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Schweiz GipfelQualität

| 14. September 2010
Schweiz: GipfelQualität

Bildquelle: iStockphoto

Premium- und Präzisionsprodukte, weltbekannte Marken sowie Nachhaltigkeit und Bio: dafür steht die Schweiz. Idylle und Industrienation sind hier kein Widerspruch, sondern Ausdruck der berühmten eidgenössischen Neutralität und Kompromisssuche.

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Mehr und mehr Artikel im deutschen Handel tragen das Schweizer Kreuz. Swissness ist Trend und geht weit über Uhren, Taschenmeser, Käse, Müesli und Schoggi hinaus. Artikel aus der Alpenrepublik haben Potenzial.

Die Schweiz genießt in Deutschland einen ausgezeichneten Ruf, nicht nur ihres Bankgeheimnisses wegen. Wie positiv das Image unseres Nachbarn besetzt ist, habe ich staunend vor sechs Jahren das erste Mal zur Kenntnis genommen. Mein damaliger Arbeitgeber, eine große, regionale Tageszeitung (Auflage 270.000) verloste wöchentlich Reisen, mal nach New York, Sidney oder auch „nur“ in die Schweiz. Kaum zu glauben, aber wahr, für Sidney, New York und Dubai griff kaum jemand zum Hörer oder schrieb eine Mail, bei der Schweiz meldeten sich die meisten. Ein Italiener hat mir das damals so erklärt: Die Schweiz ist wie Deutschland, nur schöner.

Die Schweizer sehen das sicherlich ganz anders, aber ein Funken Wahrheit ist dran: Deutschland und die Schweiz sind ein Sprachkreis und beide geprägt von der abendländischen Kultur. Für die Deutschen ist ist Schweiz Urlaubsland und Rückzugsgebiet, per se also positiv besetzt.

Was Italien längst gelungen ist, Image (und sei es sogar unbegründet) in Euro umzuwandeln, das versuchen jetzt immer mehr Schweizer Unternehmen, einige aktiv, andere mehr aus der Not heraus, weil sie auf dem abgeschotteten Inlandsmarkt kaum mehr Expansionschancen haben.

Seit Herbst 2008 verhandeln die Schweiz und die EU über ein Freihandelsabkommen in den Bereichen Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit, Produktsicherheit und öffentliche Gesundheit. Es würde sowohl tarifäre Handelshemmnisse wie Zölle und Kontingente als auch nicht-tarifäre Hürden wie unterschiedliche Produktvorschriften und Zulassungsbestimmungen abbauen. Neben den landwirtschaftlichen Rohstoffen (Milch, Schlachtvieh) sollen auch die der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Stufen der Produktionskette in den Freihandel einbezogen werden, also Saatgut, Maschinen etc., außerdem die Produkte der Verarbeitungsindustrie wie Käse und Joghurt.

Eine Öffnung gegenüber der EU würde die Produktionskosten für die Schweizer Landwirte und die Verarbeitungsindustrie senken und gleichzeitig den Zugang auf den EU-Absatzmarkt verbessern. Die Schweizer Konsumenten profitierten von sinkenden Nahrungsmittelpreisen. Für die Volkswirtschaft würde laut Schweizer Regierung mit einem positiven Wachstumseffekt in der Größenordnung eines dauerhaften Anstiegs des Bruttoinlandsprodukts um 0,5 Prozent oder 2 Mrd. CHF gerechnet.

Die Confoederatio Helvetica (Länderkennzeichen CH) ist das Land der Reformen und Kompromisse, der Neutralität und der Unabhängigkeit. Das ist so etwas wie der Markenkern der eidgenössischen Mentalität. Dass die Schweiz Mitglied der EU wird, bzw. aus wirtschaftlichen Gründen irgendwann werden muss, sehen die Schweizer nicht, sagen aber, wie der Dolma-Chef Christoph Clavadetscher im LP-Interview (S. 48): „Die Schweiz muss überhaupt nicht beitreten und wird das auch noch lange nicht tun!“ Aha, „noch lange nicht“ (auf Schweitzerisch), heißt zu deutsch „irgendwann schon“. In diesem Zusammenhang antwortete vor einem Jahr Adolphe R. Fritschi, Vorsitzender der Bell-Geschäftsführung, auf die Frage, was es bedeutet, wenn ein Schweizer „irgendwann“ sagt, lachend, „dass es noch eine ganze Weile dauern kann“. Die Bell-Gruppe, ein Tochterunternehmen der Coop, zählt zu jenen Konzernen, die aktiv den Anschluss an die EU suchen. Mit der Übernahme von Abraham und Zimbo hat sich Bell Marktzugänge geschaffen.

Zahlen & Fakten

Der Umsatz der Schweizer Biobranche legte 2009 um 7 % (2008 um 11 %) auf 1,54 Mrd. CHF zu. Der Pro-Kopf-Verbrauch für Bio-Artikel liegt bei 200 CHF. Die Coop hat einen Marktanteil von 49 % (749 Mio. CHF), die Migros von 23 % (365 Mio. CHF), der Discount von 2,6 Prozent, und auf die Direktvermarkter entfallen 9,6 Prozent.

Mehr als 40 Prozent der Schweizer Milch werden zu Käse verarbeitet, der zu einem Drittel exportiert wird.

In der Schweiz werden etwas mehr als 450 Käsesorten hergestellt.

Die Schweizer sind die größten Hersteller von verarbeiteter Halal-Nahrung. Bereits 2007 machten sie damit mehr Umsatz als mit Bio-Produkten. Das Absatzvolumen von Halal-Nahrung wächst jährlich zweistellig. Die Eidgenossen exportieren die Waren größtenteils nach Südostasien und in den Nahen Osten.

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