot an Fleischalternativen weiterhin wachsen wird – nicht nur auf Sojabasis, sondern auch auf Lupinen-, Weizen- und Erbsenbasis.

Sandra Spremberg von der Allos Hof-Manufaktur geht davon aus, dass das Thema Biodiversität stärker hervortreten wird. „Mit unserer Mission „food for biodiversity“ waren wir lange alleiniger Vorreiter. Mittlerweile werden die Themen biodiverse Landwirtschaft, Nahrungsmittelproduktion und Ernährung von mehr Unternehmen aufgegriffen. Das ist toll“, so Sandra Spremberg. Neben der Herkunft der Rohstoffe sei dabei der biodiverse Anbau relevant, da sich die meisten Nutzpflanzen durch die Bestäubung von Tieren vermehren.

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