Backwarenmarkt im Wandel Warum immer mehr Balkan-Bäckereien in deutschen Städten eröffnen

In Deutschland wächst die Zahl der Balkan-Bäckereien – auch in kleineren Städten. Forscher sehen darin eine Folge veränderter Essgewohnheiten und des Rückzugs traditioneller Betriebe. Der Bäckerinnungsverband hält die neue Konkurrenz für verkraftbar, wünscht sich aber mehr Austausch.

Montag, 05. Oktober 2026, 09:19 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Burek und Baklava gehören zum Sortiment vieler Balkan-Bäckereien. Die Betriebe verbinden traditionelle Backwaren mit einem Snackangebot. Bildquelle: Getty Images

In deutschen Städten eröffnen immer mehr Balkan-Bäckereien – auch abseits der Großstädte. Der Bäckerinnungsverband Baden-Württemberg bestätigt den Trend, sieht darin aber keine Bedrohung für das traditionelle Backhandwerk.

„Wir haben eine zunehmende Entwicklung an Bäckereien aus dem Balkan beobachtet“, sagte Frank Sautter, Geschäftsführer des Bäckerinnungsverbands Baden-Württemberg. Wie viele Balkan-Bäckereien es inzwischen in Deutschland gibt, lässt sich den Angaben zufolge nicht beziffern, da eine eigene statistische Kategorie fehlt. Klar sei aber: Das Angebot wächst.

Der Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder von der Universität Regensburg sieht mehrere Ursachen für die Entwicklung. Viele traditionelle Bäckereien geben demnach ihre Standorte auf, weil sie mit steigenden Kosten und Personalmangel kämpfen. Gleichzeitig verändern sich die Essgewohnheiten: Große Mahlzeiten verlieren an Bedeutung, kleinere Speisen zwischen Snack und Mahlzeit gewinnen an Beliebtheit. „Genau diese Nische besetzen Balkan-Bäckereien“, sagte Hirschfelder. Die Läden verbinden klassische Bäckerei mit Imbiss und bedienen damit eine wachsende Snack-Kultur. 

Hinzu komme ein kultureller Wandel: Das Bild des Balkans habe sich in Deutschland verändert. Kroatien sei ein beliebtes Urlaubsziel, Städte wie Sarajevo oder Belgrad zögen Besucher an, und viele Menschen mit Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien seien längst in Deutschland verwurzelt. Die zweite und dritte Generation gründe Unternehmen und bringe ihre Esskultur in die Innenstädte.

Bäckerinnungsverband sieht keine Bedrohung für traditionelle Betriebe

Für den Lebensmittelhandel und das traditionelle Bäckerhandwerk stellt sich die Frage, ob die neuen Betriebe Kunden abziehen. Sautter räumte ein, dass Kunden, die bei Balkan-Bäckereien einkaufen, den traditionellen Bäckereien fehlen können. Eine Bedrohung sehe er darin aber nicht. Balkan-Bäckereien seien Mitbewerber – genauso wie Discounter oder andere Lebensmittelgeschäfte. Traditionelle Bäckereien hätten meist ein breiteres Sortiment mit mehr Brotsorten und klassischem Süßgebäck. Beim Preis sehe er keinen entscheidenden Vorteil der neuen Konkurrenz, da auch Balkan-Bäcker unter dem gleichen Kostendruck stünden.

Sautter bemängelte allerdings, dass die neuen Betriebe bisher kaum in den Bäckerinnungen vertreten seien: „Es ist schade, dass so wenige den Weg zu uns finden“, sagte er laut der Meldung. Auch der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks sieht den Angaben zufolge kein Verdrängen der klassischen Bäckereien. Beide Formen könnten koexistieren, sagte eine Sprecherin des Verbands.

Ein Beispiel für den Trend ist die „Balkan Bakery“ in Ravensburg, die Inhaberin Imrane Baftiu nach eigenen Angaben Ende Juli eröffnete. Baftiu, deren Eltern als Gastarbeiter aus dem Kosovo nach Deutschland kamen, bietet dort neben Burek und Baklava auch Vollkornprodukte und Laugengebäck an. „Mein Ziel war es, einen Ort zu schaffen, an dem sich die Leute wohlfühlen“, sagte die 42-Jährige.

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