Der deutsche Spielzeughersteller Tonies hat im ersten Halbjahr 2026 seinen Umsatz um 41 Prozent auf 242,9 Millionen Euro gesteigert. Das teilte das Unternehmen mit. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes EBITDA) sank auf 1,8 Millionen Euro, 0,7 Prozent des Umsatzes. Im ersten Halbjahr 2025 waren es noch 3,8 Millionen Euro gewesen. Tonies führt den Rückgang auf eine Verschiebung im Produktmix hin zu mehr Toniebox-Verkäufen und auf den Zeitpunkt von US-Zöllen zurück.
Nordamerika entwickelte sich zum größten und am schnellsten wachsenden Markt des Unternehmens. Der Umsatz in der Region stieg um 57 Prozent auf 104,3 Millionen Euro. Die Marktdurchdringung in Haushalten liegt den Angaben zufolge noch im niedrigen zweistelligen Bereich. Im zweiten Quartal beschleunigte sich das Wachstum in Nordamerika auf 85 Prozent.
Die Region Deutschland, Österreich und Schweiz steigerte den Umsatz um 26 Prozent auf 88,9 Millionen Euro. Tonies führt dies auf den Erfolg der Toniebox 2 und neue Produktinnovationen zurück. Der Rest der Welt wuchs um 43 Prozent auf 49,7 Millionen Euro, getrieben durch eine höhere Marktdurchdringung in verschiedenen Regionen.
Tonies verkauft mehr Tonieboxen
Der Umsatz mit Tonieboxen legte um 69 Prozent auf 57,2 Millionen Euro zu. Die starke Nachfrage nach der Toniebox 2 trieb das Wachstum an. Im zweiten Quartal beschleunigte sich der Anstieg auf 76 Prozent. Tonies führt dies auch auf eine niedrige Vergleichsbasis zurück, da Händler im Vorjahr die Markteinführung der Toniebox 2 im dritten Quartal 2025 abwarteten. Der Umsatz mit Tonies-Figuren stieg um 36 Prozent auf 177,1 Millionen Euro.
„Das erste Halbjahr 2026 war stark in jedem Segment, in jeder Kategorie und mit 41 Prozent Wachstum auf Konzernebene“, zitierte das Unternehmen Vorstandschef Tobias Wann in der Mitteilung. Der anhaltende Erfolg der Toniebox 2 zeige, dass man das richtige Produkt zur richtigen Zeit auf den Markt gebracht habe.
Finanzvorstand: Aussicht auf starke Zusatzerlöse
Finanzvorstand Hansjörg Müller erklärte: „Die bereinigte EBITDA‑Marge spiegelt eine geplante Änderung im Zeitpunkt unseres Produktmix und US-Zölle wider.“ Der Verkauf von mehr Tonieboxen habe zwar zu einer vorübergehend niedrigeren Bruttomarge geführt, eine wachsende installierte Basis sei aber die Grundlage, um in den kommenden Jahren umsatzstarke Zusatzerlöse zu generieren.
Tonies bestätigte die Prognose für das Gesamtjahr 2026. Das Unternehmen erwartet ein Umsatzwachstum von mehr als 20 Prozent auf über 760 Millionen Euro. In Nordamerika soll der Umsatz um mehr als 30 Prozent steigen. Die bereinigte EBITDA‑Marge soll zwischen 9 und 11 Prozent liegen.
Gegründet wurde Tonies 2013 von Patric Faßbender und Marcus Stahl. Der Auslöser war Faßbenders Beobachtung, wie seine Tochter mit einem klassischen CD-Player hantierte und die CD ständig hängenblieb. Daraus entstand die Idee, Hörspiele nicht mehr über ein kompliziertes Abspielgerät, sondern über physische Spielfiguren steuerbar zu machen. Diese kamen 2016 auf den Markt. Die Figur ist gleichzeitig Spielzeug, Datenträger und Lizenzprodukt. Eine Disney- oder Paw-Patrol-Figur ist für das Kind ein Spielzeug – für Tonies ist sie aber auch ein Stück Content, das Eltern immer wieder kaufen können.