Frei von... - Glutenfrei Alltagstauglich

Der Handel investiert in das Spezial-Segment glutenfrei. Convenience-Produkte sollen Zöliakie-Betroffenen den Alltag erleichtern.
400.000. Gemessen an den Zahlen der Bundesbürger, die z. B. an Laktoseintoleranz leiden, handelt es sich bei den Zöliakie-Betroffenen um eine eher kleine Zielgruppe.

Sonntag, 05. Juni 2011 - Sortimente
Bettina Röttig
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Doch immerhin rund 40 Mio. Euro beträgt das Marktvolumen für glutenfreie Produkte hier in Deutschland. Und es gibt noch Luft nach oben, denn die Zahl der Betroffenen wird weiter steigen. Gründe hierfür sind vor allem die bessere Diagnostik sowie das Bewusstsein für Glutenunverträglichkeit. Wurden die Spezialprodukte in der Vergangenheit vor allem in Reformhäusern gekauft, rückt das Segment beim LEH immer stärker in den Fokus, sowohl auf Sortimentsebene als auch im Kundenservice.
„Im Vergleich zu vergangenen Jahren ist die Nachfrage zum Thema Allergien und Unverträglichkeiten allgemein gestiegen", berichtet Andreas Swoboda, Geschäftsleitung Qualität und Umwelt bei Tegut. Die eigene Kundenbetreuung Ernährung habe 2010 die meisten telefonischen Beratungsgespräche speziell zum Thema Zöliakie, aber auch zu Laktoseintoleranz geführt. Rund 50 glutenfreie Produkte führt das Fuldaer Unternehmen im Sortiment.

Das St. Wendeler Handelsunternehmen Globus investiert derzeit sogar kräftig in das Segment. Als nach eigenen Angaben erster Einzelhändler produziert Globus seit Mai diesen Jahres selbst glutenfreie Backwaren. Mehrere der 41 Märkte sollen zusätzlich mit speziellen Backstuben ausgestattet werden. Zwölf glutenfreie Brotsorten à 500 g werden angeboten, darunter Herzhaftes wie auch süße Hefeteigbrote. In den nächsten Monaten sollen Torten mit pflanzlicher Cremefüllung das Angebot ergänzen. Die Produkte heben sich durch ihre Verpackung optisch vom herkömmlichen Backwarenangebot ab. Insgesamt betreibt Globus 13 Meisterbäckereien. Die Pilotmärkte in Leipzig-Seehausen und Plattling backen bereits glutenfrei, bis Ende 2011 folgen die Standorte Hockenheim und Rostock. Die Investitionen pro Backstube: 1,5 Mio. Euro. Bald soll ein Vorbestellservice für die lückenlose Verfügbarkeit der Produkte sorgen.

Wachstumsraten zwischen 10 und 15 Prozent prognostiziert Dr. Schär, nach eigenen Angaben europäischer Marktführer für glutenfreie Lebensmittel, für die nächsten Jahre. Trotz wachsenden Wettbewerbs konnte der Hersteller 2010 ein Umsatzplus von 20 Prozent in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr verbuchen. Aktuell halte man hier einen Marktanteil von rund 60 Prozent. Im LEH bieten die Südtiroler ein 25 Artikel umfassendes Trockensortiment unter der Marken Glutano und 20 Tiefkühlprodukte unter DS – gluten free an. Als zukunftsweisend sieht Dr. Schär die starke Verbrauchernachfrage nach Brotprodukten und Produkten mit Convenience-Charakter.

Gesunde Convenience-Produkte sowie Genussartikel sieht auch Schneekoppe künftig als potenzielle Wachstumstreiber an. Das Unternehmen verzeichnet insgesamt ein kontinuierliches Absatz-Wachstum mit seinem glutenfreien Sortiment, so Geschäftsführer Hendrik Oevel.

Eine steigende Nachfrage beobachtet die Heirler Cenovis GmbH aktuell vor allem bei glutenfreien Produkten ohne Hefe, beispielsweise Gemüsebrühe. Seit rund einem Jahr sind die glutenfreien Suppen, Saucen, Brühen und Würzmittel der Marke Cenovis in Bio-Qualität nicht mehr nur im Bio-Fachhandel sondern auch im konventionellen LEH erhältlich.

Neu in den Markt für glutenfreie Lebensmittel eingestiegen sind die Schwartauer Werke. Im Dezember startete der Konfitüre-Spezialist mit elf Produkten (Cerealien, Knäckebrot, Mehl bzw. Mehlmischungen und Gebäck) unter der Marke Semper, laut Philipp von Jagow, Marketingleiter Schwartauer Werke, Marktführer für glutenfreie Produkte in Skandinavien. Vorab habe man den Markt in Deutschland intensiv analysiert und getestet. „Alles mit dem Ergebnis, dass hier noch viel Potenzial ist", so von Jagow. Das Semper-Sortiment umfasse in Schweden rund 60 Produkte. Es gelte demnach noch einige Artikel für den deutschen Markt zu prüfen.


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