Backwaren Rustikal und regional

Auch wenn Hamsterkäufe mittlerweile vorbei sind, hat das veränderte Einkaufsverhalten der letzten Monate Spuren im Brot- und Backwarensortiment hinterlassen. Wo die Kunden jetzt zugreifen.

Sonntag, 12. September 2021 - Sortimente
Stefanie Aue
Artikelbild Rustikal und regional
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Jahrelang konnten Backstationen und das damit verbundene Frischeangebot im Lebensmitteleinzelhandel positive Bilanzen feiern. Die Pandemie dämpfte nun diese Erfolgsserie. Insbesondere die neuen Hygieneregeln setzten der Lust auf Impulskäufe bei Brot und Backwaren zu. So verzeichnete beispielsweise das norddeutsche Unternehmen Harry-Brot aufgrund der Lockdowns für 2020 einen leichten Umsatzrückgang (2019: 1,056 Mrd., 2020: 1,031 Mrd.). Spürbar war der Rückgang für das Unternehmen vor allem im Preback-Bereich, konnte aber durch die Kategorie Toast/Sandwich und zum Fertigbacken aufgefangen werden. Anders sah es für die Tochterunternehmen aus: „Sowohl das Systemgastronomiekonzept Back-Factory als auch die Tiefkühltochter Backshop waren stark betroffen“, berichtet Frank Kleiner, Geschäftsführer Harry-Brot. Back-Factory sei von den temporären Geschäftsschließungen beeinträchtigt worden, rückläufige Abverkäufe im Foodservice-Markt hätten bei Backshop für negative Umsatzentwicklungen gesorgt, so Kleiner. Die Entwicklung im LEH stimmt Harry-Brot jedoch optimistisch: „Bereits im letzten Jahr konnten wir feststellen, dass mit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen auch die Einkaufsfrequenz wieder ansteigt und damit auch der Umsatz in den Prebake-Stationen“, so Kleiner.

Auch beim international agierenden Bäckereiunternehmen Aryzta haben die gesellschaftlichen Beschränkungen für ein eher verhaltenes Ergebnis gesorgt. „Für Aryzta endete das Geschäftsjahr bereits am 31.7. Der Zeitraum war daher fast vollständig von Corona-Maßnahmen beeinflusst. Dank unserer breiten Kundenbasis konnten wir Verluste, vor allem im Bereich der Hotellerie und Gastronomie, teilweise durch gestiegene Nachfrage im Bereich Retail und Discount kompensieren. Wie zu erwarten, lag das Ergebnis unterm Strich unter dem des Vorjahres“, erläutert Steffen Göhringer, Marketing Director bei Aryzta.

Anders sah es da bei Mestemacher aus: „Der Halbjahresumsatz 2021 liegt bei uns zweistellig prozentuiert über dem Halbjahresumsatz 2020“, freut sich Prof. Dr. Ulrike Detmers, Geschäftsführende Gesellschafterin der Mestemacher Management GmbH. Und auch das Start-up B. Just Bread blickt optimistisch in die Zukunft: „Wir sind ein junges Unternehmen, und unser Wachstum ist deutlich sichtbar“, sagt Björn Hautmann, Geschäftsführer von B. Just Bread. „Wir gehen davon aus, dass wir unser Ergebnis von 2020 noch einmal übertreffen können.“

Das darf’s sein
„Die Welt ist in den letzten 15 Monaten für alle kleiner geworden, und viele haben diese kleine Welt neu kennen- und auch schätzen gelernt“, meint Steffen Göhringer. „Wir erwarten, dass dieser Effekt den Trend zur Regionalität verstärkt.“ Anhaltend beliebt seien daher rustikal und handwerklich anmutende Produkte. Dem kann Harry-Geschäftsführer Frank Kleiner zustimmen: „Mit Harry Regional hat Harry im April dieses Jahres ein ganz neues Produktkonzept mit gleich zehn Artikeln auf den Markt gebracht. Denn 83 Prozent der Verbraucher ist es sehr wichtig, dass ein Lebensmittel aus der Region stammt (Quelle: BMNL Ernährungsreport 2020).“ Die Verbraucher griffen daher verstärkt auf Produkte mit kurzen Transportwegen und Zutaten aus der Region zurück. Aber auch rustikal sei bei den Verbrauchern derzeit sehr beliebt. „Mit unserer neuen Range anno 1688 bieten wir dem Verbraucher gleich drei neue Sorten mit rustikalem Geschmack und rustikaler Optik“, so Kleiner.
B. Just Bread will hingegen den anhaltenden Trend hin zu Hafer und hohem Proteingehalt bedienen. „Wir haben es geschafft, zwei Trends zu verknüpfen, sind im Moment dabei, unser neues Haferbrot mit hohem Proteingehalt zu launchen und können bereits erste Listungen verbuchen“, berichtet Björn Hautmann. „Hafer ist das Getreide der Stunde, und Lebensmittel mit hohem Proteingehalt sind weiter stark nachgefragt“, ist Hautmann überzeugt.

„Ballaststoffreiche Brotsorten mit Mehrwert-Optimalisierung, zum Beispiel durch Vorratshaltung in der Speisekammer der Privathaushalte, sind auch zukünftig stark nachgefragt“, meint Prof. Dr. Ulrike Detmers. Außerdem seien Bio und Protein national und international beliebt. „Ölsaaten in Brotgruppen stehen ebenfalls sehr hoch in der Gunst der B2C-Zielgruppen“, so Detmers.

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